HOME

Consumer Electronics Show: Bill auf jedem Sofa

Die High-tech-Messe Consumer Electronics Show in Las Vegas zeigte, wie der PC das Wohnzimmer erobern soll. "In den neunziger Jahren hat die Industrie viel versprochen - jetzt gibt's die Sachen wirklich", so Bill Gates.

Wenn ein Mann wie Bill Gates einen Fehler zugibt, dann nur kombiniert mit etwas Positivem: "In den neunziger Jahren hat die Industrie viel versprochen - aber jetzt gibt's die Sachen wirklich", erklärte der Microsoft-Gründer auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas in der vergangenen Woche. Und Carly Fiorina, Chefin von Hewlett-Packard, stimmte zu: "Jahrelang wurde von der 'Digitalen Revolution' nur geredet, aber dieses Jahr findet sie statt."

Einer für alles

Tatsächlich gab es noch nie so viele Produkte zu sehen, die den PC in jeden Winkel des Alltags bringen sollen. Vor allem ins Wohnzimmer: Fotos, Musik, Fernsehmitschnitte und Filme werden digital - und kommen deshalb vom Computer. Die Stereoanlage mit Receiver, CD-Player und Tapedeck, der Videorecorder und die Stapel von Videocassetten: All das kann zum Recyclinghof.

Gefälliges Design

Wenn es der PC ins Wohnzimmer schaffen soll, darf er allerdings nicht nach Computer aussehen, keine nervigen Lüftergeräusche von sich geben und schon gar keine Tastatur haben. Das haben die Hersteller begriffen: Die künftige digitale Unterhaltungsmaschine verbirgt ihre Herkunft in gefälligem Design; mit einer normalen Fernbedienung werden vom Sofa aus großbuchstabige Menüs angeklickt. Alternativ steht der PC irgendwo im Haus - und liefert per Kabel- oder Funknetz Musik zu Lautsprecheranlagen und Filme an Bildschirme im ganzen Haus. Die dafür erforderlichen Vermittlungsstellen, die digitale Daten empfangen und auf herkömmlicher Elektronik ausgeben, unterstützt Microsoft zum Beispiel mit seiner neuen Version der Windows XP Media Center Edition.

Nahtlose Nutzung zuhause und unterwegs

Alle Firmen wollen ihren Platz im Heim finden: Der PC-Hersteller Dell bietet neuerdings Flachbildfernseher an, Chipfabrikant Intel fördert das "Digital Home" mit 200 Millionen Dollar Startkapital für junge Unternehmen. Beide setzen darauf, dass sich die Preiskampfmechanismen der PC-Welt auf die Unterhaltungselektronik übertragen lassen. Nahtlos soll die Nutzung von Computern zu Hause und unterwegs werden - mit digitalen Inhalten, die sich zwischen PC, Handy, Auto und tragbarem Multimedia-Player mühelos hin und her schieben lassen.

Ganz so einfach geht's zwar noch nicht, aber die nächste Generation portabler Player kann immerhin nicht nur Musik abspielen, sondern auf einem kleinen Display obendrein Filme zeigen. Auch die Handys lernen, mit Videos umzugehen. Hewlett-Packard-Chefin Carly Fiorina landete zwar einen Überraschungscoup mit der Vorstellung einer eigenen Version des erfolgreichen MP3-Players iPod von Apple (Preis und Verkaufsstart sind noch offen). Aber sie erkannte auch das größte Problem für die schöne neue Technikwelt, die die Firmen in Las Vegas so begeistert vorzeigten: "Wir müssen es schaffen, dass das alles problemlos und einfach zusammenarbeitet." Denn das ist beim PC bislang eher ungewöhnlich - aber bei Wohnzimmerelektronik selbstverständlich.

Karsten Lemm/Dirk Liedtke / print