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Baden-Württemberg: Wie im Märchen: Seltenes Albino-Tier in freier Wildbahn fotografiert

Ein weißes Einhorn? Nicht ganz, aber nah dran: Im Landkreis Esslingen streift aktuell ein weißer Rehbock umher. Ein Fotograf hat das extrem seltene Tier vor die Linse bekommen.

Albino-Tiere sind in der Natur eine absolute Seltenheit. Extrem selten bekommen Menschen in Deutschland solche Tiere zu Gesicht – und noch viel seltener wird ein Albino-Tier in freier Wildbahn fotografiert oder gefilmt. Ein Sensationsfoto ist nun dem Naturfotografen Markus Pieger gelungen. In einem Wald im Landkreis Esslingen (Baden-Württemberg) hat er einen weißen Rehbock vor die Linse bekommen.

Der genaue Aufenthaltsort des Tieres wird bewusst verschwiegen, um das Tier unter anderem vor weiteren Fotografen zu schützen.

Harter Überlebenskampf

Der fälschlicherweise immer wieder als "Das weiße Reh" betitelte Rehbock wurde in den letzten Monaten mehrfach gesichtet. Wie lange das seltene Albino-Tier in den Wäldern Baden-Württembergs noch überleben kann, ist schwer zu einzuschätzen. Der weiße Rehbock, der aussieht als wäre er einem Fantasy-Film entnommen, hat es in der Natur nämlich wesentlich schwieriger als seine Artgenossen.

Die Signalfarbe ist "alles andere als günstig"

"Die Färbung von Tieren entspricht in der Regel einer Tarnfarbe, da sie entweder als Fluchttiere von ihren Beutegreifern nicht leicht entdeckt werden wollen, oder eben als Beutegreifer ungesehen an ihre Beute gelangen wollen. Eine weiße 'Signalfarbe' ist daher alles andere als günstig", erklärte Janosch Arnold, Leiter der Wildforschungsstelle des Landwirtschaftlichen Zentrums Baden-Württemberg auf Anfrage des stern. Wie alt der Rehbock ist, könne man nicht zuverlässig sagen. Ebenso gibt es laut Arnold keine Erhebungen darüber, wie häufig weiße Rehe in Deutschland überhaupt vorkommen. Es handele sich aber um Einzelfälle. Andere Farbvarianten wie komplett schwarze Rehe seien dagegen deutlich häufiger.

Warum gibt es überhaupt Albino-Tiere?

Albinismus ist ein genetischer Defekt, der dazu führt, dass das Pigment Melanin in verminderter Menge oder gar nicht gebildet wird. Albino-Tiere haben deshalb hellere und häufig rote Augen. Die seltenen Tiere haben in der Natur meistens einen Nachteil, weil sie in ihrer Umgebung mit dem hellen Fell nur schlecht getarnt sind. Viele Albinos leiden zudem unter Sehschwäche. Das könnte zum Beispiel den Autoverkehr für den weißen Rehbock aus dem Landkreis Esslingen gefährlich machen. Andererseits könnte das helle Fell aber auch die Sichtbarkeit des Albino-Rehbocks erhöhen, so Wild-Experte Janosch Arnold. Eine weitere Gefahr geht von Jägern aus. Meistens würden Exemplare wie der Albino-Rehbock von Jägern allerdings verschont, sagt Arnold.

Albinomädchen
hh