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Apple: Ohne Steve nix los

Eine Frage stand bei der Eröffnungsveranstaltung zur Apple-Entwicklerkonferenz im Vordergrund: Kommt Steve Jobs? Er kam nicht, und statt Innovationen gab es lediglich Updates bekannter Produkte. Es wurde deutlich, wie sehr Apple von seinem Chef abhängig ist.

Von Gerd Blank

Ungeduldig warteten die Besucher der Apple-Entwicklerkonferenz (WWDC) im Moscone Center am frühen Morgen auf den Einlass, die Warteschlange zog sich durch die gesamte Halle. Traditionell eröffnet Apple die Veranstaltung mit einer Keynote, auf der in den vergangenen Jahren unzählige Produkt-Highlights erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurden. Auch in diesem Jahr wurden spektakuläre Neuerungen erwartet. Da lohnte es sich, ein paar Stunden vor der Tür zu verbringen. Was würde Apple aus dem Hut zaubern? Ein Mini-iPhone? Ein iTablet, also einen Kleinstcomputer ohne Tastatur? Doch mehr als von neuer Hardware träumten die Besucher auf ein ganz spezielles "one more thing": die Rückkehr von Steve Jobs. Hatte nicht sogar das renommierte "Wall Street Journal" geschrieben, dass der Apple-Chef die Veranstaltung nutzen werde, um sich eindrucksvoll zurück zu melden? Per Twitter, dem beliebten Microblogging-Dienst, kursierten sogar Gerüchte, man habe Steve Jobs bereits gesichtet.

Braucht Apple Steve Jobs?

Pünktlich um 10 Uhr Ortszeit begann die Veranstaltung, im Publikum hielten Pressevertreter und Entwickler den Atem an. Doch es war nicht Steve Jobs, der die Keynote eröffnete, sondern sein Vize Phil Schiller. Und er hielt sich nicht lange damit auf, die großen Erfolge von Apple zu nennen, sondern präsentierte in einem wahren Stakkato neue Versionen bekannter Produkte. So gab es aktualisierte Macbooks, die eine längerer Akku-Laufzeit bieten und weniger kosten, als deren Vorgänger. Auch das Betriebssystem OSX wurde in einer neuen Version vorgestellt. Wie sehr der Saal von Apple-Fans gefüllt war, zeigte sich auch durch den Jubel, den noch so simple Funktionen von Snow Leopard hervorriefen. Textauswahl in PDF-Dokumenten? Applaus! Schnellere Installation? Jubel! Auch die Scherze über Windows Vista sorgten für eine gute Stimmung - und täuschten darüber weg, dass fast alles, was auf der Veranstaltung präsentiert wurde, alles andere als innovativ und neu war. Es sei denn, ein niedriger Verkaufspreis ist innovativ. Die 29 Dollar für das Update auf die Version 10.6 sind eine deutliche Kampfansage an Windows 7, den Vista-Nachfolger von Microsoft. Archibald Horlitz kennt das Geschäft mit Macs und Co. Als Gravis-Chef ist er in Deutschland wichtigster Handelspartner von Apple. Den Erfolg von Snow Leopard sieht Horlitz kritisch. "Windows Vista war ein Flop, daher hatte Apple zwei gute Jahre." Nun müsse sich Apple anstrengen, um den Vorsprung zu halten. Kein Wunder also, dass während rund eines Vierteles der Veranstaltung von den Vorzügen des neuen Betriebssystems gesprochen wurde.

Nach den großen Systemen, folgten die kleinen; nach dem Computer das Telefon. Auch hier gab es zunächst wenig Überraschendes. Stolz wurde berichtet, dass mehr als 40 Millionen iPhones und iPod Touch verkauft wurden. Doch damit nicht genug: mehr als eine Milliarde Programme wurden bereits aus dem App Store heruntergeladen. Ein echtes Erfolgsmodell. So wurde das Update des Handy-Betriebssystems in allen Einzelheiten aufgeführt. Mit Version 3.0 kann das iPhone endlich das, was in vielen Telefonen anderer Hersteller selbstverständlich ist: MMS verschicken und Copy & Paste, also Texte kopieren, um diese an anderer Stelle wieder einzufügen. Apple zeigte sich großzügig und überließ anderen Entwicklern die Bühne - und die zeigten teilweise eindrucksvolle Anwendungen. Programme, mit denen Ärzte die Vitalwerte von Patienten überwachen oder Autoverleiher ihre Wagenflotte besser an den Mann bringen können. Ein besonderes Augenmerk wurde auf die Spiele gelegt, gleich zwei Entwickler durften ihre neuesten Games präsentieren. Ein klarer Hinweis darauf, dass Apple nicht nur den Mobilfunkmarkt aufmischen möchte, sondern auch bei mobilen Spielkonsolen mitreden will.

Es fehlt der Glanz

Mehr als 90 Minuten sind vergangen, ohne dass wirkliche Neuheiten gezeigt wurden. 90 Minuten, in denen Apple sich nicht als Innovator präsentierte, sondern auf Evolution setzte. 90 Minuten, in denen deutlich wurde, wie sehr Steve Jobs fehlt, denn nur er verleiht selbst kleinsten Ankündigungen nach dem Motto "Den iPod gibt es jetzt auch in rot" einen besonderen Glanz. Für diesen Glanz sollte das Finale sorgen, in dem das neue iPhone vorgestellt wurde, das iPhone 3GS. Das "S" steht für Speed, also Geschwindigkeit. Das Telefon hat in vielen Bereichen zugelegt: Mehr Leistung, mehr Ausdauer, mehr Speicher und mehr Kamera - doch äußerlich blieb alles beim Alten. Auch das Highlight-Produkt war lediglich ein Update und keine Neuentwicklung.

Kein Steve Jobs und keine echte Überraschung. Erst Ende Juni wird der Apple-Chef seinen Platz an der Konzernspitze wieder einnehmen. Die Gerüchte über seine Vorzeitige Rückkehr entpuppten sich als Wunschtraum. Vielleicht war es auch Kalkül, den fast hymnisch Verehrten noch nicht auf die Bühne zu schicken. Er hätte alle Aufmerksamkeit auf sich gezogen und von den Produkten abgelenkt. So standen ein paar Updates im Rampenlicht, die größtenteils bereits im Vorfeld erwartet wurden. Statt den Innovationshunger der Fans zu stillen, reagierte Apple auf die Wirtschaftskrise. Sparen ist Trumpf, daher werden die Preise gesenkt. Das iPhone 3G, noch ohne Speed, wird für 99 Dollar quasi verschleudert. So günstig, dass der Aktienmarkt mit Kurverlusten reagierte. Es war eine Veranstaltung der eher leisen Töne, da hat ein Steve Jobs nichts zu suchen. Warum sollte er ein iPhone in die Kamera halten, welches genauso aussieht wie das Vorgängermodell. Das wäre kein "one more thing". Steve Jobs ist kein Mann der leisen Töne, er braucht Produkte, bei denen er seine Lieblingsvokabel "Boom" so oft wie möglich aussprechen kann. So wird seine Rückkehr auf den Apple-Thron vermutlich mit einem völlig neuen Produkt einher gehen. Um zu zeigen, wer der Herr im Hause ist.