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Videospiel "Horizon: Forbidden West" im Test: Der erste Pflichtkauf für die Playstation 5 ist da

Videospiel: Wie im Vorgänger geht es in "Horizon: Forbidden West" in den Kampf gegen riesige Tiermaschinen. Dabei gibt es zahlreiche neue Robo-Viecher wie gigantische Schlangen zu entdecken - und zu besiegen
Wie im Vorgänger geht es in "Horizon: Forbidden West" in den Kampf gegen riesige Tiermaschinen. Dabei gibt es zahlreiche neue Robo-Viecher wie gigantische Schlangen zu entdecken - und zu besiegen
© Screenshot / stern
Als "Horizon: Zero Dawn" erschien, war es ein Überraschungshit. Nun steht der Nachfolger in den Startlöchern - und hat große Fußstapfen zu füllen. Wir konnten den Titel schon sehr ausführlich spielen. Und erklären, warum Sony fast alles richtig gemacht hat.

Als "Horizon: Zero Dawn" zum ersten Mal angekündigt wurde, saß ich begeistert vor dem Trailer. Das Spielkonzept - eine postapokalyptische Welt, in der Menschen mit primitiven Waffen gegen gigantische Roboter-Dinosaurier kämpfen - fesselte mich sofort. Doch die Erwartungen blieben niedrig. Schließlich reicht eine gute Idee nicht aus und Flops nach einem großen Hype sind auf dem Spielemarkt eher die Regel denn die Ausnahme.

Doch als das Spiel dann erschien, war ich - und viele andere Zocker mit mir - extrem angenehm überrascht. Sony war es nicht nur gelungen, eine glaubwürdige Welt zu erschaffen, die zu erkunden und durchkämpfen unfassbar Spaß machte, sondern hatte das auch noch mit einer für Videospiele ungewöhnlich guten Story verknüpft. Die Erwartungen an den dem 18. Februar erscheinenden Nachfolger waren entsprechend hoch. Und wurden von kleineren Schwächen abgesehen nahezu ausnahmslos erfüllt.

Die enorm große Spielwelt steckt voller Geheimnisse, Gegner und exotischer Schauplätze
Die enorm große Spielwelt steckt voller Geheimnisse, Gegner und exotischer Schauplätze
© Screenshot / stern

Bekannte Formeln, stark umgesetzt

Das war zwar zu hoffen, aber nicht unbedingt zu erwarten. Die grundsätzliche Formel des Spiel ist eigentlich so bekannt wie die Story-Basis: Eine große, weitgehend frei erkundbare Welt, gut gefüllt mit großen und kleinen Aufgaben, Rätseln und Gegnern. Dazu ein Kampfsystem mit verschieden Schlag- und Schusswaffen und eine Story über eine unerwartete Heldin, die ihre Welt retten muss. Das beschreibt auch Großteil der zahlreichen anderen Open-World-Games auf dem Markt. Trotzdem schafft es "Horizon: Forbidden West" - wie schon sein Vorgänger - angenehm aus der Masse herauszustechen. 

Das liegt nicht zuletzt an der tollen Hauptfigur. Die ohne Eltern aufgewachsene Aloy ist zu gleichen Teilen smart, empathisch und ein ziemlicher Badass. Doch anders als bei Lara Croft und anderen typischen weiblichen Videospielfiguren ist sie dabei nicht übertrieben aufgesext oder betont cool, sondern ziemlich menschlich. Sie schaut manchmal betreten zu Boden, wenn sie nicht weiß, was sie sagen soll, ist bei allem Selbstbewusstsein nie arrogant. Und etwas genervt davon, nach dem Ende des ersten Teils überall als Weltretterin bekannt zu sein. Aloy und ihre offene,  anpackende Art wachsen einem dadurch schnell ans Herz.

