"Star Wars: The Force Unleashed" Abenteuerlicher Machtmissbrauch


Als Schüler des asthmatischen "Star Wars"-Fieslings Darth Vader bekommen "The Force Unleashed"-Spieler nicht nur Nachhilfeunterricht in Sachen Machtmissbrauch, sondern auch ein paar Stunden in angewandter Physik ...

Es ist eine verwegene Geschichte, die sich die Entwickler von LucasArts da einfallen haben lassen - nicht immer ganz nachvollziehbar, aber zumindest filmreif inszeniert. Im Auftrag des asthmatischen Sith-Lords soll der Spieler Jagd auf die letzten Jedi-Ritter im Imperium machen und dabei die nötige Erfahrung sammeln, um später gemeinsam mit Vader den Imperator vom Thron zu stoßen.

Dass es dazu nicht kommen wird, weiß man aus den Filmen. Und dennoch ist das der Auftakt zu einer Tour de Force durch die halbe Galaxis, die mit einem spielbaren Prolog auf dem Wookie-Planeten Kashyyyk beginnt und an deren Ende sich auf dem halbfertigen Todesstern wenig zum Guten, aber immerhin fast alles zum Bekannten fügt ...

Bis es jedoch soweit ist, darf in erster Linie gestaunt werden. Was sich hier mit dem Laserschwert und der Macht anstellen lässt, war noch in keinem "Star Wars"-Game zu sehen. Dank der ominösen Kraft können Gegenstände und Gegner nach Belieben durch die Luft gewirbelt, gewaltige Metallschotts verbeult und eklige Rancor-Monster mit Blitzen geröstet werden - sofern man der komplexen und mitunter unpräzisen Steuerung Herr wird. Nicht selten bekommt man per Machtgriff alles zu fassen, nur nicht das Objekt der Begierde ...

Um die zahlreichen und ausbaufähigen Tricks des Schülers so eindrucksvoll wie möglich in Szene zu setzen, haben die Entwickler von LucasArts gleich mehrere aufwendige Technologien mit Namen wie "Havok", "Digital Molecular Matter Engine" oder "Euphoria" (steuerte bereits das Verhalten der Passanten in "GTA IV") in einen Programmiertopf geschmissen. Das Ergebnis überzeugt - vor allem dann, wenn sich ein paar Sturmtruppler verzweifelt an einem Geländer festkrallen, um nicht zum Spielball der Macht zu werden, oder der Spieler einen Stahlträger so verbiegt, dass ein vorbeifliegender TIE-Fighter daran hängen bleibt.

Es geht allerdings auch beeindruckender - viel beeindruckender: Am Ende eines der an Höhepunkten reichen Kapitel muss Vaders Handlanger allein durch seine Willenskraft einen Sternenzerstörer vom Himmel über dem Schrottplaneten Raxus Prime holen. Die packende, im Verhältnis zu den Filmen aber geradezu absurde Machtdemonstration ist gleichzeitig auch eine harte Geduldsprobe. Es braucht unglaublich viele Anläufe, ehe das gewaltige Raumschiff zum Crash auf einem Schrottplaneten gezwungen werden kann. Schuld hat auch hier die schwammige Zielerfassung, die bei den flinken TIE-Fightern, die zuerst aus dem Weg geräumt werden müssen, ihren Dienst versagt.

Für den mitunter knackigen Schwierigkeitsgrad - vor allem in den von Reaktionstests durchsetzten Bossduellen - entschädigen jedoch die erstklassigen Zwischensequenzen, die die Geschichte vorantreiben. Und wie die Filme von George Lucas gönnt auch "The Force Unleashed" dem Spieler kaum eine Atempause. Hätte er die, würden ihm vermutlich das streng lineare und rätselarme Gameplay auffallen, die bei 3-D-Action-Adventures fast schon obligatorischen Kameraprobleme und die schwankende Qualität der Grafik, die gelegentlich unter Pop-Up-Effekten, matschigen Texturen, kleinen Rucklern und dem sogenannten Tearing (Zeilenverschiebung) leidet.

Star Wars: The Force Unleashed

Hersteller/Vertrieb

LucasArts/Activision

Genre

Action-Adventure

Plattform

PlayStation2, PSP, PlayStation3, Wii, Xbox 360

Preis

ca. 60 Euro

Altersfreigabe

ab 12 Jahren

Über jeden Zweifel erhaben ist jedoch die Sounduntermalung. Während der rege Machteinsatz die Bassboxen fordert und Lichtschwerter im Akkord brummen, sorgen im Hintergrund die Orchester-Kompositionen von John Williams nach wie vor für Gänsehaut. Hinzu kommen professionelle Synchronsprecher, die ihren Charakteren echte Tiefe verleihen.

Gerd Hilber/Teleschau TELESCHAU

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