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FAHRBERICHT: Schwäbische Luftkur

Mit einer aufwendigen Luftfederung und automatisch aufblasbaren Frontsitzen für mehr Kurvenhalt soll die neue MERCEDES E-KLASSE wieder Maßstäbe bei den Prestige-Limousinen setzen.

Mit einer aufwendigen Luftfederung und automatisch aufblasbaren Frontsitzen für mehr Kurvenhalt soll die neue MERCEDES E-KLASSE wieder Maßstäbe bei den Prestige-Limousinen setzen. Doch einige Details der langen Sonderausstattungsliste sind eher verzichtbare Marketing-Gags als wegweisende Reiseerleichterungen

Gag-Schraube

Beinahe hätten die Mercedes-Entwickler die Gag-Schraube überdreht. Auf der Suche nach einer werbeträchtigen Weltpremiere für die neue E-Klasse planten die Stuttgarter Tüftler ein Frontgestühl mit Neigungsausgleich. In Kurven sollte das Mobiliar wie ein Pendolino-Zug automatisch mitschwenken und so die Fliehkraft ausgleichen. Doch den Obersten der Stern-Flotte schien die Gesäß-Wippe nicht standesgemäß genug für einen Platz in der Ausstattungsliste.

2 Milliarden Investitionen

Dort steht aber eine abgemagerte Version der Kurvenschaukel, der fahrdynamische Multikontursitz. Seitliche Luftpolster pusten sich, von einem Mikro-Computer gesteuert, in der Nierengegend je nach Straßenlage auf und sollen in Kurven mehr Seitenhalt bieten. Die Stütze kostet pro Sitz 638 Euro und ist verzichtbar. Auch ohne die zusätzlichen Blasebacken haut¿s den Fahrer in Kurven nicht um. Bei 800 Millionen Euro Entwicklungskosten kam es auf diesen Gimmick auch nicht mehr an. Weitere 1,2 Milliarden steckten die Stuttgarter in die Produktion. Dieses Geld dürfte besser angelegt sein als in Möbel-Technik, denn zuletzt kassierte Mercedes massive Mängelrügen.

Das Fachblatt »Automobilwoche« zitierte jüngst aus einer vertraulichen, internen Studie der europäischen Autobauer, nach der die Edelmarke deutlich mehr unter Qualitätsproblemen leidet als der Branchendurchschnitt. Die neue E-Klasse soll nun auch wieder Spitzenqualität liefern. Was der Neuling sonst drauf- hat, klärt ein stern-Fahrbericht.

Glanz & Gloria: überragend.

Ob abgenudeltes Taxi oder aufgebrezelter Achtzylinder, die E-Klasse steht für den Mythos Mercedes wie kein anderes Modell.

Gleiten & Geniessen: souverän.

Drinnen geht es fast so zu wie in der größeren S-Klasse. Die CDI-Diesel der zweiten Generation heizen deutlich kultivierter voran als ihre Vorgänger. Bedienung und Sitzposition aller Varianten sind nur schwer zu verbessern. Ebenso Fahrkomfort, Geräuschkulisse und Innenraumklima. Da gibt¿s nichts zu mäkeln. Endlich ist auch das eingebaute Regenblindflugprogramm verschwunden, der schmierige Einarmwischer. Jetzt brauchen die nunmehr zwei Gummilippen nur noch einen Schalter, für den der Fahrer nicht mehr die linke Hand vom Lenkrad nehmen muss. Chrysler hat so was schon.

Gas & Spass: knackig.

Die jüngste Mercedes-Limousine lässt sich deutlich leichtfüßiger um enge Kurven dirigieren als der Vorgänger. Die Lenkung wirkt nicht mehr so pomadig und das serienmäßige Sechsganggetriebe muss nicht mehr mit dem Hammer bedient werden. Zum feurigen Eckenknaller taugt die E-Klasse dennoch nur eingeschränkt, obwohl die beiden Diesel bei Sprint und Höchsttempo kaum zu schlagen sind. Ihr Fahrwerk ist, ebenso wie das der nicht sonderlich spritzigen Benziner, eindeutig als Sänfte ausgelegt. So soll es auch sein. Wem das zu softig ist, dem bietet Mercedes für 1856 Euro Aufpreis die Luftfederung »Airmatic DC« an. DC steht für Dual Control, zweifache Steuerung. Damit können Federn und Stoßdämpfer zugleich elektronisch von hart auf weich gestellt werden. Tastendruck genügt. »Sport- und Komfortfahrwerk in einem«, verkünden die Mercedes-Mannen. Zwar keine Mogelpackung, aber nur eine halbherzige Lösung. Denn die härteste Einstellung entspricht dem ebenfalls erhältlichen Sportfahrwerk (487 Euro), das allerdings nicht auf Komfort umschaltbar ist. Eindeutig Spitze ist dagegen die neue elektrohydraulische Bremsanlage, die es bislang nur im Spitzensportler SL gab. Keine Limousine steht in Kurven, auf nasser Piste oder unterschiedlichen Fahrbahnbelägen so schnell und spurstabil wie die neue E-Klasse, bei der ein Minirechner jedes Rad einzeln stoppt.

Drum & Dran: verlockend.

Einerseits sind die Grundpreise für den Neuen, der ab Mitte März verkauft wird, trotz besserer Technik und Ausstattung vereinzelt sogar gleich geblieben. Erfreulich. Andererseits ist das verführerische Beiwerk schleichendes Gift fürs Sparkonto. Für den Abstandsregeltempomat sind beispielsweise 2343 Euro extra fällig, für die umklappbare Rücksitzbank 499 Euro und für die Fünfgang-Automatik (Serie im E 320 und E 500) knapp 2007 Euro. Wer sich das komplette Luxus-Sitzprogramm für vorne leistet, wird rund 4400 Euro zusätzlich loswerden. Da ist auch der Verzicht auf Cupholder zu 34,80 Euro keine Rettung. Unverschämt, dass in einer Oberklasse-Limousine für die Kindersitzhalterung im Fond 46,40 Euro extra verlangt werden. Tröstlich: Die vorbildlichen Rückhaltesysteme sind Serie.

Fazit:

Die neue E-Klasse ist »der neue Maßstab unter den Oberklasse-Limousinen« - so ein markiger Marketingspruch der Stuttgarter. Diesmal haben die Sprücheklopfer Recht.

Von Peter Weyer

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
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