HOME

"Everlight - Elfen an die Macht": Freud'sche Fantasy

Selbst der edelste Mensch hat seine finsteren Abgründe, in die er selber am liebsten gar nicht blicken will. Silver Styles entzückendes Adventure "Everlight" zeigt jedoch, dass es durchaus Spaß machen kann, sich mit der dunklen Seite der Psyche auseinanderzusetzen.

Lange totgesagt, schwingt sich das Adventure-Genre derzeit zu neuen Höhen auf. Das rundum sympathische "Everlight" gehört zu jenen Titeln, die alte Adventure-Tugenden erfolgreich wiederbeleben und mit viel Stilgefühl durch neue Elemente bereichern. "Everlight" hat alles, was ein gutes Adventure braucht: einen sehr menschlichen Protagonisten mit allen Schwächen und Ängsten, die auch die meisten Spieler plagen dürften. Die Identifikationsfigur schlechthin. Dazu eine freche, unterhaltsame Story, die tiefenpsychologische Wahrheiten mit einer frappierenden Leichtigkeit verpackt. Auch das überwiegend logische Puzzle-Design und die intuitive Steuerung lassen kaum Wünsche offen.

Zunächst erscheint alles ganz traditionell: Melvin wird aus dem Kerzenladen von Mr. Teeth ins Städtchen Tallen teleportiert, wo er zunächst die Elfe Fenny, seine künftige Begleiterin, aus einem Käfig befreit und sich dann mit ihr auf Erkundungstour begibt. Bürger werden ausgiebig nach dem Multiple-Choice-Verfahren befragt, um mehr über das Schicksal von Tallen zu erfahren. Dabei trifft Melvin auf allerlei skurrile Charaktere, die jedoch erst in der Nacht ihr ganzes Wesen offenbaren. Die alte Jungfer mutiert dann zur Domina, während der sparsame Schmied plötzlich der Spielsucht frönt und der brave Hund zum wilden Werpudel wird. Was hinter diesen abenteuerlichen Wesenswandlungen steckt, muss Melvin ergründen. Dazu gilt es, Rätsel zu lösen, die virtuos mit dem Wechsel zwischen Tag- und Nachtzuständen spielen, aber nie ins Absurde abdriften.

"Everlight" erinnert zum einen an "Harry Potter", zum anderen an "Simon the Sorcerer", geht aber dennoch ganz eigene Wege. Die skurrilen Charaktere werden in witzigen, feinsinnigen Dialogen plastisch herausgearbeitet, während die liebevoll gestalteten 2-D-Schauplätze reinstes Fantasy-Flair versprühen. Mit der Maus erforscht man den Bildschirm, fügt Gegenstände dem Inventar hinzu und lässt Melvin in Windeseile von einem Ort zum anderen laufen. Per Tastatur macht man Hotspots und wichtige Personen auf dem Monitor sichtbar oder konsultiert Fennys Aufzeichnungen, eine Art Quest-Log. Eine Karte gestattet den schnellen Wechsel zwischen weit voneinander entfernt liegenden Schauplätzen. Wer sich bei den Puzzles dann doch einmal verzettelt hat, darf das mehrstufige Hilfesystem befragen. So sollten auch absolute Adventure-Neulinge in der Lage sein, "Everlight" bis zur (etwas enttäuschenden) Endsequenz durchzuspielen.

Everlight - Elfen an die Macht

Hersteller/Vertrieb

Silver Style/Atari

Genre

Adventure

Plattform

PC

Preis

ca. 40 Euro

Altersfreigabe

ab 6 Jahren

In Sachen Präsentation überzeugt "Everlight" insbesondere durch die stimmungsvolle Grafik und die hervorragenden Leistungen der Synchronsprecher. Lediglich die Animationen der Spielfiguren sind etwas zu steif ausgefallen. Hinzukommen die langen Ladezeiten beim Wechsel zwischen Schauplätzen. Trotzdem ist "Everlight" eine überaus charmante Alternative zu "Jack Keane" oder "Sam & Max: Season One".

Herbert Aichinger/Teleschau / TELESCHAU
Themen in diesem Artikel