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"Strg-Alt-Entf"-Erfinder Dave Bradley: In fünf Minuten eine Legende erschaffen

So lange es den PC gibt, brauchen seine Nutzer diese Tastenkombination: "Strg-Alt-Entf". Im stern.de-Interview erzählt IBM-Ingenieur Dave Bradley, wie er den Affengriff erfand, wie er Bill Gates brüskierte - und von "Disketten-Disko".

Dieses Interview wurde 2006 anlässlich des 25. Jubiläums des PC geführt.

Mr. Bradley, Sie gehörten zu den "Original 12", die vor 25 Jahren IBMs Personal Computer entwickelt haben. Ähnelte diese Arbeit anderen Projekten, die Sie vorher als Ingenieur betreut hatten? Oder war etwas Besonderes dabei?

Die Arbeit ähnelte dem, was wir schon gemacht hatten. Das Projekt, an dem die "Original 12" vorher gearbeitet hatten, war der System/23 Datamaster. Als wir mit dem Datamaster begannen, dachten wir, es würde ein Personal Computer daraus entstehen. Stattdessen wurde es eher ein kleiner Business Computer. Einige Charakteristika hatte er aber mit dem PC gemeinsam: einen Intel-Prozessor und die Programmiersprache Basic. Als wir dann den PC entwickelten, konnten wir auf diese Erfahrungen zurückgreifen: Wir benutzten allerdings einen neueren Intel-Chip und erwarben eine andere Basic-Version, von Microsoft.

Also ein Job wie jeder andere?

Wir hatten schon das Gefühl oder die Hoffnung, dass dieses Produkt tatsächlich ein Personal Computer werden würde, so was, wie es Apple und Radio Shack (Elektronikkette, die einen ersten PC als Bausatz im Angebot hatte; d. Red.) verkauften. Schon früh sahen unsere Pläne vor, das das Gerät im Einzelhandel verkauft werden sollte und nicht von den Legionen von IBM-Vertrieblern. Und es sollte ein "offenes System" sein: Wir wollten detaillierte Designinformationen veröffentlichen, so dass jeder zusätzliche Hard- und Software entwickeln konnte.

Haben Sie den gewaltigen Erfolg des PC erwartet?

Ich hätte nie gedacht, dass der PC so einschlägt. Ich hatte natürlich auf einen Erfolg gehofft, aber das ist mit jedem Projekt so, an dem man mitarbeitet. Ich hoffte, technisch versierte Leute würde das Design des PC erkennen und wertschätzen. Sie haben das ja auch getan, schließlich wurde ja jede Menge Hard- und Software entwickelt.

Ungefähr ein Jahr nach der Markteinführung des PC stand ich mit Don Estridge, der das Entwicklungsteam geleitet hatte, in seinem Büro und wartete auf einige weitere Personen. Plötzlich sagte er: "Hast Du je geglaubt, dass der PC so ein Riesenerfolg wird?", in einem Tonfall, der deutlich machte, dass auch er völlig überrascht davon war.

Sie sind berühmt geworden als Erfinder der Tastenkombination "Strg"-"Alt"-Entf". Wie kamen Sie darauf?

Strg-Alt-Entf war eine Lösung für eines von Hunderten Problemen, die wir lösen mussten, während wir den PC entwickelten. Das Gerät hatte keinen Resetknopf. Weil das Hardwaredesign völlig neu war und viele verschiedene Software geschrieben wurde, hängte sich das System ständig auf. Den Computer jedes Mal von Grund auf neu zu starten, dauerte sehr lange. Ungefähr eine Minute, wegen des Start-Selbsttests, der alle Komponenten überprüft. Ich entschied, eine Abkürzung einzubauen. Strg-Alt-Entf sorgte für einen Neustart, aber ohne den langwierigen Selbsttest zu Beginn. Die Tasten Strg, Alt und Entf wurden ausgewählt, weil sie weit auseinander lagen, so dass man sie nicht so einfach zufällig gleichzeitig drücken konnte. Ich brauchte ungefähr fünf Minuten für die paar Zeilen Code. Danach kümmerte ich mich um etwas anderes.

Dieser Affengriff gehörte zum Alltag eines jeden PC-Benutzers...

Im weiteren Verlauf der Entwicklung wurde Strg-Alt-Entf auch benutzt, um neue Programme zu starten. Schließlich gab es damals keine Festplatten, sondern nur Disketten. Wer eine neue Software starten wollte, schob eine andere Floppy Disk hinein und drückte Strg-Alt-Entf.

