"Driver: Parallel Lines" Schlaghosen und Schlagstöcke


Nach dem katastrophalen "Driv3r" besann sich Reflections auf die alten Tugenden der Reihe: Es wird mehr gefahren, weniger geschossen und jede Menge coole Musik gehört.

Originellerweise spielt Ataris fahrlastiger "GTA"-Klon in zwei verschiedenen Epochen. "Driver: Parallel Lines" beginnt als eine Zeitreise in die goldene Ära der Schlaghosen, Muscle Cars und schillernden Outfits. Im Jahr 1978 verdient Protagonist The Kid (T. K.) sein Geld unter anderem damit, Autos dubioser Herkunft von A nach B zu rangieren, Gelder einzutreiben oder Rennen zu fahren. Natürlich kann eine derart unehrenhafte Beschäftigung dem Auge des Gesetzes nicht für immer verborgen bleiben. Dankenswerterweise gibt es Wege, der Aufmerksamkeit der Polizei zu entgehen: Beispielsweise, indem der Wagen umlackiert wird. Sollte auch das nichts mehr helfen, kann man die Gangster-Limousinen auch leistungsmäßig nach Gusto tunen. Ganz so, als wäre "Pimp My Ride" eine Fernsehsendung aus den 70er-Jahren gewesen. Ein Motor, der schneller ist, als die Polizei erlaubt, kann beispielsweise einen turboartigen Karriereschub fördern.

Zeitreise wider Willen

Die ganze Unterwelt scheint gepflastert zu sein mit Werkstätten von Komplizen, die einem die Fahrerflucht erleichtern wollen. Dennoch kommt es für T. K. knüppelhart: Er wandert nach einem missglückten Coup in den Knast. So viel darf man verraten, ohne Spielverderber im wahrsten Sinne des Wortes zu sein, denn es handelt sich dabei keinesfalls um die Schlusspointe des neuesten und vierten Teils der "Driver"-Serie. Im Gegenteil: Das geschieht circa nach der Hälfte der Spieldauer. 18 Jahre später wird der Spieler erneut auf die Straßen von New York losgelassen. Im Jahr 2006 will T. K. Rache nehmen an den Männern, die ihn einst verraten haben. Die "parallelen Linien", auf welche der Titel Bezug nimmt, dürfen also nicht nur als Spuren der Fahrzeugräder verstanden werden, sondern auch als Linien in der Zeit.

Driver: Parallel Lines

Hersteller/Vertrieb

Reflections/Atari

Genre

Rennspiel

Plattform

PlayStation2, XBox

Preis

ca. 60 Euro

Altersfreigabe

ab 16 Jahren

Liebe zum Detail beweist nicht nur die von den Programmierern betriebene Recherche über Mode, Musik, Frisuren und Fahrzeuge der 70er-Jahre, sondern auch das Design der Stadt New York. Der Spieler kann sich frei durch die virtuelle Metropole bewegen. Wer Arcade-Rennspiel-Action sucht, ist mit "Driver: Parallel Lines" schlecht beraten. Schon allein, weil der Verkehr zu dicht ist, als dass man über längere Strecken mit Topspeed heizen könnte. Das realistische Schadensmodell quittiert rüpelhaftes Fahren mit rauchenden Motorhauben, zersplitternden Heckscheiben und irgendwann gar einem Totalschaden. Hinzu kommt, dass die zurückzulegenden Strecken von der Garage bis zum nächsten Missionsziel teilweise extrem lang sind. In solchen Situationen hat das Spiel mehr mit einer In-Game-Meditation gemein als mit einem Action-Titel.

Stimmungsvolle Optik

Dankenswerterweise sind die Kulissen aber derart schön anzusehen, dass es Laune macht, einfach durch die Stadt zu cruisen, die Passanten, Schaufenster und Sehenswürdigkeiten zu betrachten und dabei dem coolen Funk- und Disko-Soundtrack zu lauschen. Eingefleischte Autonarren werden sich kaum entscheiden können, ob sie ihre Gänsehaut Soul-Klassikern wie "Papa was a rolling stone" verdanken oder dem kräftigen Brummen der Muscle Cars.

Nicht minder sehenswert als die detaillierten Texturen, das Schadensmodell und die Art, wie die Physikengine die unterschiedlichen Eigenschaften der 80 Fahrzeugtypen imitiert, sind die Zwischensequenzen, die den arg strapazierten Namen "kinoreif" wirklich verdienen.

Michael Eichhammer/Teleschau TELESCHAU

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