Bayerns Wirtschaftsminister Huber "Videospiele sind Bestandteil der Lebenswirklichkeit"


Obwohl die lautesten Kritiker von Computerspielen aus Bayern kommen, fördert das Bundesland zugleich die Herstellung von Videogames. Wirtschaftsminister Erwin Huber erklärt im stern.de-Interview, warum das kein Widerspruch sein muss.

Wie wichtig sind Computerspiele für den Wirtschaftsstandort Bayern - jetzt und in Zukunft?

Erwin Huber: Die Computer- und Videospielindustrie ist für den High-Tech- und Medienstandort Bayern von hoher Bedeutung. Die digitale Spieleindustrie gehört zu den dynamischsten Teilmärkten der Medienbranche mit Wachstumsraten zwischen 5 und 10 Prozent pro Jahr. Bei der Entwicklung digitaler Spiele sind kreative Köpfe gefragt, technologische Innovationen werden beflügelt. Hiervon profitieren auch viele andere Branchen nicht nur im Medienbereich.

Einige Bundesländer wie Berlin oder Nordrhein-Westfalen locken bereits sehr aktiv Hersteller von Videospielen an. Wird es auch in Bayern eine institutionalisierte oder zumindest regelmäßige Förderung von Videospielentwicklung geben? Erkennt Bayern Computerspiele als Kulturgut an?

Im Rahmen der Allianz Bayern Innovativ unterstützt die Bayerische Staatsregierung den Cluster 'Audiovisuelle Medien'. Ein Aufgabenschwerpunkt dieses Netzwerks ist es, Spielentwickler, Verlage/Publisher, aber auch Kapitalgeber zusammenzubringen, um gemeinsame Produkte für alle Altersklassen und Zielgruppen auf den Weg zu bringen. Dabei wird sich das Cluster besonders für Spielentwicklungen einsetzen, die pädagogisch wertvoll, qualitativ hochwertig, ästhetisch und inhaltlich anspruchsvoll sind. Damit trägt Bayern dem Umstand Rechnung, dass digitale Spiele heute fester Bestandteil der Lebenswirklichkeit sind und ebenso zu den anerkannten Freizeitbeschäftigungen zählen wie etwa Lesen oder Sport.

Wie verhält sich der "Lara"-Förderpreis des Wirtschaftsministeriums für Spieleentwickler zu den meist kritischen Äußerungen des bayerischen Innenministers Günther Beckstein zu Computerspielen? Ist die Vergabe des Preises zwischen den Ministerien abgestimmt?

Die Haltung der Staatsregierung ist klar und einheitlich. Mit der von Bayern eingebrachten Bundesratsinitiative zum Verbot des Herstellens und Verbreitens virtueller Killerspiele zum Schutz von Kindern und Jugendlichen wollen wir klare Grenzen setzen. Es ergäbe aber ein völlig falsches Bild, Computerspiele nur auf Killerspiele zu reduzieren. Der überwiegende Teil der Branche insbesondere in Deutschland hat einen anderen Fokus. Es ist daher kein Widerspruch, wenn wir mit dem Sonderpreis anerkennenswerte Leistungen junger, aufstrebender Spielentwickler honorieren. Sie sind ein Ansporn zur steten Verbesserung, sie mobilisieren und machen kreative Kräfte frei.

Haben Sie selbst Videospielerfahrung? Wenn nein, wie halten Sie sich auf dem Laufenden bezüglich dieser neuen Technologie?

Meine politische Tätigkeit lässt keine Zeit, um selbst nennenswerte Videospielerfahrung zu sammeln. Durch meine Familie, insbesondere meinen Sohn Philipp, bin ich jedoch über die rasanten Fortschritte dieser jungen, innovativen Branche informiert.

Interview: Sven Stillich

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