"Ceville" Königlicher Spaß im Medienreich


Eine furiose Jagd voller witziger Seitenhiebe auf Film, Fernsehen und die Spieleindustrie liefert der Münchener Entwickler Realmforge mit dem Adventure "Ceville" ab.

Lange für tot erklärt, erleben klassische Adventures derzeit ein starkes Comeback - und deutsche Entwicklerstudios sind daran maßgeblich beteiligt. Mischte das in Frankfurt ansässige Team Deck 13 den Spielemarkt in den letzten Jahren mit "Ankh" und vor allem "Jack Keane" schon kräftig auf, legt jetzt das junge Münchener Studio Realmforge mit "Ceville" ein kaum weniger beeindruckendes Debüt-Adventure hin.

König Ceville hat Spaß, wenn er seine Untertanen bestrafen und schikanieren kann. Doch jetzt ist das Maß voll: Das Volk probt unter Führung von Cevilles Berater Basilius den Aufstand. Der kleinwüchsige Despot mit der großen Klappe landet im Kerker - und möchte natürlich zurück auf den Thron.

Die Geschichte von "Ceville" ist witzig, aber nicht entscheidend. Sie dient eher als roter Faden, an dem die zahllosen aberwitzigen Rätsel aufgereiht sind. Doch bevor es jedoch richtig losgeht, nimmt einen das Spiel bereits mit seinen schrägen Charakteren gefangen: dem zynischen, aber trotzdem liebenswürdigen Ceville, seiner gutmütigen und stets zuvorkommenden Begleiterin Lilly und den vielen verschrobenen Nebenfiguren, die oft als Parodien anderer berühmter Gestalten daherkommen. So trifft man unter anderem einen lispelnden, mitleiderregenden "Dungeon Keeper", eine untote Kopie des "Monkey-Island"-Piraten LeChuck oder auf einen Wolf, der die drei Schweinchen verklagen will, weil ihn ein herabfallender Ziegelstein ihres Hauses verletzt hat.

Überhaupt bilden Parodien und Zitate eine wichtige Grundlage für den abgefahrenen Humor von "Ceville". Da trifft sich der missgelaunte Herrscher auf "Baumkuschler", die der "World of Warcraft" entstammen könnten, oder auf eine miese Schauspielerin namens H. Lo, die unkonventionell von der Bühne geholt werden muss. Weitere Gags nehmen "Star Wars", "Day of the Tentacle", "Diablo" oder auch "Deutschland sucht den Superstar" auf die Schippe.

Ähnlich bunt und unterhaltsam zeigt sich das Rätseldesign: Alte Klischees wie das Versteck im Uhrenkasten werden darin ebenso verbraten wie das Spiel mit der Eitelkeit: Nur wer es schafft, dem schönen Paladin Läuse ins ondulierte Haar zu setzen, kommt aus dem Gefängnis frei. Bei der Lösung der Aufgaben müssen Ceville und Lilly gelegentlich zusammenarbeiten oder Gegenstände aus ihren (immer überschaubaren) Inventaren miteinander tauschen. Die Puzzles sind durchaus knifflig, aber nie unfair - wer sich auf unkonventionelle Gedankengänge einlässt, kommt früher oder später auf die Lösung. Sollte man dennoch Schwierigkeiten haben, hilft die mehrfarbige Hotspot-Anzeige, die darüber aufklärt, welche Gegenstände man betrachten, mitnehmen oder manipulieren kann.

Ein Highlight von "Ceville" sind die vor Witz nur so sprühenden Dialoge, in denen sich die Figuren oft brillante Wortgefechte liefern. Erstklassige Schauspieler wie die deutschen Synchronsprecher von Ian Holm und Angelina Jolie hauchen den Figuren richtig Leben ein und machen das Zuhören zur wahren Freude. Nur optisch müssen ein paar Abstriche gemacht werden: Das Spiel erstrahlt zwar in hübsch bunter Comic-Grafik, ist aber trotzdem stellenweise etwas zu klotzig und detailarm. Zudem wirken die Animationen manchmal etwas unbeholfen, was aber zum Gesamtcharakter des Spiels irgendwie passt und deshalb kaum stört. Nichts zu mäkeln gibt es an der supersimplen Maussteuerung, mit der auch Anfänger auf Anhieb zurechtkommen dürften.

Ceville

Hersteller/Vertrieb

Realmforge / Kalypso Media

Genre

Adventure

Plattform

PC

Preis

ca. 40 Euro

Altersfreigabe

ab 6 Jahren

Mit "Ceville" ist Realmforge ein großartiger Einstieg ins Adventure-Genre gelungen. Witz, Charaktere, Puzzles, Präsentation - hier stimmt einfach alles, sieht man mal von kleineren technischen Schnitzern ab. Wer abgefahrene Geschichten im Stil von "Shrek" liebt und sich gerne auf Zitate-Jagd begibt, sollte sich diesen spaßigen, rund 15 Stunden langen Abenteuer-Trip nicht entgehen lassen.

Herbert Aichinger/Teleschau TELESCHAU

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