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Karima Adebibe (Lara-Croft-Model): "Ich hatte meine Heldin gefunden"

Das aktuelle Lara-Croft-Modell heißt Karima Adebibe und spricht im stern.de-Interview über das Leben als Körper einer virtuellen Heldin - und becirct mit überraschenden Gedankensprüngen.

Games Convention in Leipzig, ein kleines Hinterzimmer auf dem Stand des Spieleverlags Eidos, der die berühmte "Tomb Raider"-Serie mit ihrer Heldin Lara Croft herausgibt. Doch nicht um die berühmteste weibliche Videospielfigur selbst soll es gehen, sondern um Karima Adebibe, die zurzeit für Eidos die Cyberheroine in Fleisch und Blut darstellt. Ein Fernsehteam und eine Presseagentur haben die 20-Jährige bereits über das Gelände gehetzt, Frühstück hatte sie auch noch nicht, und doch vermittelt sie strahlend den Eindruck, als gäbe es gerade jetzt nichts Großartigeres, als noch ein weiteres Interview zu geben.

Karima, wie lange sind Sie schon als Lara Croft unterwegs?

Die Entscheidung, dass ich die neue Lara-Darstellerin sein sollte, fiel im November 2005. Erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurde ich im Februar. Ich werde noch sechs bis sieben Monate weitermachen, weil ich auch noch die anstehende Zehn-Jahres-Jubiläumsausgabe von "Tomb Raider" promoten soll.

Wie haben Sie den Job eigentlich bekommen?

Es gab ein Casting. Meine Modelagentur hatte mich dorthin geschickt, auf Anforderung des Kunden, der mich in der Kartei entdeckt hatte. Ich wusste nicht, um was es ging. Es folgte ein dreistufiges Auswahlverfahren. Ein merkwürdiger Zufall war das, ich hatte nämlich fast die Nase voll vom Modeln und trug mich mit dem Gedanken, Fotografin zu werden. Ich bin dann trotzdem zu den Casting-Terminen gegangen, aber eigentlich hat es mich nicht wirklich interessiert. Als mir mitgeteilt wurde, dass ich unter den letzten drei Kandidatinnen sei, da merkte ich allerdings, dass nun die Zeit gekommen war, nervös zu werden.

Was waren Ihre Erwartungen für diese Aufgabe? Und wie sah dann die Realität aus?

Ich hatte kein klares Bild von der Aufgabe. Allerdings dachte ich, dass ich recht viel mit Fans des Spiels zu tun haben würde. Stattdessen treffe ich vor allem Medienvertreter.

Wenn Sie bei Ihren Auftritten doch in Kontakt mit Fans kommen, was sagen die zu Ihnen?

Ehrlich gesagt trauen sich die wenigsten, irgendetwas zu sagen. Es stellt mir auch niemand Fragen. Schade eigentlich. Die meisten Fans sind schüchtern, ruhig und zurückhaltend.

Auf Ihren Promotouren kommen Sie viel in der Welt herum. Unterscheiden sich die Reaktionen der Menschen in den verschiedenen Ländern?

Der Empfang in Polen war totaler Irrsinn, die Fans waren außer sich. Und in Madrid musste ich vor 300 Journalisten auftreten. Das war unglaublich. Da herrschte so ein Gedränge, dass die Interviews abgebrochen werden mussten. Mein Vater war an dem Tag auch dabei und war schwer beeindruckt.

Seine Tochter, der Popstar. Sind eigentlich auch Mädchen bei Ihren Auftritten?

Unbedingt. Es scheint viele weibliche Lara-Fans zu geben. Wundert mich gar nicht. Sie ist ein tolles, cooles Vorbild. Als ich mit zehn Jahren den ersten Teil von Tomb Raider spielte, hatte ich meine Heldin gefunden. Sie war das stärkste Mädchen, das ich mir vorstellen konnte. Als dann später Angelina Jolie Lara in den Filmen spielte, verstärkte sich dieser Eindruck noch.

Sie haben also "Tomb Raider" selbst gespielt?

Teil eins und zwei komplett, außerdem den letzten Teil, "Legend", für den ich ja gecastet wurde. Haben Sie "Legend" durchgespielt? Wie lange haben Sie gebraucht?

Schätzungsweise 15 bis 20 Stunden...

Hah, ich habe es in 15 Stunden geschafft! lacht

Spielen Sie auch sonst gerne am Computer oder den Konsolen?

Ich spiele alles Mögliche. Auf dem Nintendo DS hat mich gerade das Gedächtnisspiel "Big Brain Academy" gefangen genommen. Actionzeug wie "Der Pate" und "The Warriors" habe ich auf Konsole gespielt. "Zookeeper" war auch klasse.

Spielen Sie auch mit mehreren Leuten?

Als "Halo" für die Xbox erschien, haben ein paar Kumpels und ich in zwei Räumen mit jeweils vier Leuten gegeneinander gespielt. Das war großartig. Im Allgemeinen ist es aber eher so, dass ich beim Spielen keine Störfaktoren im Zimmer gebrauchen kann. Dann bin ich sozusagen im "Spielmodus".

Winzige Pause. Der Interviewer stöbert in seinen Notizen...

Sie erinnern mich übrigens an einen der Jungs aus dem Film "Der Club der toten Dichter".

Wie bitte?

Eine Diskussion beginnt, in die sich auch der anwesende PR-Manager von Eidos einschaltet. Welcher der Jungs überhaupt? Der, der sich am Ende umbringt. Die Haare des Interviewers seien allerdings zu hell. Aber immerhin.

Zurück zu Ihnen, Karima. Haben Sie Probleme damit, in Ihrem Job nur auf Ihr Äußeres reduziert zu werden?

Ich verstehe nicht, was Sie meinen. Reduziert...?

Ich war dabei, als Sie in Hamburg in einem Elektronikkaufhaus aufgetreten sind. Sie haben als Lara Croft posiert, danach Autogramme gegeben, und das war's. Niemand hat sich für Karima interessiert.

So empfinde ich das nicht. Ohne mich wären die nicht in den Laden gekommen. Ich freue mich ehrlich, wenn sich so viele Menschen auf den Weg machen, um mich zu sehen.

Schon Pläne für die Zeit nach Lara Croft?

Ich habe bei einer britischen Organisation unterschrieben, die sich mit der Gefahr durch die globale Erwärmung auseinandersetzt und Problembewusstsein schaffen will. Ich bin quasi "ihr Gesicht" und soll außerdem Interviews mit prominenten Schauspielern und Musikern führen. Das ist spannend für mich und weckt hoffentlich Aufmerksamkeit für das Thema.

Es folgt ein kurzer, ernsthafter Vortrag über Treibhausgase, schlechtes Ressourcenmanagement der Industrienationen, Energiesparen und die Zeit, die uns allen davonläuft.

Was ist mit dem Plan, Fotografin zu werden?

Das will ich unbedingt machen, mit der entsprechenden Ausbildung. Ich interessiere mich sehr für Modefotografie. Als Model habe ich so viele frustrierende Erlebnisse mit Fotografen gehabt. Ich würde es gerne besser machen, weil ich weiß, wie man sich als Model vor der Kamera fühlt.

Vielen Dank für dieses Gespräch. Sie haben bewirkt, dass ich zu Hause sofort "Der Club der toten Dichter" gucken muss.

Sie strahlt. Fester Händedruck. Ich muss den Film auch noch mal sehen. Aber jetzt gehe ich erstmal frühstücken.

Interview: Ralf Sander
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