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"Super Mario Galaxy": Ein Klempner im Weltraum

Mamma mia, was für ein Spiel! "Super Mario Galaxy" ist einer der wenigen Titel, für die sich die Anschaffung einer Wii-Konsole wirklich lohnt.

Die recht einfallslose Tatsache zu Beginn: Wieder einmal wurde Prinzessin Peach gekidnappt. Und natürlich hat Dauerbösewicht Bowser seine Klauen im Spiel. Dass diesmal aber gleich das ganze Universum ins Wanken gerät, ist neu. Kopfüber stürzt sich der dicke Kult-Klempner, der mittlerweile knapp 30 Dienstjahre und 185 Millionen verkaufte Kopien auf dem Buckel hat, also ins Abenteuer, um das zuckersüße Blaublut im rosa Tutu mal wieder zu retten. Ob das Ganze ein Running Gag von Nintendo oder eine never ending Lovestory ist, bleibt auch diesmal ungeklärt - trotz zaghafter Andeutungen ...

Dabei erweist sich der Wii-Titel umfangreicher als Marios Wohlstandswampe. Inklusive aller geheimen Welten, die noch nie eine Nintendo-Figur zuvor betreten hat, wollen fast 40 Planeten mit klassischer Nintendo-Thematik und zahlreichen Verstecken abgeklappert werden. Ausgangspunkt bei der fortwährenden Suche nach Münzen, Sternen und natürlich der Prinzessin ist dabei eine magische Sternenwarte, deren Wächterin Rosalina eigentlich viel niedlicher als die olle Peach ist ...

Der Abspann markiert zugleich den Halbzeitpfiff. Denn nach den ersten 60 gefundenen Sternen, mutiert "Super Mario Galaxy" zum echten Jump&Run-Brocken, der all jene Profi-Zocker motivieren dürfte, die nicht ruhen können, ehe sie nicht das letzte Geheimnis des Games freigeschaltet haben. Die Mühe lohnt jedoch, denn Marios Sternen-Trip könnte abwechslungs- und einfallsreicher nicht sein. Schwerkraftverhältnisse und Dimensionen wechseln permanent. Darüber hinaus warten jede Menge Geschicklichkeitseinlagen auf den Spieler, die unaufdringlich die Fähigkeiten der Wiimote in den Vordergrund rücken, dicke Boss-Brocken, die nicht so ohne Weiteres besiegt werden können, knifflige Hüpfpassagen, und, und, und. Ein Füllhorn an Aufgaben, das hier über dem Spieler ausgeschüttet wird.

Um all die Herausforderungen meistern zu können, tauscht der Schnauzbartträger seine olle Latzhose immer wieder gegen besondere Outfits ein. Als Geist kann Mario schweben, sich unsichtbar machen und durch Gitterstäbe gleiten. Im pummeligen Bienen-Kostüm darf er für kurze Zeit zum Höhenflug ansetzen, sollte aber Wasserkontakt meiden. Hinzukommen die üblichen Nintendo-Gadgets: Feuer- und Eisblumen sowie die unterschiedlichsten Pilze, die Mario ebenfalls neue Fähigkeiten bescheren.

Neben der fantasievollen 3-D-Grafik und der orchestralen Musikuntermalung begeistert vor allem die nahezu perfekte Steuerung per Wiimote und Nunchuck-Controller. Die Kamera muss nur in den seltensten Fällen nachjustiert werden, sämtliche Bewegungen des Helden gehen intuitiv von der Hand. Ein kurzes Rütteln, schon verdrischt Mario einen Widersacher, schwingt sich an einer Liane entlang oder rast per Sternenkatapult zum nächsten Level-Abschnitt. Doppel- und Dreifachsprung, Rückwartssalto mit anschließender Arschbombe - alles kein Problem. Neu: Wer mit dem Cursor der Wiimote direkt auf den Bildschirm zeigt, kann dort Sternenstaub aufsammeln und die kleinen Edelsteine auch auf Gegner abfeuern, um diese kurzfristig außer Gefecht zu setzen. Und weil alleine zocken öde ist, darf diesen Part auch ein menschlicher Mitspieler übernehmen - immerhin.

Hänger und Frustphasen kennt der "Super Mario Galaxy"-Spieler ebenso wenig wie der Schnauzbartträger neuerdings Abgründe. Die Schwerkraft sorgt im All dafür, dass er einfach kopfüber auf der anderen Seite eines Objekts weiterläuft. Gefahr geht höchstens von schwarzen Löchern und dunkler Materie aus, die den Klempner ein Leben, den Spieler wegen der fairen Rücksetzpunkte aber kaum Nerven kosten.

Super Mario Galaxy

Hersteller/Vertrieb

Nintendo/Nintendo

Genre

Jump & Run

Plattform

Wii

Preis

ca. 50 Euro

Altersfreigabe

ab 6 Jahren

Es sind schöne Stunden, die man mit dem neuen "Mario"-Game verbringt - vor allem, weil im Nintendo-Universum andere Gesetze gelten als in der restlichen Branche. Hier regiert das Gameplay über die Präsentation, das Novum über das Bewährte, der Spieltrieb über die Coolness. Hier ist man Kind, hier darf man's sein ...

Bernd Fetsch/Teleschau / TELESCHAU
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