"Tortuga - Two Treasures" Lockeres Piratenleben


Ein Abstecher in die Südsee könnte derzeit nicht schaden. Doch trotz Sonne satt und traumhafter Palmenstrände trügt auch dort manchmal die Idylle: In Nullkommanichts ist man in hitzige Säbelduelle mit wilden Piraten verwickelt.

Ein bisschen naiv ist er ja schon, der Bilderbuch-Pirat Thomas "Hawk" Blythe. Dachte er doch tatsächlich, sein Kapitän, der Oberseeräuber Blackbeard, würde ihn aus dem Gefängnis in Kingston befreien, um gemeinsam mit ihm und der rassigen Sangua den geheimnisumwitterten Schatz des Henry Morgan zu heben. Natürlich lässt Blackbeard Blythe weiter auf Jamaica hinter Gittern schmoren, stellt Sangua mit einem Fluch kalt und segelt allein dem Traum von Macht und unermesslichem Reichtum entgegen.

Wer beim Namen Ascaron zuerst an Titel wie "Patrizier II" oder "Port Royale" denkt, wird mit "Tortuga - Two Treasures" an der Gütersloher Spieleschmiede gänzlich neue Facetten entdecken: Handel und Wirtschaft spielen im Piratenmilieu nur eine untergeordnete Rolle. Stattdessen geht es sowohl an Land als auch auf See sehr actionlastig zur Sache. Garniert wird das Ganze mit einer temporeichen Hintergrundgeschichte voller Dramatik, Romantik und Witz.

Benutzerfreundlichkeit hatte für die Entwickler von "Tortuga" offensichtlich oberste Priorität. Selten gelingt der Einstieg in ein Spiel auch für Nachwuchs- und Gelegenheitszocker derart leicht und unproblematisch - damit wird Ascarons Piratenmär zum idealen Feierabendspaß nach einem anstrengenden Tag: Ohne große Mühe kämpft man sich zu Lande und zu Wasser komfortabel per "WASD" und Maus oder mit dem Gamepad durchs Leben.

In den Seeschlachten bringt man sein Schiff im Nu in die beste Position, um dem Gegner mit vollen Breitseiten die Planken um die Ohren fliegen zu lassen, oder hängt Verfolger mit geschickt verteilten Sprengfässern ab. Immer wieder trifft man unterwegs auf herumschwimmende Schatztruhen, die neben Reparatur-Kits für Segel, Schiffsrumpf und Kanonen ab und zu auch ein paar Gold-Dublonen in die Kasse spülen. Auch bei den Landausflügen hat Blythe wenig Zeit, die schöne Landschaft zu genießen - andauernd will ihm irgendwer ans Leder, und er wehrt sich mit Händen, Füßen, Säbel und Pistolen. Im Lauf der Zeit lernt der Pirat eine ganze Reihe neuer Spezialattacken hinzu, die ein wenig Abwechslung in die Hack&Slay-Action bringen.

In allen Situationen reagiert die Steuerung schnell und flüssig auf Benutzereingaben. Durch die beliebig einstellbare Kamera hat man in jedem Kampf die beste Sicht aufs Spielgeschehen. Der Action-Aspekt steht dabei immer im Vordergrund - zugunsten des Tempos wird dafür beim Verhalten der Segelschiffe nicht so viel Wert auf Realismus gelegt.

Grafisch ansprechend, aber nicht spektakulär, sorgt "Tortuga" mit knalligen Soundeffekten und Bombast-Soundtrack für volles Seeräuber-Feeling. Das einzige Manko: "Tortuga" ist ziemlich linear angelegt, und die Story gibt ganz straff die Richtung vor. Die rund 60 Missionen sind teilweise nur wenige Minuten lang und werden von atmosphärisch dichten Zwischensequenzen mit professionell agierenden Sprechern zusammengehalten.

Tortuga - Two Treasures

Hersteller/Vertrieb

Ascaron/Ascaron

Genre

Action-Adventure

Plattform

PC

Preis

ca. 40 Euro

Altersfreigabe

ab 16 Jahren

"Tortuga - Two Treasures" bietet gute, spannende, leicht verdauliche Unterhaltung - nicht mehr, aber auch nicht weniger. Ideal, um vor dem Monitor für ein paar Stunden aus dem Alltag in die Südsee abzutauchen. Für gehörige Langzeitmotivation sorgt die Jubiläumsedition zum 15-jährigen Bestehen von Ascaron: Neben "Tortuga" enthält die DVD noch die Klassiker "Patrizier II", "Port Royale" und "Piraten - Herrscher der Karibik".

Herbert Aichinger/Teleschau TELESCHAU

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