"Devil May Cry 3 - Dantes Erwachen Special Edition" Style ist alles


Nach fast eineinhalb Jahren Wartezeit dürfen nun auch PC-Besitzer herausfinden, was Teufel vielleicht zum Weinen bringt ...

Eines vorweg: Eigentlich müsste die Null im Titel stehen. "Devil May Cry 3" ist ein Prequel. Erzählt wird, was vor Teil eins und zwei von Capcoms Dämonenklopperei geschah. Für PC-ler also der ideale Einstieg. Im Mittelpunkt steht Dante, Sohn des gefürchteten Dämonenjägers Sparda - weiland selbst mal ein Gehörnter, bis er sich auf die Seite der Menschheit schlug und eine Sterbliche ehelichte. Das Ergebnis: Dante. Und Vergil, missgünstiger Zwillingsbruder und abgrundtief böse. Gemeinsam mit einem Mann namens Arkham lässt der einen mysteriösen Turm aus dem Boden schießen, der ein Portal in die Welt der Dämonen enthalten soll ...

So weit, so haarsträubend. Jedoch ist die Stärke von "Devil May Cry 3" sicher nicht seine hanebüchene Geschichte, für die sich die Entwickler von Capcom mal wieder auf Raubzug durch die europäische und japanische Mythenwelt begaben. Vielmehr steht hier die Show im Vordergrund, die dem Spiel selbige bisweilen gnadenlos stiehlt. Macht aber nix. Weil: Dante ist die wohl coolste Sau zwischen Himmel und Hölle. Das wird schon nach der famosen Eröffnungssequenz klar, in der eine Horde Sensenmänner (nicht ungestraft) seinen Laden zerlegt, und steigert sich bis hin zum Gemeuchel in den Gedärmen eines riesigen Dämons.

Wer jetzt ungläubig den Kopf schüttelt, dem sei versichert: Ja, das Game ist wirklich so abgefahren, wie es klingt. Aber eben auch verdammt unterhaltsam. Grund dafür ist nicht nur die nötige Portion Selbstironie, die Capcom bei der überspitzt spektakulären Inszenierung an den Tag legt, sondern eben auch Dantes Art, die Dinge anzupacken. Ein halbes Dutzend Kampfstile hat der Teufelskerl spendiert bekommen, einer famoser als der andere. Im "Trickster"-Modus etwa läuft Dante derart leichtfüßig an Wänden entlang, dass selbst dem "Prince of Persia" vor Neid die Pluderhose runterrutscht. Als "Guard" pariert er feindliche Attacken gekonnt-elegant und setzt zum spektakulären Konter an.

Dabei steuert sich die Silberlocke im roten Ledermantel schlafwandlerisch einfach - ein ordentliches Zwölf-Tasten-Gamepad, das dem wählerischen Spiel genehm ist, stets vorausgesetzt. Tastatur-Freaks verknoten sich bei den brachialen Schwert- und Schusswaffenattacken, den halsbrecherischen Kombinationsangriffen und extravaganten Style-Moves, die jedweder Schwerkraft trotzen, zweifellos die Finger.

Eine effektive Steuerung ist jdoch bitter nötig, denn die im Sekundentakt anstürmenden Feinde lassen kaum einen Moment zum Durchatmen. 20 Level lang. Dem setzen die fetten Endgegner - vom Cerbereus bis hin zur blutrünstigen Operndiva - das sprichwörtliche Sahnehäubchen auf. An diesen werden sich selbst Profis mehr als einmal die Zähne ausbeißen.

Vertrimmte Monster hinterlassen rote Kugeln, die sich in neue Spezialattacken, zusätzliche Lebens- und Magieenergie sowie acht Mordwerkzeuge investieren lassen. Schlichtweg grandios: die diabolische E-Gitarre. Wenn Dante in die Saiten dieses Mörderteils greift, bleibt garantiert kein Auge trocken - und kaum ein Gegner lange stehen. Ähnliches gilt, wenn er mit seinem Bike einen Tango mortale aufführt ...

Abgerundet wird das temporeiche, kurzweilige und herrlich seichte Gekloppe von ein paar simplen Rätseln und Geschicklichkeitseinlagen. Deutlich mehr Steine legt einem die Kamera in den Weg, die das Geschehen nicht immer optimal einfängt. Ein weiterer Kritikpunkt ist die lieblos konvertierte, unter akuter Farbarmut leidende und wenig detaillierte Grafik. Hier hätten Capcom und Publisher Ubisoft ruhig nochmal Hand anlegen dürfen. Dafür entschädigt die Musikuntermalung. Die - wie sollte es anders sein - rockt gewaltig.

Devil May Cry 3 - Dantes Erwachen Special Edition

Hersteller/Vertrieb

Capcom/Capcom

Genre

Action

Plattform

PlayStation2

Preis

ca. 30 Euro

Altersfreigabe

ab 16

Wer "Devil May Cry 3" durchzockt, kommt in den Genuss der Special Features: Alternativ lässt sich das Abenteuer dann mit Dantes bösem Zwillingsbruder Vergil bestreiten (inklusive eigenem Intro, Kampfstil und Waffenarsenal). Darüber hinaus gibt sich mit Jester ein neuer Boss-Gegner die Ehre. Und wer wirklich cool ist und die wahre Herausforderung sucht, darf sich am "Very Hard"-Modus versuchen. Am Rande: Die PS2-Version der "Special Edition" erscheint erst Ende September.

Bernd Fetsch/Teleschau TELESCHAU

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