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BMW X5: Reite den Saurier

Wer braucht einen Riesen-SUV? Einen Spritfresser, einen Parkraumblockierer ohnegleichen? Klar, Männer mit Ego-Problemen und Frauen, die sich in einem Panzer stets unbehelligt am Mittelstreifen orientieren können und jeden Gegenverkehr in die Büsche zwingen.

Nach 14 Tagen am Steuer eines BMW X5 3.0 d weiß man, das sind abfällige Kommentare ahnungsloser Nicht-SUV-Fahrer. Denn - welch Überraschung - der Wagen sitzt wie angegossen. Zugegeben, nicht wie ein Maßanzug, sondern wie eine Ritterrüstung. Tapfer das Lenkrad gehalten und langsam ein Gefühl für die Dimensionen der rollenden Festung bekommen. Erster Eindruck: Fährt man eigentlich selbst oder fließt die Stadt um den X5 herum? Nach kurzer Irritation genießt man diese Art der Bewegung, zumindest solange man nicht auf eine Parklücke angewiesen ist. Ein Grund ist der Respekt, den der Wagen genießt. Dass auf den Straßen das Faustrecht des Stärkeren gilt, mag im Prinzip beklagenswert sein. Im X5 sieht man die Wild-West-Mentalität gelassener, der Wagen gehört eindeutig zu den Starken. Diesen Büffel schneidet und bedrängt so leicht keiner.

Ist die "Driving Fortress" nach Ihrem Geschmack?

Size matters

Optisch gehorcht der X5 nicht dem neuesten Schrei der SUV-Designer. Hier stand noch Thors Hammer Pate bei der Formgebung. Ecken, Flächen und Kanten ist das Credo, Rundungen und dynamische Schwellungen sind verpönt. Alles ist gewaltig ausgefallen: Außenrückspiegel in den Dimensionen eines Klappspatens. Ein Lenkrad-Durchmesser den Männerhände nur mit Mühe umfassen können. Ein Lifestyle-Auto ohne Konzessionen an Style und Gefälligkeit. Dafür bietet der X5 einen eigenen optischen Auftritt, in gar keinem Fall erinnert er an einen aufgebockten 5er Touring.

Die gefahrene Variante in Vollausstattung mildert die grobschlächtigen Dimensionen mit Glanz und Leder. Wohltuend die schiere Dimension des Innenraums. Es handelt sich um keine Kabine mit Zwangsellbogenkontakt zum Beifahrer, der X5 stellt ein Mobil-Home bereit, der Abstand zum Beifahrer erinnert an eine großzügige Wohnlandschaft. Trotz der Dimensionen ist die seitliche Beinfreiheit für den Fahrer nicht opulent, der Antriebstrang macht sich bemerkbar. Dafür bieten die hohe Sitzposition und die großen Glasflächen eine ausgezeichnete Rundumsicht. Dass die hinteren Mitfahrer keine Einschränkungen an Knien oder Nacken verspüren, sei der Vollständigkeit halber vermeldet. Der Kofferraum ist mit 466 Litern nicht üppig dimensioniert, angesichts der Größe des Wagens ist das keine Bestmarke. Zudem liegt die Ladefläche sehr hoch und ist durch die zweigeteilte Heckklappe schwer zu beladen. Gerade kleinere Fahrer müssen durchaus mal auf die untere Heckklappe hupfen, um den Stauraum zu beladen

Vernunft im Irrsinn

Mit der Motorisierung eines 4.8i verwandelt sich der X5 in ein echtes Autobahnraubtier, die 3 Liter Diesel stellt die rationalste Motorisierung da, wenn einem die Verbrauchswerte nicht gänzlich kalt lassen. Verbräuche von unter 12 Litern bei normaler Fahrweise sind angesichts des Gewichts lobenswert. Der Sechszylinder schnurrt angenehm vor sich hin und bewegt die Massen in jeder Situation mehr als zufrieden stellend. Sicher, zur Sprintkonkurrenz mit Sportwagen eignet er sich nicht, aber in Kombination mit der Lenkung bewegt sich das Ungetüm durchaus leichtfüßig im Stadtverkehr. Reicht einem auf der Autobahn eine Reisegeschwindigkeit von 180 km/h bleiben eigentlich keine Wünsche offen. Der Motor leistet 218 PS und schaufelt stolze 500 Nm Drehmoment in das Getriebe. Damit beschleunigt der X5 in 8,8 Sekunden auf 100 Km/h. Ein beachtlicher Wert angesichts der Automatik und des Gewichts von knapp 2,2 Tonnen. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei abgeregelten 210 km/h. Angesichts der Größe sind das mehr als akzeptable Werte. Das Fahrwerk liegt dabei komfortabel auf der Straße, die Geländeeigenschaften wurden perfekt kaschiert. In Kurven und auf Unebenheiten vermeidet der X5 jede unangenehme Schaukelei, mit der andere Soft-Offroader ihre Passagiere quälen.

Kann mehr, als man denkt

Im Vergleich zum X3 wirkt der X5 erwachsener, weniger spaßbetont, aber auch deutlich ungeschlachter. Wen die äußeren Formen ansprechen, wird den X5 wesentlich handlicher und agiler erleben, als er es vermutet hatte. Wer zu den wenigen Kunden gehört, die die Geländefähigkeiten des X-5 wirklich nutzen wollen, der sollte zur Demonstration ein entsprechendes Fahrtraining besuchen. Hier beweist der X5, dass er deutlich mehr drauf hat, als man bei einem SUV vermuten würde. In jedem Fall greift man bei ihm zu einem der letzten Straßen-Saurier. Dem Nachfolger wird optischer Weichspüler verordnet, mit all den Ecken und Kanten ist es dann vorbei.

Gernot Kramper

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.