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Audi 80 B4 Final Countdown

Der Audi 80 B4 basierte auf dem Vorgänger B3
Der Audi 80 B4 basierte auf dem Vorgänger B3
© press-inform - das Pressebuero
Der Audi 80 B4 kam 1991 auf den Markt, basierte auf dem Vorgänger B3 und wurde schon nach vier Jahren eingestellt. Dennoch machte sich der Mittelklasse-Wagen sowohl als Spritsparer als auch als PS-Protz einen Namen.

Audi und Porsche. Ingolstadt und Weißach. Das war tatsächlich mal eine Hochzeit im Himmel. Die Zuneigung der beiden Partner ging sogar so weit, dass bei RS2 Avant Sportler mit dem internen Code P1 (P für Porsche) der Porsche-Schriftzug in das Typen-Logo integriert wurde. Das potente Hochzeitsgeschenk kam 1994 auf den Markt, rund ein Jahr, bevor die Produktion des Audi 80 der Baureihe B4 eingestellt wurde. Der Kraftprotz mit seinen 232 kW / 315 PS war in vielerlei Hinsicht ein Meilenstein. Zum einen war er die Krönung der B4 Baureihe, bei der es im Gegensatz zum Vorgänger erstmals eine Kombi-Version gab, die im Audi Jargon als Avant um die Ecke kam.

Außerdem legte der Ingolstädter Autobauer mit diesem Vorzeige-Dynamiker endgültig das Image der Hut auf der Ablage-Marke ab. Der Preis war mit 98.900 DM alles andere als ein Schnäppchen, aber die Tatsache, dass bis zur Einstellung des Power-Kombis im Jahr 1996 genau 2.891 Exemplare statt der ursprünglich geplanten 2.200 Modelle gebaut wurden, zeigt den Erfolg des Understatement-Sportlers, der bis zu 262 km/h schnell war. Entgegen der landläufigen Meinung produzierte Audi neben dem Sportkombi noch vier RS2-Limousinen.

Begonnen hatte die Geschichte des Audi 80 der Baureihe B4 im Spätsommer des Jahres 1991, um genau zu sein mit der Markteinführung am 14. September. Was damals nur wenige wussten: Mit diesem Modell ging die Ägide der Audi 80 zu Ende, die 19 Jahre vorher begonnen hatte, danach trugen die Ingolstädter Mittelklasse-Fahrzeuge den Namen A4. Wenn man es genau nimmt, war der letzte Audi 80 eine umfangreiche Modellpflege des Vorgängers. Statt einer Torsionskurbelachse verbauten die Ingenieure bei den frontangetriebenen Varianten hinten eine Verbundlenkerachse. Die quattro-Versionen hatten eine Doppelquerlenker-Radführung mit geschmiedeten Radträgern. Diese technische Umrüstung des Fahrwerks führte zu einem Domino-Effekt. Auch der Tank wurde umgestaltet und jetzt liegend montiert, was zu einem ebenen und geräumigeren Kofferraum führte. Die asymmetrisch umlegbaren Lehnen der Rücksitze erhöhten den Komfort.

Außerdem wuchs der Radstand um 66 beziehungsweise 60 Millimeter (quattro) und das gesamte Auto um rund acht Zentimeter. Die Spur vorne legte um 38 Millimeter auf 1.449 Meter zu. Damit wirkte der Audi 80 B4 deutlich wuchtiger als der Vorgänger, auch wenn sich die Technik in einigen Punkten überschnitt. Die Karosserie wurde unter anderem an der Bodengruppe und den hinteren Radläufen verstärkt und wies damit eine deutliche größere Torsionssteifigkeit auf, als das bei der Baureihe B3 der Fall war. Bei der Sicherheit legten die Ingolstädter ebenfalls nach: Seit dem Januar hatte jeder Audi 80 ein ABS. Ab dem Modelljahr 1994 war ein Fahrerairbag serienmäßig, ein Jahr später der Beifahrer-Airbag.

"Neun Modelle, sechs Motoren" verkündete die Pressemappe freudestrahlend. Allerdings legte der Audi 80 B4 zunächst mit fünf Motoren los, deren Spannbreite von einem Vierzylinder-Diesel mit 55 kW / 75 PS über Reihenvier- und Fünfzylinder Ottomotoren bis hin zu einem V6-Benziner mit 128 kW / 174 PS reichte. Später im Erscheinungsjahr kam der Turbodiesel-Direkteinspritzer mit 66 kW / 90 PS dazu, der zwei Jahre zuvor im Audi 100 seine Premiere gefeiert hatte. Dieser Vierzylinder-Selbstzünder unterschritt die strengen Abgasnormen der US-Behörden um 40 Prozent, genauso wie den in Deutschland angelegten Partikel-Grenzwert von 0,08 g/km (also die nach dem damaligen Umweltminister Klaus Töpfer benannte "Töpfer-Norm").

Verschiedene Testfahrten bewiesen das Sparpotential des Triebwerks. Bei einer 1.079 Kilometer langen Testfahrt von Wien nach Genf begnügte sich ein Audi 80 1.9 TDI 1994 im Schnitt mit 2,77 Litern pro 100 Kilometer. Bei den Benzinern freuten sich die vor allem die Sechszylinderkunden über die Option, ein strafferes Sportfahrwerk zu ordern, das die Karosserie um 15 Millimeter tieferlegte. 1993 legte Audi den S2, auf dem dann der Über-Audi 80 RS2 basierte, auf Kiel, verpasste ihm einen 169 kW / 230 PS starken Fünfzylinder 2,2-Liter-20-Ventil-Turbobenziner und schleuderte so den Fehdehandschuh nach Stuttgart, Zuffenhausen und München. Heute sind die Sportler gesuchte Modelle, konnten aber damals die Baureihe nicht mehr retten. Im Dezember 1994 fiel der Hammer für die Limousine, der letzte Avant verließ ein Jahr später die Fabrik.

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