"FIFA 09" Wenn Fußball zur Gefühlssache wird


Unter den virtuellen Fußballanhängern lautet die Glaubensfrage alle Jahre wieder: "FIFA" oder "PES"? In der Saison 2009 dürfte sie wohl schwieriger denn je zu beantworten sein. EA scheint in nahezu allen Belangen überlegen. Selbst die Unterschiede bei der Steuerung, bislang die größte Stärke der Konami-Konkurrenz, sind nur noch reine Gefühlssache.

Die Entwarnung für PC-Besitzer vorweg: Ihre Version fußt erstmals nicht mehr auf der veralteten Grafik-Engine der PS2-Fassung und wurde im Vergleich zum Vorgänger deutlich überarbeitet. Dennoch: Zum Spektakel wird "FIFA 09" erst auf den Next-Gen-Konsolen Xbox 360 und PlayStation3.

Dort hetzen die überaus detailgetreu nachempfundenen und geschmeidig animierten Akteure aus jeder halbwegs relevanten Liga dieser Welt fast schon fernsehgleich über den virtuellen Rasen, während im Hintergrund originalgetreue Schlachtengesänge von den Rängen der wunderschönen Fußballtempel schallen. Keine Übertreibung: Wer eine Dolby-Surround-Anlage und ein HD-TV-Gerät sein Eigen nennt, kann echte Stadionatmosphäre spüren - zumal sich das Geschehen auf dem Rasen authentischer denn je präsentiert.

Unverhohlen näherte sich EA der temporeichen "PES"-Spielweise weiter an, auch die "alternative" Steuerung gleicht der des Konami-Konkurrenten. Über 250 Neuerungen und Verbesserungen am Gameplay soll es in "FIFA 09" geben. Nachgezählt haben wir nicht, aufgefallen sind uns allerdings einige: Pässe, Schüsse, Flanken - das Geschehen wirkt nun wesentlich direkter, dynamischer und flüssiger als noch im etwas trägen Vorgänger. Dank neuer Animationen rennen, dribbeln, fliegen die Kicker noch schöner über den Platz - oder gestikulieren auch mal wild, wenn sie einen Pass in den Lauf gespielt haben wollen. Auch die Physis der Sportler hat einen größeren Einfluss bei Zweikämpfen, Kopfballduellen und Zusammenstößen. Bedeutet: Der FC-Bayern-Zwerg Philip Lahm kann zwar den stämmigen ManU-Innenverteidiger Rio Ferdinand schwindlig dribbeln, hat ansonsten aber kaum Chancen, sich köperlich durchzusetzen.

Eine der interessantesten Neuerungen von "FIFA 09" ist sicherlich die "adidas Live Saison". Abonnenten dieses optionalen Dienstes werden online wöchentlich mit aktuellen Spielerwerten versorgt. Wenn Mario Gomez also mal wieder am leeren Tor vorbeibolzt, kostet das Spielerwerte und macht sich in den nächsten virtuellen Matches bemerkbar. Neben der Bundesliga werden auch die ersten Ligen Englands, Italiens, Frankreichs und Spaniens genau von EA-Scouts unter die Lupe genommen. Immerhin darf der Service, verfügbar für PS3, PC und Xbox 360, an einer Liga kostenlos getestet werden.

Unabhängig davon kann auch wieder ein einzelner, auf Wunsch eigens erstellter Kicker im "Be a Pro"-Modus von der Bedeutungslosigkeit an die Weltspitze geführt werden. Das Grundprinzip blieb: Je zuverlässiger man seine Positionsaufgaben erfüllt, desto besser werden die Leistungswerte. Im Vergleich zu "FIFA 08" dauert der Spaß jedoch nun vier Saisons lang - Wechsel zu internationalen Topvereinen und Berufung in die Nationalmannschaft inklusive.

Die größte Herausforderung dürfte im World Wide Web warten. Wer will, kann online einen Verein oder eine Liga gründen und zusammen mit Freunden - nur zehn müssen's sein - in Matches antreten, bei denen jeder Feldspieler von einem anderen Zocker gesteuert wird. Das mag anfangs einer Partie in der F-Jugend ähneln, weil kaum jemand seiner Position treu bleibt und alle dem Ball hinterherhecheln. Wer's jedoch ernsthafter angeht, kann damit wahren E-Sport betreiben.

FIFA 09

Hersteller/Vertrieb

EA/EA

Genre

Sport

Plattform

PlayStation2, PC, Nintendo DS, PSP, PlayStation3, Wii, Xbox 360

Preis

ca. 60 Euro

Altersfreigabe

o.A.

Fazit: Auf dem Papier scheint die Sache klar: EA überzeugt mit einer Fülle an Modi, erstklassiger Grafik, dickem Lizenzpaket und einer Steuerung, bei der mehr denn je nur noch das reine Gefühl Unterschiede zu Konamis Referenzgebolze feststellen kann. Die Japaner müssen sich gehörig ins Zeug legen, um EA in diesem Jahr zu schlagen.

Bernd Fetsch/Teleschau TELESCHAU

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