Lange Reise nach Westen

Das hilft dabei, ihre lange Reise noch weiter zu begleiten. Denn anzupacken gibt es jede Menge. Wieder ist Aloys Welt - ohne zu viel verraten zu wollen - dem Untergang geweiht, die verzweifelte Rettungsmission treibt sie bis über die Grenzen ihrer Heimat hinaus in den titelgebenden "Verbotenen Westen". Dort, in den alten Überresten der US-Bundesstaaten Utah, Nevada und Kalifornien inklusive der spannend interpretierten Metropolen San Francisco und Las Vegas, erhofft sie sich Abhilfe. Und begegnet auf dem Weg alten und neuen Freunden und Feinden und jeder Menge feindseliger Maschinen.

Die Ruinen der alten Welt verströmen nicht nur jede Menge Atmosphäre, sondern bringen auch optische und spielerische Abwechslung
Die Ruinen der alten Welt verströmen nicht nur jede Menge Atmosphäre, sondern bringen auch optische und spielerische Abwechslung
© Screenshot / stern

Dabei gilt es die verlorenen Geheimnisse der Ruinen unserer Gesellschaft zu entdecken, die verschlossenen Völker des Verbotenen Westens kennen zu lernen und unzählige spannende, kleine und große Geschichten zu erleben. Wie schon in "Zero Dawn" sticht auch im zweiten Teil das Script sehr positiv aus dem üblichen Videospiel-Einerlei heraus. Selbst Nebenfiguren und Kleinsthandlungen sind liebevoll geschrieben und umgesetzt, die zahlreichen Geschichten bieten oft eine Überraschung und sind wenig vorhersehbar. Toll: Die Heldentaten der Nebenquests werden auch in den Hauptquests teilweise wieder aufgegriffen und etwa von neu getroffene Bekanntschaften angesprochen.

Die Welt an sich ist ebenfalls gekonnt umgesetzt. Bei ihrer Reise durch Wüste, Savanne, sumpfigen Dschungel, der sonnigen Küste bis zu schneebedeckten Wäldern schleicht, kämpft und rätselt sich Aloy durch eine Vielzahl sehr abwechslungsreicher Herausforderungen. Vergleich zum schon sehr vielseitigen Vorgänger nimmt dabei die Vielzahl an wunderschön umgesetzten Szenarien noch weiter zu, neue Werkzeuge wie ein Kletterhaken oder ein Gleiter machen das Erkunden noch interessanter. 

Mit neuen Werkzeugen wie dem Gleiter macht das Erkunden der Welt noch mehr Spaß als im Vorgänger
Mit neuen Werkzeugen wie dem Gleiter macht das Erkunden der Welt noch mehr Spaß als im Vorgänger
© Screenshot / stern

Schleichen und kämpfen

Auch die Kämpfe bleiben gewohnt spannend. Wie schon im ersten Teil sorgt die innovative Idee der Roboter-Dinos, die mittlerweile auch von zahlreichen anderen Hybrid-Tieren wie Hirschen, Bären und Riesenschildkröten ergänzt werden, für eine schier unendliche Menge an sehr unterschiedlichen Gegnern und Gefahren. Und auch die für ihre Brutalität berüchtigten - und neuen menschlichen Faktionen der Tenakth bringen viel Abwechslung ins Gameplay. 

Das schon im letzten Teil überraschend ausgefeilte Kampfsystem ist dabei noch deutlich erweitert worden. Das Waffenarsenal wurde zwar nicht großartig aufgebohrt, die zwei Neuzugänge bringen willkommene Abwechslung mit sich. Wer sich wirklich tief mit dem Kampfsystem beschäftigen möchte, bekommt mit neuen, teils hochkomplexen Kombinationen aus verschiedenen Moves die Möglichkeit dazu.

