"Mount & Blade" Ritter mit rauer Schale


Entwickler Taleworlds lässt beim Mittelalter-Rollenspiel "Mount & Blade" die Orks im Dungeon und setzt ganz auf Realismus im Ritterleben.

Sohn eines verarmten Adeligen oder eines Kriegsveteranen? Oder gar Abkömmling von Steppennomaden? "Mount & Blade" lässt den Spieler seine eigene Vorgeschichte entwerfen und garniert sie mit einer knapp skizzierten Story, die direkt in den Charakterbildschirm mündet. Hier verpasst man dem Alter Ego individuelle Züge und verteilt nach Gusto die ersten Punkte auf Fertigkeiten und Waffenkünste. Anschließend findet sich der frischgebackene Ritter samt Ross mutterseelenallein in einer weiten, kargen Landschaft, die gleichermaßen Gefahren und Verheißungen für ihn birgt.

Ungewohnt: Niemand sagt dem Recken, wohin er eigentlich reiten soll. Burgen, Städte und Zeltlager warten darauf, erkundet zu werden. Doch Vorsicht: Unterwegs lauert zwielichtiges Gesindel darauf, die wenigen Habseligkeiten zu plündern. Auch Handelskarawanen ziehen von Ort zu Ort, um ihre Ware gewinnbringend loszuschlagen. Ausgestattet mit bescheidenen Nah- und Fernkampfwaffen, zwischen denen der Held bequem per Mausrad wechselt, darf man zunächst seine Fähigkeiten auf diversen Übungsplätzen trainieren, bevor man den Weg in eine der nahegelegenen Siedlungen antritt.

Brisante Neuigkeiten gibt es in den Tavernen zu erfahren, außerdem lassen sich dort gegen einen Obulus Kampfgefährten anheuern, die einen fortan durchs Abenteuer begleiten. Billig ist der Spaß nicht, denn die Mitglieder der Truppe fordern regelmäßig ihren Sold und sind außerdem ziemlich hungrig. Es gilt also, immer ausreichend Nahrung heranzuschaffen - zum Beispiel, indem man Handel betreibt. Auf die Dauer ist das unumgänglich, denn ohne ein ordentliches finanzielles Polster wird es der Held im Reich Calradia kaum zu etwas bringen.

Hilfreich ist es, seinen Ruf zu verbessern, indem man beispielsweise armen Bauern mit guten Taten beisteht. Oder man reitet als übler Strolch raubend durch die Lande, macht sein Diebesgut in der nächsten Stadt zu Geld und zieht so den Unmut der Bevölkerung auf sich. Die Wahl liegt ganz beim Spieler. Rollenspieltypisch halten Computer-Charaktere Quests bereit, mit deren Erfüllung das Ansehen bei bestimmten Fraktionen gesteigert werden kann. Wer es geschickt anstellt, arbeitet sich so zum geschätzten Gefolgsmann des Herrschers hoch und wird mit eigenen Ländereien belohnt, die dann sogar ordentlich Steuern abwerfen …

Wichtigstes Element von "Mount & Blade" sind jedoch die Kämpfe, die man hoch zu Ross oder auch zu Fuß mit Schwert, Bogen, Armbrust und Lanze ausfechten kann. Allein sollte der Ritter jedoch nicht in die Schlacht ziehen, wenn ihm sein Leben lieb ist. Steuern lässt sich allerdings nur der eigene Recke, auf die Aktionen der Begleiter hat der Spieler keinen Einfluss.

Mount & Blade

Hersteller/Vertrieb

Taleworks/paradox interactive

Genre

Rollenspiel

Plattform

PC

Preis

ca. 30 Euro

Altersfreigabe

ab 12 Jahren

So vielseitig die Möglichkeiten von "Mount & Blade" auch sein mögen, so altbacken ist die Präsentation des Ritterspektakels ausgefallen. Figuren und Landschaften wirken, als ob sie einem Titel aus den späten 90-ern entsprungen wären. Dem Spaß tut das jedoch keinen Abbruch - zumal man mit der einfachen Steuerung von der ersten Spielminute an klarkommt und das Spiel auch auf schwachbrüstigeren Rechnern absolut flüssig läuft. Wer ins pralle mittelalterliche Leben abtauchen will, ohne auf üppigen Grafikzauber Wert zu legen, ist mit "Mount & Blade" gut bedient.

Herbert Aichinger/Teleschau TELESCHAU

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