Flash-Hersteller Adobe unter Druck Acrobat Leader


Es ist noch nicht lange her, da war Shantanu Narayen nur Softwareexperten bekannt. Bis Apple-Gründer Steve Jobs den Chef von Adobe zum Duell herausfordert - seither ist der Inder im Verteidigungskampf.
Von Andrea Rungg

Als es zur Trennung zwischen Apple und Adobe kommt, ist Shantanu Narayen ein Apple-Mitarbeiter. 1989 arbeitet er noch keine zwei Jahre bei dem Computerhersteller aus Cupertino, da kappt der damalige Apple-Chef John Sculley die Bande zwischen Apple und Adobe. Die Stimmung zwischen Sculley und Adobe-Gründer John Warnock ist gereizt. Apple ist damals bereits ein Milliardenkonzern. Adobe, den meisten Anwendern durch das Dateiprogramm Acrobat Reader bekannt, erlöst 1989 gerade mal 53,6 Millionen US-Dollar. Die beiden Manager streiten sich lautstark und teilweise öffentlich über Adobes Software Postscript. Für die soll Apple plötzlich Lizenzgebühren zahlen. Apple will daraufhin ein eigenes Programm entwickeln und verkauft seinen 16,4-Prozent-Anteil. Die Adobe-Aktie bricht um acht Prozent ein, auf 1,55 US-Dollar. Apple steuerte damals 29 Prozent zu den noch kargen Erlösen von Adobe bei.

Mehr als 20 Jahre später wiederholt sich die Geschichte. Wieder streitet sich der Chef von Apple mit dem von Adobe. Wieder ist es ein ungleiches Paar. Hier der charismatische Steve Jobs, dort sein zurückhaltenderes Adobe-Pendant Shantanu Narayen - der ehemalige Apple-Angestellte. Und wieder geht es um eine Software: Adobes Flash.

Flash ist jene Software, über die im Internet die meisten Multimediainhalte abgespielt werden. Nur die Nutzer der mobilen Apple-Geräte iPhone, iPod Touch und des iPads, die können keine Videos oder Bilder anschauen, die mit Flash programmiert wurden. Ein Manko, das immerhin 86 Millionen Nutzer betrifft.

Für Jobs ist Adobes Flash die Vergangenheit. In einem offenen Brief hatte Jobs Adobes Software vergangene Woche wortgewaltig beschimpft und sich zugleich für die Kritik von Adobe-Managern wie Narayen gerächt. Adobe entwickele sich zu langsam, Flash fresse Akkuleistung, sei zu unsicher, und für berührungsempfindliche Geräte sei die Software gleich komplett ungeeignet. "Vielleicht sollte sich Adobe künftig mehr darauf konzentrieren, HTML5-Anwendungen zu programmieren, anstatt Apple dafür zu kritisieren, dass es die Vergangenheit hinter sich lässt", polterte Jobs.

Noch am selben Tag antwortete Narayen über ein Videointerview mit dem "Wall Street Journal". Freundlich schaute er in die Kamera und verteidigte Adobe mit ruhiger Stimme gegen den Angriff. "Es ist eine außerordentliche Attacke", bemerkte er. "Wir haben einfach eine unterschiedliche Weltanschauung", sagte er. Alle Vorwürfe von Jobs seien falsch. Der Apple-Chef werfe mit Rauchbomben um sich.

Immerhin sind die Rauchbomben so effektiv, dass Narayen gegen seinen ersten US-Arbeitgeber ankämpfen muss. In einem Bericht an die US-Börsenaufsicht SEC offenbarte der Adobe-Chef, dass der Ausschluss von allen mobilen Apple-Produkten dem Unternehmen langfristig schaden könnte. Zahlen nannte er allerdings nicht. Analysten schätzen den Umsatzanteil von Flash auch nur auf unter fünf Prozent, bei einem Gesamtumsatz von 2,9 Milliarden US-Dollar.

FTD

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker