"Tetris DS" Unsagbar zeitlos


Der Klassiker, auf dessen Wiedergeburt alle gewartet haben: "Tetris" ist nun auch für das Nintendo DS zu haben. Doch lohnt der Neukauf oder taugt noch die olle Game-Boy-Variante?

Natürlich hat die Spieleindustrie das Phänomen von einst in den letzten 20 Jahren weiter vorangetrieben. Unzählige lockere Adaptionen und selbst ernannte Nachfolger sind bereits erschienen, die ein ähnliches Spielprinzip bedienten. Und auch "Tetris DS" ist nicht neu. Am Grundprinzip des Gassenhauers hat sich nur wenig geändert. Warum auch?

Keine Übertreibung, keine Verklärung: Ein Spiel wie "Tetris" hat es seither nicht mehr gegeben. Es ist leicht zu erlernen, aber schwer zu beherrschen. Genial wie Schach, nur friedfertiger. Und zeitlos. Herabfallende geometrische Figuren müssen so angeordnet werden, dass sie eine durchgehende Mauer bilden. Kaum wurde ein Block gesetzt, kommt auch schon der nächste. Das geht so lange, bis sich die Klötzchen zum Himmel stapeln und sich schließlich das gefürchtete "Game Over" auf dem Bildschirm breit macht. Ein echtes Ziel gibt es im Grunde nicht, wohl aber den Willen oder vielmehr die Sehnsucht des Spielers, selbst unter zunehmendem Zeitdruck stets Herr der Lage zu sein und Ordnung in ein chaotisches System bringen zu wollen.

Die Idee dazu hatte ein russischer Wissenschaftler: Alexej Padschitnow. Der war Informatiker, braver Bürger der UdSSR und reichlich ahnungslos, dass sich mit seinem kleinen Zeitvertreib Geld verdienen ließe. Viel Geld sogar. Nicht anders ging es seinen Kollegen Wadim Gerassimow und Mikhail Kulagin, die "Tetris" so umprogrammierten, dass es auch auf normalen PCs startete und damit den Grundstein für den weltweiten Erfolg legten. Schnell wurden nicht nur globale Big Player wie Nintendo, Atari oder Rupert Maxwell auf den kommunistischen Freizeitkiller aufmerksam, der aus der Kälte kam, sondern auch der KGB, der sich ebenfalls die Rechte an dem Spiel sichern wollte - weshalb "Tetris" für die UdSSR unter Gorbatschow zu einem Lehrstück in Sachen Kapitalismus wurde.

Apropos: Wer "Tetris" bereits in irgendeiner Form sein eigen nennt, muss die DS-Variante nicht unbedingt kaufen. Zumindest nicht zum Preis von rund 40 Euro. An diesem Urteil können auch die fünf zusätzlichen und abwechslungsreichen Spiel- und Knobel-Modi ("Druck", "Touch", "Puzzle", "Mission", "Fang"), die brauchbare Stylus-Unterstützung und die wirklich großartigen Online-Funktionen (bis zu zehn Hochstapler zocken mit einem Modul!) nicht rütteln - zumal sich Nintendo bei der Präsentation kein Bein ausgerissen hat. Zwar laufen beim Standard-Spiel recht witzige Szenen von Klassikern wie "Zelda" oder "Super Mario Bros." im Hintergrund ab, doch die Grafik ist allenfalls als zweckmäßig zu bezeichnen.

Tetris DS

Hersteller/Vertrieb

Nintendo/Nintendo

Genre

Sonstiges / Besonderes

Plattform

Nintendo DS

Preis

ca. 40 Euro

Altersfreigabe

o. A.

Wer "Tetris" allerdings noch nicht hat oder kennt (Hallo, wie lebt es sich so hinterm Mond?), muss zugreifen. Das Game ist - gleich, in welcher Form - ein Stückchen mobile Menschheitsgeschichte.

Gerd Hilber/Teleschau TELESCHAU

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