"World of WarCraft: The Burning Crusade" Die Geißel schlägt zurück


Ausnahmezustand in Azeroth: "The Burning Crusade" ist da - und endlich das Leben in "WoW" wieder einen Sinn.

Nachdem die Erweiterung bereits Mitte Dezember in den Regalen stehen sollte, verschob Blizzard die Veröffentlichung des Titels um knapp einen Monat ins neue Jahr. Der Begeisterung hat dies jedoch keinen Abbruch getan: Bereits am ersten Tag wanderte "The Burning Crusade" weltweit rund 2,4 Millionen mal über die Ladentische und avancierte somit zum bestverkauften Spiel aller Zeiten in Nordamerika und Europa.

Dass der Großteil der restlichen 5,6 Millionen aktiven Abonnenten das Addon mittlerweile ebenfalls in den Händen halten dürfte oder demnächst erstehen wird, ist ziemlich wahrscheinlich. Denn obwohl das Hauptprogramm im Laufe der Zeit stetig durch neue Inhalte wie Player-versus-Player-Modi, Gebiete und Instanzen versorgt wurden, machte sich für viele High-Level-Spieler nach bestimmter Zeit so etwas wie Langeweile breit: Sie hatten alles erreicht und gesehen, jegliche Boss-Gegner in den Instanzen erlegt und die mächtigsten Ausrüstungsgegenstände in Form von Sets erbeutet.

Gelegenheitszocker, denen stundenlanges taktisches Vorgehen in Instanzen wie Ahn'Quiraj oder Naxxramas zu langwierig oder schlichtweg zu zeitraubend war, schauten hingegen neidisch auf die strahlenden Helden, die mit blitzenden, mystisch leuchtenden sowie epischen Waffen und Rüstungssets eine imposante Figur abgaben. Die Wahrscheinlichkeit, eines Tages selbst vergleichbare Schwerter oder Kettenpanzer zu ergattern, war für sie äußerst gering.

Mit dem Addon will Blizzard beiden Spielertypen neues Futter servieren und frische Motivation schaffen. So hoben die Designer die Höchststufe der Charaktere von Stufe 60 auf 70 an und führten pro Fraktion jeweils eine neue Rasse ein.

Galt die Horde bislang als hässlich, dürften vor allem weibliche Spieler aufgrund der graziösen Blutelfen auf Seiten der Orcs, Untoten, Trollen und Tauren ins Kriegsgeschehen eingreifen. Die Allianz hat hingegen von den Draenei Verstärkung bekommen, die einen angenehmen Kontrast zu den schnörkellosen Menschen, Nachtelfen, Gnomen und Zwergen darstellen.

Eine weitere Neuerung ist, dass die vormals Horden-exklusive Klasse der Schamanen nun für die Draenei zur Verfügung steht. Die Blutelfen dürfen sich dafür als Paladine verdingen, was zuvor nur der anderen Fraktion gewährt war. Unter Fans ist dieses Prozedere nach wie vor umstritten, den PvP-Gefechten dürfte es jedoch aufgrund der Ausgeglichenheit zugute kommen.

Außerdem gibt es den Beruf des Diamantschleifers und Reittiere in Form von Flugdrachen für Level-70-Charaktere, mit denen ein neuer Kontinent namens Scherbenwelt bereist werden darf. Neue Klassen sucht man leider vergeblich, ebenfalls eine Abkehr der lästigen "Sammelt 20 Gegenstände von x, tötet 15 Gegner der Sorte y"-Missionen.

Nichtsdestotrotz kann man den Designern in puncto Questdesign keinen Vorwurf machen: Die Aufgaben im brennenden Kreuzzug setzen sich positiv von den Zielen des Hauptprogramms ab. Denn oft erzählen sie kleine Minigeschichten, die die Hintergrundstory der "Warcraft"-Welt dem Spieler näher bringen. Höhepunkt dürften aber die Bomberquests sein, in der Ziele aus der Luft aus von einem automatisch gesteuerten Flugtier beschossen werden müssen.

Ebenfalls gelobt werden müssen die Quest-Belohnungen, die vor allem Gelegenheitsspieler jauchzen lassen dürften: Die Attribute der Waffen und Gegenstände sind oftmals in der Liga von epischen Gegenständen angesiedelt. Die Kehrseite der Medaille: High-Level-Charaktere dürften sich um die Mühen der teilweise strapaziösen Set-Beschaffung betrogen fühlen. Ein kleiner Trost dürfte immerhin sein, dass die Sets nach wie vor besser aussehen.

Die Scherbenwelt ist alles andere als klein geraten. Wie schon im Hauptprogramm unterscheiden sich die Areale deutlich in Sachen Aussehen und Atmosphäre voneinander. Dennoch kann die recht betagte "World of Warcraft"-Engine nach wie vor nicht mit hochdetaillierten Texturen aufwarten, was aber aufgrund der liebevollen Gestaltung der Welten nicht negativ auffällt. Außerdem ist so gewährleistet, dass auch kleinere System in den Genuss einer ruckelfreien Performance kommen.

Drei Kritikpunkte sind trotzdem anzubringen. Punkt eins: Das Addon ist viel zu teuer. Selbst für eine Erweiterung dieses Umfangs sind 35 Euro angesichts der monatlichen Abogebühren und dem Zwang, das Hauptprogramm zu besitzen, viel zu hoch. Punkt zwei: Seit Erscheinen des Addons sind die Gebiete des Hauptprogramms quasi verwaist. Sogar die Hauptstädte bevölkern derzeit nur noch wenige User, was die Suche nach Partymitgliedern äußerst schwierig werden lässt, da das Gros der Spieler in der Scherbenwelt zu finden ist. In manch abgelegene Gebiete verirrt sich teilweise keine Seele mehr. Punkt drei: Nach erfolgreichem Abschluss der Startgebietsaufgaben stellt sich bei den neuen Rassen möglicherweise Ernüchterung ein, da sie auf ihrem Weg in die Scherbenwelt die bereits bekannten Quests der "alten Welt" erneut lösen müssen. Dies kann vor allem für Hardcore-Zocker ziemlich öde werden, die die alten Gebiete quasi im Schlaf kennen.

World of WarCraft: The Burning Crusade

Hersteller/Vertrieb

Blizzard/Vivendi Games

Genre

Online

Plattform

PC

Preis

ca. 35 Euro

Altersfreigabe

ab 12 Jahren

Nichtsdestotrotz bietet "Burning Crusade" viele Stunden Spielspaß, in denen es viel zu sehen, entdecken und erobern gibt - außer der Held von morgen möchte dem Spieler "Gullerbone" nacheifern, der binnen 28 Stunden nach Verkaufsstart seinen Level-60-Magier auf Stufe 70 gebracht hat. Er stand wohl ganz vorne in der Reihe der Wartenden, die um Mitternacht ihr "Burning Crusade"-Exemplar ergatterten.

Jens-Ekkehard Bernerth/Teleschau TELESCHAU

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