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"Das letzte Ritual: In Memoriam 2": Google den Täter

Spurensuche im Netz, verstörende Videosequenzen, krude Rätsel - "In Memoriam 2" ist alles andere als ein gewöhnliches Adventure.

Die Konzept ist stimmig: Die DVD, die der Spieler zur Installation von "Das letzte Ritual: In Memoriam 2" einlegt, ist "in Wirklichkeit" gar kein PC-Game. Vielmehr handelt es sich dabei um einen Datenträger, der der Polizei von einem psychopathischen Serienmörder zugespielt wurde. Die Beamten stecken jedoch in einer Sackgasse und bitten nun alle Interessierten um ihre Mitarbeit. Keine schlechte Idee, um ein Krimi-Adventure zu vermarkten …

Der PC-Ermittler, der mit Hilfe des Journalisten Jack Lorski bereits den ersten Fall gelöst hat, muss sich also ein weiteres Mal auf die Suche nach dem mysteriösen Killer machen, der sich selbst "Der Phoenix" nennt. Wie im Vorgänger dreht sich auch diesmal alles wieder um die Kombination aus Spiel und Internet-Recherche, weshalb zu Beginn auch eine gültige Internet-Adresse angegeben werden muss.

Konkret muss man sich das so vorstellen: Während der düsteren Hatz nach dem Psychopathen sammelt der Spieler jede Menge Hinweise. Internet-Suchmaschinen führen ihn dann auf speziell präparierte Webseiten, die bei der Lösung der extrem knackigen Rätsel helfen. Hier haben die Entwickler ein weiteres Mal in die Trickkiste gegriffen und dem Hersteller zufolge rund 500 Sites in die Story integriert. Die Auswahl der Seiten deckt das komplette Verschwörungs-Einmaleins ab. Tempelritter? Na klar. Grabtuch von Turin? Logisch. Thomas-Evangelium? Natürlich.

Dazwischen checkt der PC-Detektiv den E-Mail-Posteingang und hofft, dass ihm seine Helfer wie auch immer geartete Tipps zukommen lassen. Dieses - immer noch außergewöhnliche - Grundprinzip hat inzwischen zwar ein wenig von seinem einstigen Glanz verloren, Spaß macht's aber immer noch. Dies hängt zum Großteil mit der bedrückenden, teils sogar Angst einflößenden Atmosphäre zusammen, die "In Memoriam 2" verbreitet. Teilweise extrem verstörende Videos, seltsam erscheinende Hinweise und ein Soundtrack, der jeder "Twin Peaks"-Folge gut zu Gesicht stehen würde - das sind die Ingredienzien, auf die schon der erste Teil vertraut hat. Darüber hinaus spornt es einfach an, einen irren Serienmörder per Computer zu verfolgen und sich mit seinem Intellekt zu messen.

Das letzte Ritual: In Memoriam 2

Hersteller/Vertrieb

Lexis Numerique/Frogster Interactive

Genre

Adventure

Plattform

PC

Preis

ca. 40 Euro

Altersfreigabe

ab 16 Jahren

Leider hat die Schauermär im Stile von David Finchers Meisterwerk "Sieben" jede Menge Schattenseiten - die augenfälligste: Abgesehen von den Videos, die viel zu niedrig aufgelöst sind, gibt es nur Standbilder zu sehen. Und auch die Mini-Spielchen sind alles andere als innovativ. Darüber hinaus ist "In Memoriam 2" nichts für Ungeduldige: Kaum ist ein Hinweis entschlüsselt, wartet schon das nächste Rätsel. Es braucht also schon ein gewisses Durchhaltevermögen, um der teils absurden, aber doch spannenden Geschichte bis zum bitteren Ende zu folgen ...

Artur Hoffmann/Teleschau / TELESCHAU
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