Intel "Viiv" Schnellstart im Wohnzimmer


Der von Intel neu geschaffene "Viiv"-Systemstandard könnte den PC zukünftig ins Wohnzimmer führen. Stilvolle Alleskönner sollen dort für multimediale Unterhaltung sorgen. Die ersten Geräte wurden jetzt vorgestellt.

Unsere Unterhaltungswelt ist längst digitalisiert: Bildverwaltungsprogramme statt staubiger Foto-Ringalben. MP3-Musikdateien aus dem Internet statt analoger Schallplatten. Und auch die gute alte Videokassette ist längst abgespult. Fernsehen und Radio stehen zudem kurz vor dem Digi-Wandel. Gelagert werden die Datenberge auf Festplatten, Memory Sticks, CDs oder DVDs. Und der PC dient dabei als Schaltzentrale, die all diese Daten verarbeitet, katalogisiert und anzeigt bzw. abspielt.

Doch der mausgraue Rechner befindet sich zumeist noch in Räumen, die nicht unbedingt zu den Schmuckstücken der heimischen vier Wände zählen. Er lagert in staubigen, engen Bürozimmern, in brutal verwilderten Kinderzimmern oder in einer kleinen Nische des unaufgeräumten Schlafgemachs. Welchem Gast möchte man hier schon das neue dreistündige Urlaubsvideo vorführen?

Die Lösung

Den Weg ins Wohnzimmer haben die zumeist unförmigen und lauten PC-Klötze bislang nicht geschafft. Doch das wird sich bereits in Kürze ändern - wenn es nach dem Wunsch des weltgrößten Chipherstellers Intel geht: So genannte "Viiv"-Geräte sollen für den Umschwung sorgen.

Was ist ein "Viiv"-System?

"Viiv"-Geräte sind multimediale Alleskönner. Unterhaltungs-Computer, die DVDs oder CDs abspielen, elektronisch durch das Fernsehprogramm führen, Fernsehsendungen auf der eingebauten Festplatte aufzeichnen und abspielen sowie Computerspiele starten können. Alle Eingaben werden komfortabel über eine Fernbedienung getätigt.

Mit den Multimedia-Kisten surft man auch im Internet, kabellos über eine WLan-Verbindung. Dabei können Spielfilme und Musikdateien über "Viiv"-zertifizierte Dienste heruntergeladen, Mails verfasst oder wie gewohnt das gesamte Internetangebot angesteuert werden. Kabel, die durch das Zimmer verlaufen, gehören endgültig der Vergangenheit an: Tastatur und Maus senden per Funkverbindung die Eingaben des Nutzers an die entsprechende Empfangseinheit des Rechners.

Schnellstart für "Viiv"-Systeme

Viele Nutzer wird's freuen: Wartezeiten beim Ein- und Ausschalten des Multimedia-PCs sind so gut wie nicht vorhanden. So ist das System bereits Sekundenbruchteile nach Betätigen des "An"-Schalters betriebsbereit. Auch die im PC-Bereich übliche Geräuschentwicklung der Lüfter wird durch Integration flüsterleiser Kühlsysteme auf ein Minimum reduziert.

Um den von Intel definierten "Viiv"-Standard zu erreichen, muss ein System ganz bestimmte Vorgaben erfüllen: Ein bestimmter Prozessor (Intel Dual Core), Microsofts Betriebsystem Windows XP Media Center Edition 2005, bestimmte Chipsets, die Unterstützung von 7.1 Surround Sound sowie eine LAN-Komponente gehören zwingend zu einem solchen System.

Die Inhalte

Intel mischt im Rahmen des "Viiv"-Projektes auch beim Handel digitaler Unterhaltungsgüter mit. Inhalte können online von "Viiv"-zertifizierten Diensten heruntergeladen werden. Das soll für die nötige Sicherheit sorgen - für Anbieter und Kunden. Partner von Intel sind in diesem Bereich unter anderem T-Online, One4music oder One4movie. Aktuell umfasst deren Angebot bereits mehr als zwei Millionen Musikstücke, 10.000 Musikvideos, 1.000 Spielfilme und mehrere Hundert Spiele. Die Preise für die Inhalte schwanken je nach Dienstleister. So bietet One4music ein Musikstück zum Preis von 95 Cent zum Download an. Auf die mehr als 1.000 Filme des Anbieters One4movie kann der Nutzer für eine monatliche Gebühr von 9,95 EUR zugreifen. Die Streifen werden dann per Streaming-Verfahren auf den PC bzw. Bildschirm übertragen.

Wann geht’s los?

Die ersten Geräte sind bereits erhältlich. Gut zwei Dutzend Systeme folgen in den kommenden drei Monaten. Der Preis für ein "Viiv"-System schwankt je nach Ausstattung - Komponenten wie der Prozessor, die Festplatte oder die Software sind ausschlaggebend. Günstige Geräte kosten etwa 1.000 Euro. Nach oben sind die Grenzen offen.

Interessierte sollten jedoch die Cebit abwarten, die im März ihre Pforten öffnet. Dort wird "Viiv" das zentrale Thema vieler Aussteller sein - Dutzende neuer Systeme sollen auf der Messe vorgestellt werden.

AMD's Multimediakonzept

Neben Intel arbeitet auch AMD an einem Multimedia-Standard. Der Prozessorhersteller erweitert seine bereits bestehende, aber im Konsumentenbereich noch unbekannte Marke "Live" auf ein Konzept für den PC als Unterhaltungszentrale für den gesamten Haushalt. Zentrales Element wird dabei - wie bei Intel - die Leistungsfähigkeit von AMDs neuen Zweikern-Prozessoren sein. Erste Geräte sollen Mitte des Jahres vorgestellt werden. Bis dahin werde es auch eine gewisse Anzahl an Partnern und Inhaltelieferanten geben, so AMD.

Udo Lewalter

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