Microsoft Vista-Start droht weitere Verzögerung


In der Vergangenheit wurde der Veröffentlichungstermin des Windows-XP-Nachfolgers Vista bereits einige Male verschoben. Nicht ungewöhnlich also, dass jetzt weiterer Verzug für Europa droht. Nur diesmal liegt's nicht an der Technik.

Wegen des Kartellstreits mit der EU-Kommission schließt Microsoft einen verspäteten Marktstart seines neuen Betriebssystem Vista in Europa nicht aus. Das Unternehmen habe der Europäischen Kommission im Frühjahr Vorschläge unterbreitet, um den Bedenken wegen der Einbindung neuer Anwendungen Rechnung zu tragen, teilte der US-Softwarekonzern am Donnerstag in Brüssel mit. "Erst wenn wir eine Antwort erhalten, werden wir wissen, ob die Kommission weitere Änderungswünsche hat, die einen Start in Europa verzögern könnten."

Die EU-Kommission wies die Verantwortung für eine Verzögerung des Vista-Marktstartes an den US-Konzern zurück. "Es ist nicht Aufgabe der Kommission, Microsoft grünes Licht zu geben, um Vista auf den Markt zu bringen", sagte ein Sprecher. "Es liegt an Microsoft, seine Verantwortung als Beinahe-Monopolist zu akzeptieren und sicherzustellen, dass es die EU-Wettbewerbsregeln erfüllt." Microsoft habe erst vorige Woche auf die jüngsten Bedenken der Kommission geantwortet.

"Europäische Behörde ein Risiko-Faktor"

Der Microsoft-Konzern reagierte mit seiner Stellungnahme auf einen Brief britischer Europa-Abgeordneter an Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes. Darin warnten die vier Parlamentarier, das Vorgehen der Kommission könnte den Start des Nachfolgers von Windows XP in Europa verzögern. Sie beriefen sich auf eine Microsoft-Mitteilung an Investoren, in der der Konzern das Vorgehen der europäischen Behörde als Risiko-Faktor bezeichnete. "Es ist alarmierend, dass eines der weltweit erfolgreichsten Unternehmen die Haltung der Europäischen Kommission als Risiko-Faktor bezeichnet", hieß es in dem Brief. Damit gefährde die Kommission die globale Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft.

Microsoft hat den Start von Vista, das bereits seit fünf Jahren in der Entwicklung ist, mehrmals verschoben. Die Software soll nun für größere Geschäftskunden im November und für Privatkunden im Januar auf den Markt kommen. Windows XP läuft auf 90 Prozent aller Computer weltweit.

Vorwurf

Die EU-Kommission wirft Microsoft vor, seine marktbeherrschende Stellung bei Computer-Betriebssystemen auszunutzen, um Anbieter anderer Programme zu verdrängen. Bei Vista könnten demnach neue Suchfunktionen für das Internet oder Programme zum Erstellen fixer Dokumente Konkurrenten wie Google oder Adobe benachteiligen.

Reuters Reuters

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