Cebit 2004 Die Menschen kommen


Mit deutlich höheren Besucherzahlen als im Vorjahr sind die ersten beiden Messetage der Cebit zu Ende gegangen. Besonders angesagt: Unterhaltungselektronik und Telefonieren übers Internet.

Die weltgrößte Computermesse CeBIT zieht mit zum Teil revolutionären Entwicklungen der IT-Branche wieder die Massen an. Handys im Kugelschreiberformat, Telefonie übers Internet oder Computer, die sich mit den Gedanken steuern lassen haben in den ersten beiden Ausstellungstagen weit mehr als 100.000 Besucher auf das Gelände gelockt. Der Freitag sei ein guter Tag gewesen, sagte ein Messe-Sprecher, ohne aber konkrete Zahlen zu nennen.

An den ersten beiden Tagen liege die Zahl der Besucher aber auf jeden Fall über den Werten des Vorjahres, hieß es. Am Freitag rollten fast 31.000 Autos Richtung Cebit. Zum Publikumsrenner entwickelte sich besonders die Möglichkeit, über das Internet zu telefonieren (Voice over IP). Ebenso von Besuchern dicht umlagert waren Stände der Anbieter von Unterhaltungselektronik.

"Sie werden im Alltag nur noch das Handy brauchen"

Der südkoreanische Konzern Samsung - weltweit mit einem Handy-Marktanteil von 11,2 Prozent auf Platz drei - kündigte an, das Handy in den Mittelpunkt der vernetzten digitalen Elektronik stellen zu wollen. "Ein Mobiltelefon wird das einzige sein, was Sie in Ihrem Alltag brauchen", sagte Bereichschef Ki Tae Lee. Künftig solle es als Plattform für Fotos, Spiele, Navigation, Videos, mobile Commerce, Telekommunikation und Gesundheit dienen können. Damit würden Handys zu «all in one»- Geräten. Erstes Beispiel: Telefone, die über eine 2-Megapixel-Blitzkamera mit einer Videoaufnahmekapazität von bis zu zwei Stunden und einem MP3-Player verfügen. Bis Juni will Samsung in Deutschland auch UMTS-Handys auf den Markt bringen.

Reisepässe und Gesundheitskarten - alles kann digital werden

Auch in einem anderen Feld ist die IT-Branche startklar: Digitale Reisepässe und elektronische Gesundheitskarten können in Deutschland nach Ansicht der Industrie in den kommenden beiden Jahren eingeführt werden. So rechnet die Bundesdruckerei bereits von 2005 an mit der schrittweisen Ausstellung digitaler Reisepässe. Auf einem Chip werden das Gesicht und zwei Fingerabdrücke als biometrische Merkmale abgespeichert sein, berichtete das Unternehmen.

Der Münchner Chipkartenkonzern Giesecke & Devrient hält die Ausgabe der geplanten Krankenkassen-Chipkarte im Jahr 2006 für möglich. Rund 70 Millionen Versicherte müssen mit einer solchen Karte ausgestattet werden. Die Kosten wurden auf 1 bis 1,7 Milliarden Euro geschätzt. Konzernchef Willi Berchtold sagte, das Projekt habe eine größere Dimension als die Lkw-Maut. Der Computerkonzern IBM kann sich vorstellen, dass Unternehmen der Technologiebranche die elektronische Gesundheitskarte vorfinanzieren. "Unser Entwurf sieht vor, dass die Industrie die Infrastruktur finanziert und betreibt. Bezahlt wird dann zum Beispiel pro Transaktion", sagte Walter Raizner, Chef von IBM Deutschland, der "Financial Times Deutschland". Bislang ist die Finanzierung ungeklärt.

Kaspersky Labs fordern Internet-Polizei

Angesichts der weltweit fortschreitenden Vernetzung wird eine kriminelle Internet-"Mafia" nach Auffassung der russischen Computer- Sicherheitsfirma Kaspersky Labs zunehmend zu einer Bedrohung. Mit Hilfe von Viren und Würmern versuche diese "Mafia" etwa, Zugangscodes für Online-Banking zu knacken und Geld aus dem Internet abzuräumen, sagte der Leiter der Antiviren-Forschung in der Software-Firma, Eugene Kaspersky. "Je mehr Geld im Internet ist, desto mehr Kriminelle gibt es im Netz." Notwendig sei eine "Internet-Polizei".

Microsoft wendet sich an den Mittelstand

Software-Gigant Microsoft will noch mehr den Mittelstand ansprechen. Ein Software-Startpaket soll vor allem Unternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten die Verwaltung von Kundenkontakten (CRM, Customer Relationship Management) erleichtern, sagte Microsoft- Manager Wolfgang Ebermann. Software-Lösungen für diese Zielgruppe seien bislang häufig viel zu kostenintensiv.

Der Aufschwung der IT-Branche geht aber nach Einschätzung der Gewerkschaft IG Metall noch am Arbeitsmarkt vorbei. Trotz der Erholung sei in diesem Jahr mit weiteren Beschäftigungsabbau zu rechnen. Vize-Chef Berthold Huber kritisierte in Hannover vor allem die zunehmende Verlagerung von Arbeitsplätzen in Billiglohn-Länder.


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