"Jack Keane" Ein Großmaul hält Wort


Deutschland, das Land der Wirtschaftssimulationen? Von wegen! Das Frankfurter Team Deck13 zeigt jetzt der Welt mit "Jack Keane" was ein Top-Adventure ist - und muss dabei Vergleiche mit den legendären LucasArts-Klassikern nicht scheuen!

Wer Adventures mit kniffligen Puzzles und spritzigen Dialogen liebt, wurde von der Spieleindustrie in den letzten Jahren nicht gerade mit spektakulären Neuerscheinungen verwöhnt. Und dann kam plötzlich "Ankh", ein sympathisches Ägypten-Abenteuer aus deutscher Produktion. Während jedoch beim "Ankh"-Antihelden Assil der Vergleich mit Guybrush Threepwood noch ein bisschen hinkte, kann Assils Nachfolger Käpt'n "Jack Keane" dem Kult-Piraten der legendären "Monkey Island"-Reihe in vielfacher Hinsicht durchaus zeigen, wo der Säbel hängt.

Jack kriegt irgendwie nichts auf die Reihe. Aber er nimmt den Mund gern etwas voll. Er gehört mit seinem heruntergekommenen Segler "Charming Princess" zwar zu den Schnellsten auf den Weltmeeren ("Mein Schiff macht eineinhalbfache Fregatten-Geschwindigkeit"), aber kaum jemand will dem Unglücksraben seine wertvolle Ladung anvertrauen. Bis sich eines Tages der britische Geheimdienst bei ihm meldet und einen hoch dotierten Auftrag für ihn hat...

Dr. T statt Fünf-Uhr-Tee

Keane soll von London aus nach Kapstadt segeln und dort einen Geheimagenten an Bord nehmen. Die Reise geht weiter nach Tooth Island. Die Mission: dem schurkischen Doctor T. das Handwerk zu legen, der mit fleisch- und teefressenden Pflanzen sowie einer wilden Affenarmee die Existenz des Britischen Empire, ja, der ganzen Welt bedroht. Und wer will schon, dass die Queen auf ihren täglichen Fünf-Uhr-Tee verzichten muss?

Schon die ersten Szenen von "Jack Keane" zeigen, dass dieses Adventure anders ist als viele vergleichbare Titel: Der Dialogwitz ist geistreich und treffsicher, platte Kalauer zum Gähnen, wie es sie in "Ankh" noch zuhauf gab, kommen Keane kaum über die Lippen. Stattdessen gibt's Überraschungen, jede Menge Seitenhiebe und unerwartete Wendungen am laufenden Band. Blendend verstehen sich die Deck13-Leute auf das geschickte Spiel mit großer Geste und kleinem Effekt. Zum Brüllen komisch auch die kleinen Anspielungen aufs Zeitgeschehen oder Phänomene des Alltags. Wenn ein verarmter Gentleman im Hafen von Kapstadt seine Geschichte zum Besten gibt, wie er der afrikanischen Spam-Mafia auf den Leim ging und dabei Hab und Gut verlor, bleibt kein Auge trocken.

Dschungel voller abstruser Gefahren

Die 3D-Locations, in denen Keane seine stellenweise ziemlich knackigen Puzzles lösen muss, sind abwechslungsreich und mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Hier macht es Spaß, den Bildschirm nach Klingeln, Holzwürmern oder unscheinbaren Bonusgegenständen abzusuchen und sich im knallbunten Comic-Dschungel den abstrusesten Gefahren zu stellen. Zumal die Maussteuerung dabei nicht komfortabler von der Hand gehen könnte. Gefundene Items listet das Programm jederzeit greifbar am oberen Bildschirmrand auf - auch das Kombinieren von Einzelteilen zu neuen Werkzeugen ist möglich. Zuweilen darf der Spieler sogar in die Rolle der kurvigen Amanda schlüpfen, die vom fiesen Dr. T eigentlich als Handlangerin angestellt wurde, um das Geschehen mal aus weiblicher Perspektive in Augenschein zu nehmen.

Auch bei der Sprachausgabe hat Deck13 richtig geklotzt und mit den deutschen Synchronstimmen von Johnny Depp, John Cleese, Charlize Theron, George Clooney und Gary Oldman echte Profis ins Studio geholt. Das Ergebnis kann sich hören lassen: lebendig, witzig, aber nie zu dick aufgetragen.

Jack Keane

Hersteller/Vertrieb

Deck13/ 10Tacle Studios

Genre

Adventure

Plattform

PC

Preis

ca. 40 Euro

Altersfreigabe

ab 6 Jahren

Jack Keane nimmt wie gesagt den Mund gern etwas voll - aber wenn es um "sein" Adventure geht, darf Entwickler Deck13 gerne große Töne spucken. Das Programm gehört zum Besten, was ein deutsches Studio im Adventure-Bereich bislang hervorgebracht hat. "Jack Keane" trifft immer den richtigen Ton, fordert den Grips mit fairen Rätselnüssen und strapaziert die Lachmuskeln mit einem Feuerwerk an verrückten Einfällen. Diesen Spaß sollte sich kein PC-Zocker entgehen lassen!

Herbert Aichinger/Teleschau TELESCHAU

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