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Mini Cooper S (R53) JCW GP Kit Im Tiefflug

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© press-inform - das Pressebuero
Die John Cooper Works-Modelle gelten zurecht als die Krönung einer jeden Baureihe des Mini Coopers. Doch keine Variante hat jemals wieder den rücksichtslosen Purismus der ersten Auflage des JCW GP Kits erreicht. Und noch heute, 15 Jahre nach seiner Taufe, ist dieser Mini ein Erlebnis.

Fast kein Text über einen Mini Cooper kommt ohne den Begriff des "Gokart-Feeling" aus. Wir haben es diesmal wirklich probiert, hätten aber wissen müssen, dass wir uns genau das falsche Modell ausgesucht haben, um dieses Marketinggetrommel auf ein Minimum zu reduzieren. Denn das Datenblatt des Mini Cooper S (R53) mit JCW GP Kit ist ziemlich eindeutig: 1.100 Kilogramm, Leistung 154 kW / 218 PS. Dazu einen Radstand von 2,47 Metern - übersetzt heißt das: wieselflink.

Zumal bei diesem Renner die übliche Vorgehensweise "von der Straße auf die Rennstrecke" umgekehrt wurde. Denn die Basis für diesen Mini Cooper war der Flitzer aus der Mini Challenge. Also hat das GP Kit seinen Namen verdient. Also hat der Mini Cooper S mit JCW GP Kit ein Sperrdifferenzial, aber kein ESP (das aber auf Wunsch erhältlich war) und keine Klimaanlage, die aber ebenfalls geordert werden konnte.

Dazu kommt ein Motor, der dank Kompressor-Zwangsbeatmung 154 kW / 218 PS und ein maximales Drehmoment von 250 Newtonmetern auf die Vorderachse knüppelt und damit mehr Power hat als der Mini Challenge-Bolide. Damit das Gewicht auf die 1.100 Kilogramm gedrückt werden kann, haben die Techniker alles aus dem Auto geschmissen, was nicht unbedingt gebraucht wird. Neben der Klimaanlage ist auch die Rückbank herausgeflogen und durch eine mächtige Querstrebe, die die Verwindungssteifigkeit der Karosserie reduziert. Dazu kommen Recaro-Sportsitze und eben das Fehlen der Klimaanlage resultiert zusammen mit anderen Kleinigkeiten in einem Gewichtsminus von einem Zentner.

Mit dem Rausschmeißen von Ausstattung (übrigens fehlt auch der Heckscheibenwischer) und dem Verwenden von Leichtbaumaterialien ist es nicht getan. Damit der Zweisitzer auch beim Wedeln beherrschbar bleibt, mussten auch Veränderungen an der Karosserie her. Wie das Wort "Kit" schon signalisiert, haben die Entwickler die Aerodynamik mit extensiven Windkanaltests optimiert. Neben dem deutlich sichtbaren großen Heckflügel fällt auch die veränderte Frontschürze mit großen Luftöffnungen ins Auge. Hinter den Leichtmetallfelgen blitzen 16 Zoll Bremsscheiben hervor, die für eine standfeste Verzögerung sorgen. Das ultimative Erkennungsmerkmal, dass man es mit dem damals stärksten Serienmini zu tun hat, dient die zweifarbige Lackierung in "Thunder Blue" mit silbernem Dach ("Pure Silver").

Gebaut wurde der Mini bei den italienischen Karosseriespezialisten von Bertone. Die Italiener hatten schon zuvor eine Verbindung mit dem britischen Autobauer gehabt, da sie die Karosserie für den Innocenti Mini entworfen hatten. Einem Kleinwagen, der ab 1975 vom gleichnamigen Mailänder Hersteller produziert wurde und technisch auf dem Mini von British Leyland basierte.

Von dem neuen Bertone-Mini wurden nur 2.000 angefertigt. Wir dürfen einen davon fahren. Also rein in das Auto und erfahren (im wahrsten Sinne des Wortes), ob sich die gedruckten Ziffern und Daten auch in der Agilität übersetzt oder das Ganze nur Tinte und Papier ist. Beim Cockpit mussten die Techniker nicht viel Gewicht sparen: Die Hartplastik-Sünden der ersten BMW-Mini Generation inklusive des Playmobil-Hebels mit gelber Spitze sind heute Kult. Dass Sportsitze bisweilen etwas höher bauen, als das Seriengestühl merken wir an der Kopffreiheit, aber unterm Strich ist alles im grünen Bereich und dafür der Seitenhalt umso besser.

Los geht\'s. Bei 28 Grad Celsius ersetzen heruntergefahrenen Seitenscheiben die Klimaanlage. Doch bald treten solche erste Welt-Befindlichkeiten in den Hintergrund. Denn man ist mit dem Auto und der Straße beschäftigt. Wenn es um Gokart-Feeling geht, da ist es. Dieser Mini ist brutal agil und zeigt in Kurven, wie schnell ein Fahrzeug mit Frontantrieb sein kann, nämlich so flott, dass wir sogar mit einem BMW M3 der Baureihe E46 mithalten konnten. Allerdings wird diese Kurvenfreude mit einem durchaus straffen Fahrwerk "bezahlt" und auch die Lenkung ist so brutal direkt, dass man nur man nur an eine Richtungsänderung denken braucht und das Auto schon in die Richtung zieht. Jede Bodenunebenheit und jede Spurrille kommt beim Fahrer beziehungsweise den Handgelenken an.

Nach 6,5 Sekunden sind 100 km/h erreicht, und mit 240 km/h Spitze kann der Mini Cooper S mit dem John Cooper Works GP Kit auch heute noch mithalten. Das Highlight ist der Motor, der trotz Kompressor Drehzahlen braucht, dass es zügig vorangeht. Der Blick auf den Drehzahlmesser erübrigt sich. Geschalten wird wie bei einem Vollblut-Sportwagen immer nach Gehör. Die Geräuschkulisse erinnert an einen X-Wing Jäger, mit der Star Wars-Held Luke Skywalker in der Galaxy unterwegs war, um gegen das Böse zu kämpfen. Wenn der Kompressor hochfrequent sirrt, reißt man den nächsthöheren Gang der knackigen Sechsganghandschaltung hinein. Herrlich. Damals kostete der Spaß, wenn man das Glück hatte, ein Exemplar zu ergattern 30.900 Euro. Allerdings waren die 2.000 Stück schnell vergriffen.

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