Microsoft übernahm später für Windows NT Strg-Alt-Entf als Tastenkombination, um den Login- oder Ausschalt-Bildschirm zu erreichen. Großartige Werbung für den Affengriff war allerdings der berüchtigte "Blue Screen of Death" (der blaue Bildschirm, den frühere Windows-Versionen zeigten, wenn gar nichts mehr ging), der empfahl, den Rechner auf diese Weise neu zu starten.

Während einer Podiumsdiskussion sagten sie: "Ich mag zwar der Erfinder von Strg-Alt-Entf sein, aber berühmt wurde es durch Bill Gates" (weil Windows so häufig abstürzte). Auf einer Videoaufzeichnung der Szene ist zu sehen, dass Gates, der sich ebenfalls auf dem Podium befand, "einzufrieren" schien. Er reagierte überhaupt nicht. Haben Sie später mit ihm gesprochen? War Gates wütend?

Bill und ich haben nach der Veranstaltung miteinander gesprochen, zwar nicht über diesen Vorfall im Speziellen, aber er war freundlich. Ich glaube, Bill hat mich so merkwürdig angestarrt, damit das Publikum noch mehr zu lachen hatte. Es sollte lustig während der Diskussion zugehen, das war ein Ziel.

Gates fühlte sich also nicht auf dem falschen Fuß erwischt...

Möglicherweise kannte er diesen Spruch auch schon, weil ich ihn mehrfach in Zeitungsinterviews benutzt hatte. Andy Grove, der damalige Intel-Chef, erzählte mir mal: "Ich lache selten, wenn ich die Zeitung lese. Aber als ich diesen Satz las, habe ich am Frühstückstisch laut losgelacht."

Warum ist der PC so erfolgreich?

Es gibt mehrere Faktoren:
- Wie schon erwähnt, ist es ein offenes System. Wir haben den Rest der Industrie eingeladen mitzumachen. IBM hätte niemals all die Software schreiben und Hardwarekomponenten selbst entwickeln können, die den PC so erfolgreich machen. Die "Killer-Anwendung" für den PC war die Bürosoftware Lotus 1-2-3, die von Mitch Kapor geschrieben wurde, der nicht bei IBM arbeitete.
- Die Angestellten waren bereit für eigene Arbeitsgeräte. Sie hatten keine Lust mehr, den großen Hauptcomputer für alles benutzen zu müssen. Ein Xerox-Mitarbeiter sagte mir mal: "PC sind so beliebt, weil sie nachts nicht schneller arbeiten als am Tag". (Zentralrechner erledigten ihre Arbeit umso langsamer, desto mehr Angestellte auf sie zugriffen. Deswegen waren sie nachts am schnellsten.)
- Die amerikanischen Unternehmen waren bereit für PC, hatten sich aber noch nicht festgelegt. Damals hieß der führende Anbieter wie eine Frucht. Da kam ein Name wie IBM (International Business Machines) gerade recht.

Wie sieht die Zukunft des PC aus?

Ich bin ein fürchterlicher Hellseher, sonst wäre ich vom Erfolg des PC ja nicht so überrascht worden. Ich erwarte, dass der PC in seiner jetzigen Form - oder zumindest ähnlich - weiterhin bestehen wird. Gleichzeitig wird seine Integration in Kommunikationsgeräte und Unterhaltungselektronik fortschreiten - wie die Beispiele Blackberry und iPod zeigen. Vermutlich warten viele Dinge darauf, endlich erfunden zu werden.

Wenn Sie auf die 25-jährige Geschichte des PC zurückblicken, was betrachten Sie als Meilensteine?

Nach dem PC selbst war die Festplatte wichtig, so dass man nicht mehr die ganze Zeit "Disketten-Disko" spielen musste. Die nächsten entscheidenden Schritte waren Vernetzung und die Einführung von Betriebssystemen mit Fenstern und grafischer Oberfläche. Man konnte endlich mit anderen Computern kommunizieren, und die Geräte wurden einfacher zugänglich für den Benutzer. Schließlich das Internet. Der PC erschuf das Internet zwar nicht, aber er machte seine Ausbreitung möglich, weil in den Anfangstagen praktisch jedes Zugangsterminal ein PC war. Inzwischen gibt es viele Möglichkeiten, ins Netz zu kommen, aber damals war der PC unverzichtbar für die Entwicklung des Internet.

Benutzen Sie heute einen PC bei der Arbeit oder zu Hause? Oder sind Sie vielleicht ein heimlicher Apple-Fan?

Ich bin im Ruhestand und benutze zu Hause und auf Reisen einen PC. Ich habe kaum je einen Macintosh benutzt. Sieht so aus, als bliebe ich meiner Schöpfung treu.

Interview: Udo Lewalter und Ralf Sander
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Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.