Green IT Kosten senken, Umwelt schützen


Computerhersteller werben zwar mit umweltfreundlichen Produkten. Aber eigentlich geht es ihnen nicht um den Klimaschutz, sondern um Geräte die weniger Strom verbrauchen. In Zeiten steigender Energiepreise steht Kosteneffizienz weit über dem Umweltschutz.
Von Peter Ilg

"Wissen Sie, was sich hinter dem Schlagwort ‚Green IT' verbirgt?" Diese Frage stellte das Marktforschungsunternehmen TNS Emnid im Februar 1001 Bundesbürgern im Alter ab 14 Jahren. Und nur 56 meinten, mit dem von der Computerindustrie geprägten Begriff etwas anfangen zu können. Als die Markt- und Meinungsforscher bei diesen bescheidenen sechs Prozent weiter nachbohrten, konnten ihn nur zehn richtig erklären. Die übrigen Befragten verwechselten die Bezeichnung häufig mit der Green Card.

Allerdings hat die Arbeitserlaubnis für ausländische Computerspezialisten nichts mit umweltfreundlicher Informationstechnologie zu tun. Dafür wären nach Erkenntnissen derselben Befragung drei von vier Käufern bereit, tiefer in die Tasche zu greifen. Aber nicht sehr tief: ein Aufpreis von fünf Prozent ist für 28 Prozent der Konsumenten die Obergrenze. Unternehmen entscheiden sich für umweltfreundliche Produkte, weil sie damit Stromkosten sparen können. Gewinnmaximierung kommt vor dem Umweltschutz.

Nach Angaben des amerikanischen Beratungsunternehmens IDC kommen auf jeden Dollar, den ein neuer Server kostet, 50 Cent für Stromversorgung und Kühlung dazu. Sollte sich nichts grundlegendes bei der Rechnertechnologie und den Strompreisen ändern, wären es in zwei Jahren bereits 70 Cent. Deshalb haben vor allem Betreiber von Rechenzentren ein finanzielles Interesse daran, ihre Stromkosten für den Betrieb der Rechner zu senken.

"Green IT wird derzeit hauptsächlich mit Energieeinsparungen innerhalb der IT assoziiert. Entscheidend ist jedoch der ganzheitliche Blick" mahnt Simon Mingay von Gartner, ebenfalls ein amerikanisches Beratungshaus. Nach Berechnungen von Gartner entstehen etwa zwei Drittel des CO2-Aussoßes beim Betrieb von IT-Systemen einschließlich Stromversorgung und Kühlung. Ein Drittel entfallen auf Herstellung und Entsorgung, wobei vor allem ausgediente Rechner die Umwelt belasten. Nach Garnter-Prognosen werden in den nächsten Jahren schätzungsweise 800 Millionen PCs und jährlich 500 Millionen Mobiltelefone ersetzt. Davon wird etwa ein Viertel recycelt, der große Rest meist in Billiglohnländern weder fachgerecht gelagert noch entsorgt.

Deprimierendes Ergebnis

Gartner hat bei IT-Verantwortlichen in Unternehmen nachgefragt, welche umweltschonenden Maßnahmen geplant sind. Das Ergebnis ist aus Sicht der Umwelt deprimierend: 21 Prozent der Befragten gaben an, dass Green IT derzeit der stärkste Treiber für Veränderungen in der Technologie ist. Aber nur zwei Prozent sahen für sich einen konkreten Mehrwert durch IT. Damit besteht für umweltfreundliche Informationstechnologie unter den weltweit Top-Ten-Technologiethemen die größte Lücke zwischen aktueller Relevanz und erreichbarem Mehrwert. Das bestätigt die Regel: Investiert wird nur, wenn sich die Ausgaben amortisieren. Und das am besten möglichst rasch.

Hilfe für die geplagte Umwelt scheint aber von der Regierung zu kommen. Gartner prognostiziert, dass die Europäische Union Ziele und Maßnahmen definiert, wie der CO2-Ausstoß, verursacht durch IT-Systeme, verringert werden kann. Das Beratungsunternehmen geht von Reduktionszielen in der Größenordnung von 25 Prozent bis zum Jahr 2020 und 60 bis 80 Prozent im Jahr 2050 aus.

Die Computerbranche gibt sich, nicht zuletzt wegen der massiv gestiegenen Energiepreise, derzeit umweltbewusst und stellt vieles unter das Motto Green IT, schimpft der Bundesverband Verbraucherzentrale. "Ein paar energieeffizientere Geräte machen noch keinen Sommer", so Cornelia Tausch, Leiterin des Fachbereichs Wirtschaft. Mit einem dringenden Appell wendet sich das Freiburger Öko-Institut an die Computerbranche: "Wir rufen alle IT-Unternehmen dazu auf, verstärkt energieeffiziente Computer, Monitor und Drucker zu entwickeln und zu verkaufen. Zudem wünschen wir uns, dass die IT-Industrie ihre Kunden sehr viel besser über die Möglichkeiten des Energiesparens informiert", so Dr. Dietlinde Quack, vom Freiburger Öko-Institut.

Wie energieintensiv unsere digitale Welt ist, hat das Institut erforscht. Allein für den Betrieb des Internet werden rein rechnerisch weltweit 20 Eintausend-Megawatt-Großkraftwerke benötigt. Computer, Drucker, Monitore, Internet und E-Mail-Nutzung tragen mit etwa sechs Prozent zu den gesamten Umweltauswirkungen privater Haushalte bei. Dagegen wollen nun Yello Strom und Microsoft gemeinsam vorgehen. Mit dem Yello-Sparzähler-Online können bis zu zehn Prozent Stromverbrauch und damit -kosten gespart werden, versprechen die Unternehmen. Dazu überträgt der Sparzähler die Stromverbrauchsdaten an den Computer des Kunden. Er kann dort mit entsprechender Software sehen, wie viel Strom Kühlschrank, Waschmaschine oder Herd verbrauchen und Stromfresser entweder herunterfahren oder austauschen. Auch in dem Fall geht es ausschließlich um die Energieeffizienz - wie bei fast allen Projekten. Green IT ist wohl eher ein Synonym für Strom sparen. Vielleicht wissen deshalb so wenige mit dem Begriff etwas Konkretes anzufangen.


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