"Command & Conquer 3: Kanes Rache" Fanatisch, praktisch, gut


Backstage bei der Bruderschaft: "Kanes Rache" erzählt 18 Jahre Nod-Geschichte, ist aber ohnehin für Online-Zocker viel interessanter.

Eine halbe Stunde gepflegtes Overacting, 13 spannende Missionen, in denen ausschließlich die Bruderschaft von Nod gesteuert wird, 18 Jahre "Command & Conquer"-Geschichte: Kanes Rachefeldzug knüpft nicht direkt an die Geschehnisse des Hauptprogramms an, sondern nutzt erst einmal die Chance, alte Fragen zu klären - etwa, wie die charismatische Glatze überhaupt den "C&C"-Ableger "Tiberian Sun" überlebte oder wie er seine Tod-, Terror- und Tiberium-Sekte nach der bitteren Niederlage wieder auf die Beine stellte.

Wer die altehrwürdige Strategie-Reihe erst seit "Tiberium Wars" kennt, wird angesichts der zahlreichen Anspielungen nur Bahnhof verstehen. Fans der ersten Stunde dürften sich jedoch ziemlich über den Retro-Trip freuen, allerdings auch verständnislos mit dem Kopf schütteln, da die Geschichte des Hauptprogramms in gerade mal zwei Missionen fortgesponnen wird und dabei mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet werden. Schlimmer noch: Nur ein Bruchteil der neuen Fraktionen und Einheiten dürfen während der Solokampagne kommandiert werden. Erst in den Online-Gefechten mit bis zu sieben weiteren Hobby-Generälen kommt der Truppennachschub so richtig zur Geltung.

Neben einigen neuen Einheiten und Features für die bestehenden Partien halten auch sechs Unterfraktionen Einzug ins Spiel, die sich im Vergleich zur Hauptarmee teils gravierend unterscheiden. So lassen die "GDI Steel Talons" alte Mech-Bekannte wie den Titan, Behemoth oder Wolverine auf dem Schlachtfeld auflaufen. Die schwarze Hand von Nod verzichtet indes vollends auf Luftunterstützung und Tarnung, setzt dafür auf riesige Läuterer-Roboter. Anspruchsvoll und mächtig: die Scrin-Gruppe "Traveler 59", deren "Wunderkind" mittels Gedankenkontrolle ganze Gebiete beherrschen und Verbündete über die ganze Karte teleportieren kann. Besonders unangenehm im Zusammenspiel mit den "epischen" Waffen, die nun jede Fraktion besitzt - riesige und sündhaft teure Metallungetüme, die nur schwer zu knacken sind und zu allem Überfluss fiese Tricks auf Lager haben.

Ebenfalls neu in "Kanes Rache": der Modus "Globale Eroberung" - eine Art "Risiko" für "C&C"-Strategen. Rundenweise werden hier auf einer Weltkarte Stützpunkte errichtet, Truppen ausgehoben und Städte erobert. Die Gefechte mit anderen Parteien werden wie gewohnt in Echtzeit ausgetragen oder können vom Computer fix berechnet werden. Klingt spannend, wird aber schnell unübersichtlich und schwächelt im Detail. Reparaturen der eigenen Basis kosten stets denselben Betrag - gleich, ob nur zwei oder ein halbes Dutzend Gebäude zerstört wurden. Und die automatisch berechneten Ergebnisse sind nur selten brauchbar.

Command & Conquer 3: Kanes Rache

Hersteller/Vertrieb

EA/EA

Genre

Strategie

Plattform

PC, Xbox 360

Preis

ca. 30 Euro

Altersfreigabe

ab 16 Jahren

Nichtsdestotrotz serviert EA "Kanes Rache" in einem der dicksten Addons der Spielegeschichte, weil die 30 neuen Einheiten unzählige taktische Möglichkeiten bieten, die über Wochen hinweg erst einmal ausgelotet werden wollen. Obendrein gibt's einen Beta-Key für den nächsten Teil einer anderen beliebten Strategiereihe: "Alarmstufe Rot 3", das noch ein wenig besser aussieht als das Effektfeuerwerk "C&C 3".

Gerd Hilber/Teleschau TELESCHAU

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