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"Empire Earth 3": Historischer Kahlschlag

Immer weniger Leistung fürs Geld - von diesem allgegenwärtigen Trend bleiben auch PC-Spiele manchmal nicht verschont. Beim dritten Teil der Strategiereihe "Empire Earth" wird man jedenfalls mit Schmalkost abgespeist.

Manchmal tut die Beschränkung aufs Wesentliche gut, aber nur dann, wenn die Konzentration der Mittel sowohl dem Spielspaß als auch der -tiefe zugute kommt. Die Entwickler von Mad Doc haben "Empire Earth" für den dritten Teil zumindest radikal entschlackt: Statt 15 historischen Epochen gibt es jetzt nur noch fünf, die Zahl der Völker wurde von 14 auf drei reduziert, bei den Ressourcen dreht sich alles nur noch um Rohstoffe und durch Handel erwirtschaftetes Vermögen. Die verfügbaren Einheiten, Gebäude und Upgrade-Möglichkeiten sind in Teil drei ebenfalls eher spartanisch ausgefallen. Schon hier zeigt sich die Grundtendenz, die sich durch alle Aspekte von "Empire Earth 3" zieht: Zugunsten der Einfachheit muss der Spieler mit einem strategisch wenig differenzierten Gameplay vorliebnehmen.

Verwunderung schon beim ersten Spielstart: "Empire Earth 3" bietet keine Kampagne, die durch eine motivierende Geschichte zusammengehalten wird. Stattdessen gibt es nur einzelne Scharmützel oder die rundenbasierte Welteroberung, bei der man sich nach "Risiko"-Manier auf einer dreidimensionalen Erdkugel ein Territorium nach dem anderen einverleibt. Kommt es dabei zur Auseinandersetzung mit feindlichen Nachbarn, schaltet das Programm in den Echtzeitmodus um, in dem man aus der Draufsicht mit seinen Einheiten größtenteils so jongliert, wie man es seit "Warcraft" gewohnt ist - ohne große Überraschungen also.

Ganz eilige Staatenlenker lassen Schlachten automatisch vom Computer berechnen, ohne den Welteroberungs-Globus zu verlassen. Und wer glaubt, eher mit diplomatischen Mitteln seine Macht mehren zu können, wird bitter enttäuscht: Auch hier hat der Mad-Doc-Rotstift nur noch die grundlegendsten Optionen übrig gelassen. Kaum besser sieht es mit der Künstlichen Intelligenz der Gegner aus, die selbst einem ungeübten menschlichen Spieler nicht richtig die Hölle heiß machen können. Letzterer hat allerdings bei seinen Einheiten mit der unausgegorenen Wegfindung zu kämpfen. Mal bewegen sich die Recken gar nicht vom Fleck, dann wieder suchen sie sich die scheinbar umständlichste Route zum Ziel. Und das trotz des 360 Megabyte großen Patchs, der bereits am Erscheinungstag zum Download bereit stand!

An historischen Tatsachen orientiert sich "Empire Earth 3" nicht. Die drei Fraktionen des Westens sowie des Nahen und Fernen Ostens nutzen ein schmales Sortiment von Fantasy-Einheiten. Der Westen rüstet während der Jahrhunderte zur High-Tech-Gesellschaft auf, während im Nahen Osten Kavallerie und Guerilla-Taktiken dominieren. Der Ferne Osten setzt auf die schiere Masse von Infanterie-Einheiten und Mutanten aus der Genforschung. Die Truppen sind leidlich nach dem altbekannten Stein-Schere-Papier-Prinzip gegeneinander ausbalanciert und nerven im Spiel durch selten dämliche Sprüche, die wohl witzig gemeint sind und sich darüber hinaus auch noch ständig wiederholen.

Obwohl der Comicstil der "Empire Earth 3"-Grafik nicht gerade durch üppige Effekte glänzt, entwickelt das Spiel einen enormen Hardware-Hunger und bringt bei allen eingeschalteten Details selbst hochgezüchtete Maschinen ins Ruckeln. Bei der Performance-Optimierung hat Mad Doc dann wohl den eher von "Durchschnitts-PCs" dominierten Massenmarkt aus den Augen verloren.

Empire Earth 3

Hersteller/Vertrieb

Mad Doc/Sierra

Genre

Strategie

Plattform

PC

Preis

ca. 45 Euro

Altersfreigabe

keine Jugendfreigabe

Fazit: "Empire Earth 3" wurde systematisch "kaputtgespart". Für eine Weile macht es zwar Spaß, sich durch die fünf Epochen hochzuarbeiten und sich die Welt untertan zu machen. Die große strategische Herausforderung bleibt jedoch aus - und damit auch die Langzeitmotivation. Finger weg!

Herbert Aichinger/Teleschau / TELESCHAU
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