HOME

"Dark Messiah of Might & Magic": Mit Physik gegen Zyklopen

Bisher mehr im gediegenen Rollenspiel- und Strategie-Genre angesiedelt, geht es jetzt im "Might & Magic"-Universum ans Eingemachte. Die drohende Wiederkehr des Dunklen Messias lässt sich nur mit rüden Action-Methoden verhindern - und mit Köpfchen.

Wer an derben Ritterspielen Spaß hat, wird in "Dark Messiah of Might & Magic" voll auf seine Kosten kommen. Schwerter klirren, Pfeile zischen durch die Luft, und mit mächtigen Zaubersprüchen lässt man angreifende Orks in die Ecke segeln. Doch damit nicht genug: In Ubisofts krassem Action-Spektakel mit Rollenspiel-Einschlag darf im Kampf gegen das Böse alles genutzt werden, was im Fantasyreich nicht niet- und nagelfest ist...

Alles beginnt in einem dunklen, feuchten Labyrinth: Im Auftrag seines Mentors Phenrig soll der junge Sareth, den der Spieler aus der Ego-Perspektive steuert, einen geheimnisvollen Kristall besorgen. Dabei merkt er schnell, dass die Welt, die Entwickler Arkane da für ihn kreiert hat, äußerst unwirtlich ist. Untote sind hier noch das kleinste Übel - bald schon bekommt es der unerfahrene Recke mit Orks, Zyklopen, Kraken und natürlich Drachen zu tun ...

Kämpfen ohne zu kämpfen

Ohne eine ordentliche Portion Kampfkunst ist Sareth aufgeschmissen. Er übt zunächst ein wenig mit dem Schwert, versucht sich im Parieren, eignet sich ein paar wirkungsvolle Special Moves an und variiert die Wucht seiner Schläge gekonnt mit der linken Maustaste. Bald jedoch stellt er fest, dass diese Art der Auseinandersetzung zwar heldenhaft, aber auch sehr kräftezehrend ist. Also schaut sich der junge Draufgänger ein wenig um und erkennt, dass es noch andere, physikalisch korrekt berechnete Wege gibt, sich der bösen Brut zu entledigen. Er entdeckt, wie wirkungsvoll ein Fußtritt sein kann, wenn hinter dem Gegner gerade ein lauschiges Lagerfeuer lodert oder ein spießbewehrtes Metallgitter an der Wand lehnt. Sareth lernt, wie er seine Widersacher mit gezielt geworfenen Kisten zu Fall bringt und welche enorme Wucht ein dekorativer Kerzenständer im Flug gegen einen Ork-Kopf entwickeln kann.

Glücklicherweise kassiert man am Ende eines bewältigten Abschnitts stets ein paar Erfahrungspunkte, die sich in diverse Fertigkeiten (Kampf, Magie und Sonstiges) investieren lassen. Dabei sollte sich der Held nicht allzu sehr auf eine einzige Richtung festlegen. In manchen Situationen helfen auch die ausgefeiltesten Schwert- oder Bogen-Skills nicht weiter. Gegen Drachen sollte man schon auch mal den einen oder anderen Zauberspruch bemühen, und bei einer Übermacht an gegnerischen Wachen erweisen sich die Schleich-Fähigkeiten eines Assassins als nützlich, um sich kampflos an der Gefahr vorbeizumogeln. Neigt sich die Gesundheit allmählich dem Ende zu, ist man für einen Heilungszauber dankbar, da labende Nahrung und Tränke nicht überall in rauen Mengen verfügbar sind.

Rollenspiel light

Insgesamt fällt der Fertigkeitenbaum von "Dark Messiah" jedoch recht übersichtlich aus - kein Vergleich mit einem vollwertigen Rollenspiel. Trotzdem sind alle notwendigen Dinge vorhanden - genau wie in der 3-D-Umgebung, die durchdachter nicht aufgebaut sein könnte. Sareth ist ständig gezwungen, sich ungewöhnliche Lösungswege zu überlegen und findet alles, was er dafür braucht, direkt am Ort des Geschehens: Fässer, Ölflaschen, Seile, Ketten, offene Kamine, Treppenabsätze, dunkle Ecken zum Verstecken, und, und, und. Mit simplem Haudrauf-Gameplay hat "Dark Messiah" trotz seiner derben Kampfdarstellungen also absolut nichts zu tun. Gefragt sind vielmehr Taktik und Einfallsreichtum.

Die Story, über die an dieser Stelle wenig verraten werden soll, geizt zwar nicht mit Fantasy-Stereotypen, wird aber extrem packend in Szene gesetzt. Die Spannungskurve ist perfekt auf den größtmöglichen Gänsehautfaktor abgestimmt, Aber auch die grafische Präsentation und Soundkulisse lassen keine Wünsche offen. Das auf einer überarbeiteten "Half-Life 2"-Engine basierende Spektakel wartet an allen Ecken und Enden mit faszinierenden Effekten auf, die natürlich ihre Ansprüche an die Hardware stellen. Eine leistungsstarke Grafikkarte und mindestens 1 GB RAM sind ein Muss für ruckelfreien Spielgenuss.

Dark Messiah of Might & Magic

Hersteller/Vertrieb

Arkane Studios/Ubisoft

Genre

Action-Adventure

Plattform

PC

Preis

ca. 50 Euro

Altersfreigabe

ab 18 Jahren

Für Kinder ist das derbe Gemeuchel definitiv nicht geeignet - die USK hat dem Titel dementsprechend keine Jugendfreigabe erteilt, obwohl die deutsche Verkaufsversion gegenüber der internationalen Fassung bereits deutlich entschärft worden ist. Wer jedoch die 18 überschritten hat, mit manchmal recht drastischer Gewaltdarstellung klarkommt und eine Prise schwarzen Humors zu schätzen weiß, der sollte sich durchaus auf den Kampf gegen den Dunklen Messias einlassen - zumal der Titel auch noch über einen ausgefeilten Multiplayer-Modus verfügt, in dem sich bis zu 32 Gamer gleichzeitig an die Gurgel gehen...

Herbert Aichinger/Teleschau / TELESCHAU
Themen in diesem Artikel