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Jeep Cherokee 2.8 CRD: Nie mehr Mr. Nice Guy

Der neue Cherokee ist nicht das nette Mainstream-SUV. Er markiert den Blaumann-Typ mit Offroad-Qualitäten. Zur kernigen Optik kommen ein verfeinertes Fahrwerk, gute Ausstattung - und innen viel Plastik.

Liberty (Freiheit) heißt Jeeps kompakter Kraxler in den USA. In Deutschland vertraut man eher dem großen Indianer-Ehrenwort und nennt den Wagen weiterhin Cherokee. Die Kulleraugen-Optik des alten Cherokee mir seinen runden Scheinwerfern wirkte vielen Kunden allerdings zu niedlich. Der wuchtige Grill mit den großen Eckscheinwerfern, die kantig ausgestellten Kotflügel und die markant geformte Frontschürze stehen der neuesten Cherokee-Version daher gut zu Gesicht.

Innen wie außen ist der 4,49 Meter lange und 1,84 Meter breite Wagen auf einen möglichst robusten Auftritt getrimmt. Simple Kunststofftürgriffe, riesige Fußmatten mit rutschfestem Profil und eine Kunstoffabdeckung im Kofferraum, die beim Umdrehen zur wasserdichten Wanne für nasse Kleidung wird: Der Cherokee macht sich im Wald oder auf der Baustelle nicht nur auf Bildern gut. Verschwunden ist allerdings das Ersatzrad am Heck, stattdessen gibt es ein Notrad unter dem Kofferraum.

Hohe Ladekante, wenig Kniefreiheit

Im Cockpit sind ein paar Dinge komfortabler geworden - etwa die Schalter für die Fensterheber, die sich nun in der Türinnenseite befinden. Auch in der Top-Ausstattung mit Lederakzenten bleibt das Plastik-lastige, aber robust wirkende Cockpit erhalten. Der Beifahrer kann sich bei steilen Abfahrten im Gelände an einem großen Griff über dem Handschuhfach festhalten.

Raum für die Passagiere gibt es genügend, wobei zwei Dinge stören: Als groß gewachsener Fahrer stößt man mit dem linken Knie schnell an eine Verkleidung und für die Fond-Passagiere ist die Kniefreiheit eher bescheiden. Unangenehm ist auch die sehr hohe Ladekante des Kofferraums. Dafür hat der Cherokee mit seiner hohen Karosserie eine größere Bodenfreiheit als viele andere SUV (189 Millimeter).

In Deutschland wird der Cherokee nur mit einem 2,8-Liter Dieselmotor ausgeliefert. Der Reihenvierzylinder leistet 177 PS und entwickelt mit 460 Newtonmetern ein sattes Drehmoment, das sowohl im Gelände als auch im Hängerbetrieb (Anhängelast: 2,8 Tonnen) seine Stärken ausspielt. Der Cherokee ist freilich kein Sprinter - 10,5 Sekunden braucht er für die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h, unseren Testwagen mit Fünfgangautomatik stoppten wir bei 12 Sekunden.

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Ab 120 km/h auf der Autobahn wird die Beschleunigung recht zäh - dafür bleibt die Geräuschentwicklung auch bei Tempo 160 noch im Rahmen. Zum offiziellen Durchschnittsverbrauch von 9 Litern kann man durchaus ein bis zwei Liter addieren. Immerhin lässt sich der Jeep mit seinem Diesel-Aggregat noch einigermaßen wirtschaftlich betreiben.

Die Straßenlage hat sich mit einer neuen Einzelradaufhängung vorn und ein bisschen Feintuning an der hinteren Starrachse im Vergleich zum Vorgänger verbessert - aber mit einem für die Straße konstruierten Tiguan oder Kuga kann der Jeep natürlich nicht mithalten. Trotz seiner leichten Wankneigung in Kurven ist der Cherokee hart gefedert. Das macht die Straßenlage weniger schwammig, doch im Gelände wird es schnell unbequem. Dafür muss man durch die große Bodenfreiheit und den stattlichen Rampenwinkel von 21,7 Grad kaum befürchten, dass der Jeep irgendwo aufsetzt.

Allradantrieb mit Untersetzung

Das Allradsystem Selec-Trac II wird über einen Kippschalter an der Mittelkonsole bedient. Im 2WD-Modus werden die Hinterräder angetrieben, im 4WD-Modus gibt es eine automatische Drehmomentzuweisung zwischen den Achsen je nach Fahrbahnzustand. Für den Offroad-Einsatz steht eine Geländeuntersetzung zur Verfügung.

Der neue Cherokee ist in den drei Ausstattungen Sport (31.990 Euro), Limited (35.490 Euro) und Limited Exclusive (38.490 Euro) zu haben. Wer den Wagen nicht nur als reines Arbeitstier nutzt, sollte zum Limited greifen, bei dem die wichtigsten Komfortoptionen an Bord sind. Dazu gehören Bergabfahrhilfe, Tempomat, Einparkhilfe und Lederlenkrad mit Fernbedienungstasten. Klimaautomatik, Nebelscheinwerfer, ESP, Berganfahrhilfe und CD-Radio sind bereits im Basismodell serienmäßig. Zur zweijährigen Herstellergarantie kommt bei Jeep eine vierjährige kostenlose Anschlussgarantie bis 100.000 Kilometer Laufleistung für alle wichtigen Bauteile wie Motor, Lenkung, Getriebe, Bremsen oder Elektrik.

Als Sonderausstattung gibt es das "SkySlider"-Stoffdach (öffnet über die gesamte Wagenlänge), Metallic-Lackierung sowie - nur für das Top-Modell - das 2690 Euro teure "Limited"-Paket. Es enthält ein Festplattennavigationssystem, eine Alarmanlage mit Innenraumüberwachung, ein Soundsystem mit 8 Lautsprechern, getönte hintere Seitenscheiben und eine Freisprecheinrichtung - und ist damit ein echter Preis-Hit. Allerdings sollte man vorher testen, ob man mit dem etwas eigenwilligen Navigationssystem klarkommt. Das nervt vor allem durch die großen Maßstabs-Sprünge in der Zoom-Funktion, so dass man manchmal keinen guten Überblick hat.

Sebastian Viehmann/Pressinform / PRESSINFORM
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