C- Klasse "C"-isch und weg!


Der Gentleman holt den Hammer raus und was für einen. Der neue Sechszylinder-Diesel von Mercedes-Benz ist die Dampframme der Drei-Liter-Klasse. Trotz der 510 Nm Drehmoment hinter den Reifen, zeigt sich die C-Klasse in jeder Lebenslage wohlerzogen.

Als brav und langweilig gilt die C-Klasse. Genau das richtige Flottenauto für den Handelsvertreter. Adrett wie ein Anzug von Boss, aber keine Spur extravagant. An ihr findet sich nichts, an dem der Kunde Anstoß nehmen könnte. Das ist Segen und Fluch der C-Klasse. Am biederen Image muss man was tun, dachte man sich bei Mercedes und schob zwei Dampfhammer unter die Motorhaube. Besonders interessant ist der nagelneue Diesel 320 CDI, mit ihm bleibt auch der Verbrauch in schwäbischen Grenzen. Bei den Fahrleistungen machen beide Triebwerke unmissverständlich klar, dass mit Handelsvertretern nicht zu spaßen ist.

Der Normalo strikes back

Optisch hat sich an der C-Klasse nach der Rundum-Verschönerung im Modelljahr 2004 wenig getan, aber unter dem sanften Blechkleid lauern jetzt zwei Sechszylinder auf das Signal zum Losbrüllen. Sie machen Druck in der C-Klasse. Entscheidende Neuerung ist ganz klar der Common-Rail-Diesel. Seine Daten: 3.0 Liter Hubraum, 224 PS und 510 Nm Drehmoment, Spitze 241 km/h. Mit so einem Motor könnte man einen Kampfpanzer bewegen, bei der C-Klasse reicht es für einen 6,9 Sekunden Sprint von Null auf 100 km/h. Der Verbrauch liegt bei angenehmen 6,9 Litern (Handschaltung) bzw. 7,3 Liter mit der Siebengang-Automatik.

Immer wohl erzogen

So weit die Fakten, aber wie fährt es sich? Souverän und kultiviert lautet die Antwort. Ausgestattet mit diesem Motor bietet die kompakte C-Klasse Leistungen eines Sportwagens. Wenn das Gaspedal durchgedrückt wird, macht sich der Motor auch herzhaft bemerkbar. Beim Cruisen auf der Autobahn wird der Schwaben-Stier zum Flüstermotor, der kaum hörbar dahinsäuselt. Plattform und Fahrwerk haben niemals Schwierigkeiten, die 510 Nm auf den Asphalt zu bekommen. Abgesehen vom Durchbeschleunigen in regennassen Serpentinenkurven, ließ sich kein Eingriff der Sicherheitselektronik provozieren. Die brachiale Kraft lauert im Hintergrund, springt auf Pedaldruck sofort an, dennoch verwandelt sich die C-Klasse nicht in einen PS-Rüpel. Der Wagen bleibt souverän. So betrachtet, ist der C-Sechszylinder-Diesel eine kompakte Limousine mit den Leistungsreserven eines Sportwagens, aber er ist vom Verhalten eine Limousine geblieben.

Das Hui-Paket

Den Charakter unterstreicht auch das Interieur, doch wer will, kann die zurückhaltende Mercedes-Landschaft innen wie außen mit zwei Sport-Paketen optisch anschärfen. Dazu gehört neben dem dynamischeren Look von Cockpit und Armaturen auch ein sportliches Drei-Speichen-Lenkrad. Mit dem AMG-Optik-Paket wird der Wagen rundum heiß gemacht. Es beinhaltet spezielle Schweller und Schürzen, verchromte Auspuffblenden und eine silberlackierte Kühlermaske.

