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Ökostrom: Grünes Sparschwein

Ökostrom muss gar nicht teuer sein. Ein Anbieterwechsel kann sogar die Haushaltskasse schonen: Ein Preisvergleich für 100 deutsche Städte.

Von Tanja Vedder

Fukushima hat in den Köpfen der Bundesbürger eine Weiche gestellt: Immer mehr Deutsche würden für grünen Strom auch eine höhere Rechnung in Kauf nehmen. Dabei muss Ökostrom gar nicht unbedingt mehr kosten. "Öko gleich teuer" sei ein gängiges Klischee – das aber vielerorts an der Wirklichkeit vorbeigeht, sagt Daniel Dodt vom unabhängigen Vergleichsportal Toptarif.de in Berlin. Denn: Alle, die noch ihren Strom über einen relativ teuren Grundversorgungstarif beziehen, können durch einen Wechsel zu Ökostrom sogar sparen. Und das sind in Deutschland laut der Bundesnetzagentur immerhin noch 45 Prozent aller Haushalte.

Energie-Experte Dodt hat gerechnet: In den 100 größten deutschen Städten zahlt ein vierköpfiger Haushalt mit einem Verbrauch von 4000 Kilowattstunden im gesetzlichen Basistarif im Schnitt 1023 Euro im Jahr für die Energie aus der Steckdose. Wer von dort in einen Ökostrom-Tarif mit TÜV-Siegel wechselt, zahlt weniger. Die drei günstigsten Anbieter mit diesem Siegel verlangen im Schnitt jährlich 835 Euro – also rund 188 Euro gespart.

Selbst wer bei seinem Grundversorger einen etwas günstigeren Wahltarif bezieht, kann durch den Wechsel zu Ökostrom noch seine Haushaltskasse schonen. Denn die Kosten für die Wahltarife der gesetzlichen Versorger liegen in den untersuchten Städten immerhin bei durchschnittlich 946 Euro. Allerdings sollten Kunden wissen: Nicht alle Anbieter mit TÜV-Siegel erfüllen höchste ökologische Standards. Denn die TÜV-Gesellschaften vergeben ihr Siegel nicht nach einem einheitlichen Kriterienkatalog. So mag mancher Wechsel zum TÜV-geprüften Anbieter zwar eine Ersparnis bringen - sorgt aber nicht immer auch für ein ökologisch reines Gewissen.

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Verbraucher sollten Qualitätssiegel wählen

Von den Verbraucherschützern empfohlen werden vor allem die etwas teureren Qualitätssiegel "Grüner Strom Label" und "ok-power". Rein rechnerisch kann sich auch ein Wechsel zu diesen noch lohnen. Der Toptarif-Vergleich ergab: Bei den drei günstigsten Ökostromanbietern mit "ok-power"-Label kostet der Bezug im Jahr im Schnitt 911 Euro, die drei günstigsten Anbieter mit dem "Grüner Strom"-Label verlangen von ihren Kunden 987 Euro – macht 112 Euro beziehungsweise 36 Euro weniger als der örtliche Tarif des Grundversorgers. Rein finanziell gesehen ist ein Wechsel auch vom Wahltarif des Grundversorgers zu Ökostrom mit ok-power-Label noch in 79 getesteten Städten sinnvoll, beim "Grüner Strom Label" sind es 26 Städte.

Aber aufgepasst: Auch einige Ökostromanbieter stehen nach Einschätzung von Marktkennern in den Startlöchern für eine nächste Preisrunde. Erst in der vergangenen Woche hatte Naturstrom, eines der großen Zugpferde der Branche, die vormals sehr günstigen Tarife angehoben. "Viele Unternehmen bieten noch Preisgarantien. Wer sich für Ökostrom interessiert, sollte deshalb nicht mit dem Wechsel warten", sagt Dietlinde Quack vom Öko-Institut in Freiburg.

Daniel Dodt von Toptarif dagegen rechnet damit, dass durch die stark gestiegene Nachfrage der Verbraucher noch mehr Ökostrom-Anbieter auf den Markt drängen werden. "Diese Unternehmen werden mit attraktiven Preisen auf Kundenfang gehen", ist sich der Experte sicher.

Das Öko-Institut hat jüngst seine neue EcoTopTen-Liste veröffentlicht. Darin finden Verbraucher 17 bundesweit verfügbare sowie 145 regionale sowie lokale Ökostrom-Anbieter, die unter strengen Kriterien ausgewählt wurden. Sie müssen einen ökologischen Zusatznutzen bieten – der angebotene Ökostrom muss beispielsweise aus neuen Kraftwerken stammen oder ein bestimmter Betrag in den Bau neuer Öko-Anlagen fließen.