"Hired Guns: The Jagged Edge" Söldner in der Krise


Fällt der Name "Jagged Alliance", verklären sich die Blicke altgedienter PC-Strategen. Bis heute warten die Fans sehnsüchtig auf einen würdigen Nachfolger. Doch auch Peter Games kann die hohen Erwartungen mit "Hired Guns: The Jagged Edge" nicht erfüllen.

Die alten Zeiten sind vorbei. Die mürrischen Haudegen aus dem Rundenstrategie-Klassiker "Jagged Alliance" genießen wohl ihren Ruhestand irgendwo in der Karibik. Die hatten es drauf, machten mit unliebsamen Gesellen kurzen Prozess. Und heute? Die Jugend ist auch nicht mehr das, was sie mal war. Schon die Typen von "Jagged Alliance 2: Wildfire" versemmelten ihren Auftrag. Und die neue Söldner-Generation in "Hired Guns" möchte auch irgendwie cool und überlegen wirken, erreicht aber nicht das Format und die Raffinesse ihrer großen Vorbilder.

Gut, das Spielprinzip ist im Grunde fast gleich geblieben: Der Spieler absolviert einen Psychotest, um seine Stärken und besonderen Fähigkeiten zu bestimmen. Er heuert eine Gruppe von Mitstreitern an und muss feststellen, dass nicht jeder einfach so mit ihm zusammenarbeiten will. Und dann geht es anfangs fast unbewaffnet in die Höhle des Löwen: Ein dubioser Kerl möchte seinen Bruder an Afrikas Diamantenküste aus dem Präsidentenamt jagen und selbst die Macht übernehmen. Doch die Schergen des Herrschers sind nicht zu Späßen aufgelegt und machen den Mannen des Spielers mit fiesen Guerilla-Methoden Feuer unterm Hintern.

Runde für Runde kämpft sich das Team voran, erobert Sektor für Sektor und bessert damit das Konto auf. Neue Waffen werden gekauft, frische Rekruten mit ganz speziellen Vorlieben und Fertigkeiten angeworben. Rückschläge sind häufig und schmerzlich - zum einen wegen der gnadenlosen Überlegenheit des Gegners, zum anderen wegen der schlechten Sichtverhältnisse und der Unübersichtlichkeit von Terrain und Mini-Map. Solche Unwägbarkeiten führen nicht selten dazu, dass man die ohnehin knappen Aktionspunkte nicht mit der nötigen Effizienz einsetzen kann. Massive Balancing-Probleme bei Waffen-Power und Treffsicherheit von Gegnern und eigenen Leuten sorgen weiterhin für permanenten Frust.

Hired Guns: The Jagged Edge

Hersteller/Vertrieb

Game Factory Interactive/Peter Games

Genre

Strategie

Plattform

PC

Preis

ca. 30 Euro

Altersfreigabe

ab 16 Jahren

Die hübsche 3-D-Grafik allein macht eben noch kein gutes Spiel. Zu sehr wurde in "Hired Guns" auf die Optik geachtet und zu wenig auf die Spielbarkeit. Es fehlt an Übersicht, an Bedienkomfort, einem ausgewogenen Kräfteverhältnis zwischen Spieler-Team und Gegnern, an einer glaubwürdigen künstlichen Intelligenz und halbwegs realistischen Kampfbedingungen. In seiner gegenwärtigen Form ist "Hired Guns" mehr Glücksspiel als Strategie, und das kann ja wohl nicht Sinn der Sache sein. Da außerdem Bugs auf vielen Systemen für regelmäßige Abstürze sorgen, ist ein baldiger Patch für das Spiel dringend erforderlich. Nur ganz unentwegte Fans der "Jagged-Alliance"-Reihe setzen deshalb gegenwärtig "Hired Guns" auf ihre Einkaufsliste.

Herbert Aichinger/Teleschau TELESCHAU

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