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Jubiläum: Am Tag, als Musik zu .mp3 wurde

Das weit verbreitete Dateiformat MP3 hat Namenstag: Vor zehn Jahren entschieden sich die Entwickler für die Dateiendung, die heute nicht mehr wegzudenken ist. Dabei war der Name nur zweite Wahl.

Der bekannte Dateiname .mp3 wurde vor zehn Jahren am Fraunhofer IIS (Institut für Integrierte Schaltungen) in Erlangen eingeführt. Wissenschaftler haben sich damals als Abschluss langjähriger Entwicklungsarbeiten am so genannten Audiokompressionsverfahren zu dieser Namensgebung entschlossen. Die komplette Bezeichnung für das Verfahren lautet ISO Standard IS 11172-3 "MPEG Audio Layer 3". Etwas weniger Sperriges musste her, und die ursprünglich verwendete Dateiendung .bit war bereits belegt. Als die Entscheidung gefallen war, verkündete folgende Mail den neuen Namen:

Datum: Fri, 14 Jul 1995 12:29:49 +0200
Betreff: Endungen fuer Layer3: .mp3

Hallo,
nach der überwältigenden Meinung aller Befragter: die Endung für
ISO MPEG Audio Layer 3 ist .mp3. D.h. wir sollten für kommende
WWW-Seiten, Shareware, Demos, etc. darauf achten, dass keine .bit
Endungen mehr rausgehen.
Es hat einen Grund, glaubt mir :-)
Jürgen Zeller

Das MP3-Format selbst ist deutlich älter. Seit 1992 ist es durch einen ISO-Standard vor jeglichen Veränderungen geschützt, seine Wurzeln reichen zurück bis ins Jahr 1987. Professor Karlheinz Brandenburg begann damals seine Versuche, Audio-Daten möglichst Speicherplatz sparend zu speichern, indem er auf psychoakustische Erkenntnisse zurückgriff: Bestimmte geringe Veränderungen in Geräuschen - zum Beispiel bei der Tonhöhe und der Lautstärke - vermag das menschliche Ohr nicht wahrzunehmen. Gleiches gilt für leise Töne, wenn sie von lauten "überdeckt" werden. Bei der MP3-Kompression wird alles rausgeschmissen, was der Mensch nicht hören kann. Wobei es allerdings besonders unter Hi-Fi-Experten umstritten ist, ob man die Unterschiede zwischen Original und MP3-Version nicht doch wahrnehmen kann.

Überraschender Erfolg

MP3 wurde zunächst von der Industrie nicht ernst genommen, weil sie die Technologie für nicht einsetzbar hielt, aber die Entwicklung erwies sich bald als entscheidender technologischer Fortschritt. Das MP3-Entwicklerteam unter der Leitung von Brandenburg wurde mit dem Deutschen Zukunftspreis des Bundespräsidenten ausgezeichnet. Bis heute hat kein anderes Format MP3 als digitalen Musikdatenträger ablösen können, obwohl es inzwischen einige Alternativen gibt, die Musikdaten noch effizienter bei besserer Qualität komprimieren können.

Der Unterhaltungselektronik erschloss sich mit den MP3-Playern schließlich ein völlig neuer Markt, dessen Wachstum heute noch nicht seinen Höhepunkt erreicht hat. Für das Jahr 2006 werden über 80 Mio. Geräteverkäufe erwartet.

Ralf Sander mit Material von pte
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