Die Kämpfe gegen die Maschinen fesseln durch ihre große Variation und die vielen Kombinations-Möglichkeiten in Waffen und Moves 
Die Kämpfe gegen die Maschinen fesseln durch ihre große Variation und die vielen Kombinations-Möglichkeiten in Waffen und Moves 
© Sony / PR

So kann man etwa in einer Aneinanderreihung verschiedener Techniken in einem einzigen Angriff die Blockadehaltung des Gegners brechen, ihm mit einem Ausfallschritt auf die Pelle rücken, sich von seiner Brust abstoßen und ihm dann im Sprung noch einen Pfeil in den Körper zu jagen. Die Kombo aus acht gut getimten Controller-Eingaben bekommt man vom Spiel sogar beigebracht, wenn man das möchte. Wer dazu keine Lust hat, kommt aber auch mit den Standardattacken problemlos durch das Spiel. Viele Konfrontationen lassen sich durch geschicktes Schleichen ohnehin gleich ganz umgehen, oft weisen sogar Begleiter auf diese Option hin.

Beim Schleichen hilft, dass die künstliche Intelligenz der Computer-Gegner eher im unteren IQ-Bereich angesiedelt ist. Wenn man einer Truppe menschlicher Gegner begegnet und einen von ihnen unentdeckt ausschaltet, suchen die anderen lediglich nach ihm. Das sorgt in erster Linie dafür, dass man die zweite Person dann eben aus demselben Gebüsch heraus ausschalten kann. Wenn das letzte Teammitglied unbedarft auf die Leichen seiner sechs Team-Kameraden zulatscht, um sich ebenfalls brav meucheln zu lassen, ist die Immersion längst mit ihnen gestorben. 

Das ist allerdings jammern auf hohem Niveau. Genau wie die Tatsache, dass auf der Playstation 5 die Möglichkeiten des neuen Controllers nicht voll ausgeschöpft werden. Zwar vibrieren etwa die Schulterknöpfe spürbar, wenn man etwa ein Seil einholt. Trotzdem können die Buttons mit ihren eingebauten Motoren eigentlich mehr. Im ebenfalls von Sony herausgegebenen Spiel "Returnal" etwa bietet der Schulterknopf beim ersten Drücken einen Widerstand, wenn sich ein Schuss löst. Erst, wenn man durch den noch weiter drückt, löst sich eine zweite Variante von Schuss. Aus einem Button werden so zwei. Dass "Horizon" von dieser Fähigkeit des Controllers keinen Nutzen macht, liegt wohl auch daran, dass das Spiel auch für die Playstation 4 erscheint.

Auf der Playstation 5 sieht "Horizin: Forbidden West" schlicht großartig aus
Auf der Playstation 5 sieht "Horizin: Forbidden West" schlicht großartig aus
© Screenshot / stern

Fazit: Das erste Pflichtspiel der PS5

Seien wir ehrlich: Wenn man sich die bisherigen Playstation-5-Spiele ansieht, sind keine absoluten Must-haves darunter. Klar, Games wie "Ratchet & Clank", "Demon Souls" oder "Returnal" sind starke Titel. Sie richten sich aber jeweils an eine ganz bestimmte Zielgruppe. Was fehlte, ist das Meisterwerk, dass man wirklich jedem Gamer ans Herz legen muss. "Horizon: Forbidden West" ist genau dieses Spiel.

Sei es bei der toll geschriebenen und umgesetzten Story, der wunderschönen Welt oder dem überraschend vielschichtigen, aber nicht überfordernden Kampfsystem: "Horizon: Forbidden West" nimmt die Erfolgsformeln des Vorgängers und baut sie clever aus, ohne dabei übers Ziel hinauszuschießen. Wer "Zero Dawn" mochte, wird entsprechend auch beim Nachfolger voll auf seine Kosten kommen.

Entsprechend breit ist die Zielgruppe: Ob man eine toll ausgefeilte Welt erkunden will, eine gute Story schätzt oder einfach Action sucht: "Horizon" hat für fast jeden Spielertyp etwas zu bieten. Weil die Gewalt sich in erster Linie gegen Roboter richtet und auch im Duell mit Menschen ohne Blut auskommt, ist es zudem ab 12 Jahren geeignet.

Horizon: Forbidden West

Genre: Action-Adventure

Plattform: Playstation 4, Playstation 5

USK: ab 12 Jahre

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