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Die weißen Außenseiter

Im Reich der Tiere gibt es ein Paralleluniversum - das Reich der Ausgestoßenen. Ausgestoßen werden jene, die anders aussehen als die anderen, jene, die weiß sind: Albinos.

ist ein Gendefekt, der dazu führt, dass das Pigment Melanin in verminderter Menge oder gar nicht gebildet wird. Je weniger Melanin der Körper produziert, desto heller sind Haut und Haare, Fell oder Gefieder. Für Tiere kann das lebensgefährliche Folgen haben: Sie schneller entdeckt und somit zu einer leichten Beute, sie können sich nicht unbemerkt an ihre eigene Beute heranschleichen - und verhungern.

Rote Augen ohne Blitz

Menschen mit Albinismus führen oft ein Außenseiter-Dasein, sie werden als Freaks beschimpft und aus Unverständnis und Angst ausgeschlossen. Dabei haben Albinos schon genug Probleme: Ihre Augen können den Lichteinfall nicht regulieren - Blindheit oder eine stark verminderte Sehfähigkeit sind die Folgen. Beispielhaft hierfür ist die weiße Maus mit den roten Augen: Wenn sie könnte, würde sie eine Sonnenbrille tragen so wie Menschen mit Albinismus.

Die roten Augen sind übrigens ebenfalls die Folge des Melaninmangels: Bei Albinos ist auch die Iris farblos, das Blut schimmert hindurch und lässt das Auge rot wirken. Bilden zwar die Pigmentzellen des Auges Melanin, nicht aber die des Körpers, spricht man von Leuzismus. Dann ist die Sehfähigkeit nicht eingeschränkt, die Augen nicht rot. Der Körper ist jedoch trotzdem weiß.

Krebsvorsorge für Albinos

Albinos sind sehr sonnenempfindlich, und das ist vor allem für Albino-Kängurus ein Problem: Ihre Heimat Australien eine Hautkrebs-Gefahrenzone. Die Ozonschicht ist dort so dünn, dass niemand ohne Kopfbedeckung und Sunblocker aus dem haus geht.

Aber auch das Albinopferd Blue im Dienst der Polizei von Humberside, England, hat mit der Sonne zu kämpfen. Im Sommer reiben die Polizisten Blue mit literweise Sonnencreme ein, um ihn vor Sonnenbrand oder womöglich Hautkrebs zu schützen.

An Hautkrebs erkrankt war der wohl berühmteste Albino, Schneeflocke. Der Gorilla, weltweit das einzig bekannte Albino-Exemplar seiner Art, war 37 Jahre lang die Attraktion im Zoo von Barcelona, bis er 2003 wegen seiner Krankheit eingeschläfert wurde.

Ein Albino kommt oft allein

Auch in der Familie sind Albinos meist Außenseiter. Denn Albinismus und Leuzismus werden rezessiv vererbt - die Krankheit kann also nur dann übertragen werden, wenn sowohl Vater als auch Mutter den Gendefekt in sich tragen.

Aus diesem Grund können Albinos auch nicht gezüchtet werden. Schneeflocke zeugte 22 Nachkommen - keiner war ein Albino.

Monique Berends
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