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Klima-Pass: Rabatt für die Umweltsau

Fernreisen machen Freude, Rennwagen machen Spaß und die mächtigen Reifen eines SUVs Eindruck. Gut fürs Weltklima sind diese Spleene nicht. Zum Glück gibt es ja einen Bundesverkehrsminister, der mit seinem Vorschlag eines Klimasau-Rabattes der bedrängten Autoindustrie zu Seite steht. Eine Polemik von Gernot Kramper

Die schlichte Wahrheit, dass ein Wagen mit hohem Verbrauch der Umwelt weniger bekommt, als ein Fahrzeug mit niedrigem Verbrauch, scheint Bundesverkehrsminister Wolgang Tiefensee Magenschmerzen zu bereiten. Seine Visionen zum Klima-Pass beschäftigen sich damit, ausgerechnet die dicksten Schlitten zu Umweltengeln zu befördern. Kern der bundesministriellen Erkenntnis ist der Sachverhalt, dass bei den absoluten Schadstoffwerten, "ein Kleinwagen natürlich immer wesentlich besser weg kommt" als ein großer Wagen. Hier wäre der Punkt, als Minister einmal energisch nachzudenken. Darüber, warum die Wagen immer größer und schwerer werden. Oder aber, warum so viel von den Autofahrern die Rede ist, aber von allen, die wirklich die Umwelt schonen, weil sie öffentliche Verkehrsmittel benutzen oder vorbildlich mit dem Rad fahren, geschwiegen wird. Nein, der Bundes-PS-Minister erkennt im natürlichen Vorteil eines kleinen Fahrzeugs keine Chance, sondern ein ungerechtfertigtes Plus, das es mit hintersinniger Bürokratie zu beseitigen gilt. Wenn Dickschiffe die Umwelt besonders belasten, muss es doch einen Weg geben, wie sich der Achtzylinder ratz-fatz als Klimawunder präsentieren kann.

Mach dich dicker

Und das geht so: Die Wagen müssen einfach noch schwerer werden! Der von Bundesminister Tiefensee ins Gespräch gebrachte Klimapass überrascht vor allem durch sträfliche Naivität. Neben der - richtigen - Auskunft über den absoluten Ausstoß an CO2 will der oberste Autolenker der Republik einen zweiten Teil anhängen. Hier wird der Ausstoß relativ im Verhältnis zur Nutzlast des Fahrzeugs gesehen. Je mehr Nutzlast, umso mehr Schadstoffe kann man sich erlauben. Nutzlast sind dabei natürlich nicht die 85 Kilogramm des Fahrers, der tatsächlich im Wagen sitzt, sondern das Gewicht, das man in das Fahrzeug hineinpacken könnte.

Die theoretische Nutzlast ist "dehnbar". Wird das Fahrwerk ein wenig angepasst, mutiert der normale Kombi zum Schwertransporter. An sich ist diese "Auflastung" kein Teufelszeug, Bauern und Handwerker verzichten auf etwas Komfort und können den Wagen dann tüchtig volladen. Vor kurzem konnte man noch Geländewagen und SUVs mit enormer Nutzlast einfach steuergünstig als Gewerbefahrzeug anmelden. Das geht nun endlich nicht mehr, doch mit einem zweiteiligen Klimapass würde dieses Verfahren ab Werk instutionalisiert. Denn welcher Hersteller würde nicht gleich 200 bis 500 Kilo Zuladung mehr eintragen, um einen hübschen grünen Öko-Punkt mehr zu bekommen?

Die armen Kinder

Tiefensees krude Logik geht noch weiter: "Es kann ja nicht das Ziel sein, dass wir alle nur Kleinwagen fahren", erkannte der Minister mit der Lizenz für mindestens acht Töpfe unter der Haube auf der Automesse in Leipzig. Wieso eigentlich nicht? Tiefensees obskure Begründung: "Den Kleinwagen würde ich einem Familienvater mit vier Kindern nicht zumuten wollen." Da verschlägt es auch dem PS-Narren den Atem. Das hört sich an, als würden ausgerchnet die Kinderreichen mit einer von AMG aufgebohrten M-Klasse und Tempo 280 den Nachwuchs zur Vorschule bringen. Jeder weiß, dass diese Wagen - wie andere leistungsstarke Modelle - von den Eliten gefahren werden. Ganz einfach, weil normalen jungen Familien das nötige Kleingeld für einen schicken X-5 fehlt. Die Freude am Fahren, an der Technik und am Status eines solchen Fahrzeugs kann jeder nachempfinden. Aber mehr als 300 PS auf Pedaldruck sind ein Vergnügen der Reichen. Und ein gutes Geschäft für die Industrie. Punkt. Hier die ministrielle Sorge um im Kleinwagen zusammengedrängte Kinder vorzuschicken, ist einfach unanständig.

Die dicken Kisten profitieren

Wie wäre es, sich in Berlin dafür einzusetzen, dass der Schadstoffaustoß endlich realitätsnäher gemessen wird. Der Messzyklus ist für alle Fahrzeuge gleich, der Wagen wird dabei stets behutsam und schonend bewegt. Fahrzeuge, die im Alltag geradezu dazu auffordern, richtig Gummi zu geben, profitieren natürlich besonders von der staatlichen Blauäugigkeit. Bei den Schadstoffen gilt selbstverständlich Tempo 130. Einem SUV mit der Windschlüpfrigkeit einer Schrankwand wird im Messverfahren niemals zugemutet, seinen Schadstoffaustoss bei Tempo 200 zu beweisen. Da geht es zu wie im Kuschel-Zoo für PS-Saurier. Wieso eigentlich? Hier könnte der Minister doch einmal aufräumen.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
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