Nicht nur für Rallye-Fahrer

Zum Ein- oder Ausstieg braucht es keine gymnastischen Verrenkungen, die Sitze sind fest, stützen auch bei längeren Fahrten, halten den Fahrer aber andererseits nicht im Rallye-typischen Klammergriff fest. Das Fahrwerk glättet schlechte Beläge und extreme Straßenverwindungen elegant weg. Pseudo-sportive Rüttler unterbleiben, dabei vermittelt dass Fahrwerk stets einen satten Kontakt zur Fahrbahn. Die Fahreigenschaften der C-Klasse haben von der letzten Auffrischung fraglos profitiert, an die Leistungen des Unterbaus beim neuen 3er von BMW kann die C-Klasse allerdings bei fordernder, sportlicher Fahrweise nicht heranreichen. Abgesehen von Kriterien wie Design und Interieur, die stets geschmacksabhängig sind, unterscheiden sich hier die beiden Premium-Kontrahenten offensichtlich. Vereinfacht ausgedrückt, ist der 3er eine auch für Langstrecken taugliche Sportlimousine, die C-Klasse ein Langstrecken-Komfort-Fahrzeug mit extrem sportlichen Leistungen.

Deplazierter Handschalter

Unbedingt notwendig ist die als Extra erhältliche Siebengang-Automatik 7G-Tronic (2.192 Euro), sie harmoniert perfekt mit dem neuen Motor. Denn nur in Verbindung mit der Siebengang-Automatik schaufelt der Motor 510 Nm bei 1600 bis 2800 U/min heran, die Schaltversion wirkt mit 415 Nm dagegen fast kastriert. Zur Getriebeschonung wurde das Drehmoment um fast 100 Nm reduziert. Knappes Urteil: Für die Handschaltung hätte es den neuen Motor nicht gebraucht, da hätte es auch der alte, nun ausrangierte 270er getan. Oder man hätte nicht nur den Motor anfassen sollen, sondern sich auch ein wenig mit dem Getriebe beschäftigen müssen. Wer Oberklasse-Triebwerke in die kompakten Fahrzeuge der Butter und Brot-Klasse einbaut, sollte auch das Drumherum stimmig anpassen. Böser ausgedrückt: Wer den neuen V-6 Diesel in voller Blüte und nicht als abgeregelte Primel erleben will, muss 2192 Euro extra berappen. Mercedes Benz wurde im Extra-Geschäft noch nie von Skrupeln geplagt, aber dass man zum üppigen Listenpreis nur einen gedrosselten Motor ausgehändigt bekommt, verleiht der schwäbischen Geschäftigkeit eine unangenehme Nuance.

Nicht ohne meinen Filter

Der Durchschnittsverbrauch im Mix liegt bei 7,3 bis 7,6 Litern. Der Motor erfüllt die Euro-4-Norm. Einen Partikelfilter gibt es in Deutschland, Österreich, den Niederlanden und der Schweiz serienmäßig. Mit dem neuen Diesel stellt Mercedes-Benz die Waffengleichheit wieder her, Audi, VW, BMW und Ford/PSA haben bereits neue Aggregate in dieser Klasse. Der neue Dreiliter-V6 wird künftig nicht nur Druck in der C-Klasse machen, sondern auch andere Modelle des DaimlerChrysler-Konzerns antreiben.

Der V6-Benziner

Der aus anderen Baureihen vertraute V6-Benziner stemmt 350 Nm auf die Kurbelwelle. Damit erreicht die Limousine mit der 7G-Tronic in 6,4 Sekunden die 100-km/h-Marke. Hier beträgt der Durchschnittsverbrauch zwischen 9,5 und 9,8 Liter, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei abgeregelten 250 km/h. Den C 320 CDI gibt es ab 38.338 Euro. Das T-Modell kommt mindestens auf 40.078 Euro. Der C 350 liegt als Limousine bei 39.498 Euro und als Kombi bei 41.238 Euro.

Gut getarnter Hochleistungsbulle

Ausgerüstet mit den neuen Sechszylindern kann die C-Klasse nicht länger von der Konkurrenz von der linken Spur geschoben werden. Mit ihnen wird der Wagen zum perfekten Understatement-Auto. Leistung ist in Hülle und Fülle vorhanden, ohne dass der Wagen optisch auf "dicke Hose" macht. Insbesondere mit dem neuen Diesel ist den Stuttgartern ein großer Wurf gelungen. In der C-Klasse mögen seine verschwenderischen Leistungen überdimensioniert wirken und nur eine sehr PS-selige Kundschaft ansprechen. In den größeren und schweren Baureihen wird das schwäbische Kraftpaket eine rundum stimmige Bestimmung finden.

Von Gernot Kramper

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