"Das Eulemberg-Experiment" Viel gewollt, wenig erreicht


Zäh, holprig, doof: "Das Eulemberg-Experiment" wollte ein Adventure wie "Indiana Jones 4" sein, ging aber gründlich in die Hose. Schade um die schöne Stimme des Helden.

Der Spieler schlüpft in die Rolle (und den Morgenmantel) von Professor Adam Quinn. Dieser hat nicht gerade einen Glückstag: Sein Sportwagen ist in der Werkstatt, der Keller überflutet und seine Freundin hat den Schlüssel des Kleiderschranks mitgenommen, damit er nicht in Versuchung gerät, das Haus zu verlassen, sondern sich endlich mal ausschläft. Eigentlich keine schlechte Idee, doch der Professor arbeitet nebenbei für die Polizei und bekommt einen Anruf von Inspektor Collins: Quinns Kollege, der exzentrische Professor Eulemberg wurde erschossen in seiner Nobel-Villa aufgefunden. Collins bittet um Hilfe bei der Aufklärung des Falles. Doch bevor der Spieler an den Tatort reisen kann, muss er erst an den Schlafzimmerschrank, um sich Hose und Hemd anziehen zu können ...

Das erste von vielen, jedweder Logik entbehrenden Rätseln. Anstelle dem Bediensteten, der den Schlüssel verwahrt, mit der Kündigung zu drohen, muss Quinn ihm ein seltenes Artefakt besorgen. Ebenfalls ärgerlich: Viele Gegenstände lassen sich erst dann einsacken, wenn sie zur Lösung irgendeiner Aufgabe gebraucht werden. Dem Spieler dürfte deshalb so manches graue Haar in diesem Abenteuer wachsen, das den Professor von New York bis nach Südamerika führt. Mit von der Partie ist seine Freundin Laura und eben jener Pseudo-Buttler Iashi, ein Urmensch mit wenig Sprachschatz, aber großem Reinlichkeitssinn.

Die Handlung könnte qualitativ durchaus mit einem Film-Plot mithalten. Das liegt zum einen daran, dass die Story auf einem in Italien sehr beliebten Mystery-Comic basiert. Außerdem wurde das Game von einem Fernsehprofi inszeniert: Stéphane Berry, Regisseur der Serie "Totally Spies". Die Steuerung ist jedoch ebenso zäh wie ein Großteil der Dialoge geraten. In deren Verlauf hat der Spieler wie gewohnt die Wahl aus einigen angebotenen Frage-Möglichkeiten, um im Stil einer klassischen Detektiv-Story mehr und mehr Puzzleteile zu sammeln, die er am Schluss zu einem Gesamtbild des Falls zusammensetzen kann - oder um Zeuge von ganz viel Blabla zu werden.

Die Programmierer waren sichtbar bemüht, dem Adventure die Aura des Altmodischen zu nehmen. So marschieren durch die vorgerenderten Hintergrundkulissen 3-D-Charaktere in Echtzeit. Animierte Details wie im Wind wehende Haare, von Bäumen fallende Blätter oder die bewegte Oberfläche eines Sees peppen das "Eulemberg-Experiment" optisch auf. Von den Spielfiguren selbst kann man das leider nicht behaupten: Sie wirken, als wären sie einer älteren Computergeneration entsprungen.

Gelungen ist dagegen die Sounduntermalung: Die Hintergrundmusik unterstreicht gekonnt die Atmosphäre der jeweiligen Szene. Ein hochkarätiger Sprecher sorgt für eine überzeugende schauspielerische Leistung: Das Organ von Professor Adam Quinn kennt man als Synchronstimme von Harrison Ford. Nicht nur in diesem Punkt weckt das Spiel Assoziationen an "Indiana Jones": Wie in der Kinoreihe bietet auch das "Eulenberg-Experiment" eine Mischung aus Forschung und Action, Artefakten und Bösewichten.

Das Eulemberg-Experiment

Hersteller/Vertrieb

Artematica/GMX Media/Frogster Interactive

Genre

Adventure

Plattform

PC

Preis

ca. 40 Euro

Altersfreigabe

o.A.

Mindestens 15 Stunden Spielzeit werden versprochen. Böse Zungen behaupten, das liege nicht zuletzt daran, dass sich der Professor, später auch Laura und ein alter Trinker, mit der Behäbigkeit eines Faultiers durchs Bild bewegen. Alles in allem bietet das "Eulemberg-Experiment" Fans von Point&Click-Adventures bemühte, aber letztlich unterdurchschnittlich anspruchsvolles Futter, um die Abenteuerlust zu befriedigen.

Michael Eichhammer/Teleschau TELESCHAU

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