P2P-Technik Windows Goes Napster


Windows stockt sein Vista-Betriebssystem mit integrierter "Peer-to-Peer" - Technik auf. Diese neue einfache Vernetzung am PC ist ein Segen für die Einen, für die Anderen der größte Fluch, seit es Computer gibt.

Die Peer-to-Peer-Technik für die direkte Vernetzung am Computer ist ebenso erfolgreich wie verrufen. Das kurz als P2P bezeichnete Verfahren macht immer wieder Schlagzeilen, weil Internet-Nutzer damit ohne Vermittlung eines Servers Daten aller Art austauschen können - auch urheberrechtlich geschützte Songs oder Filme. Inzwischen hat auch Microsoft P2P entdeckt und in Windows Vista eingebaut, das im nächsten Jahr die gegenwärtige XP-Version des Betriebssystems ablösen soll. Die Systemsteuerung enthält bei Vista einen neuen Eintrag "Peer to Peer".

Hier wird ein eigener Fantasiename festgelegt, für den Windows einen eindeutigen Schlüssel erstellt, der den Teilnehmer im Netz identifiziert. Außerdem bestimmt der Nutzer, ob das P2P-Netz wissen darf, dass man selbst gerade online ist. Wenn sich zwei oder auch weit mehr auf diese Weise treffen, können sie Daten austauschen, gemeinsam an einem Computerspiel teilnehmen oder an Dokumenten arbeiten. Zunächst funktioniert das aber nur zwischen Computern, die Windows Vista auch installiert haben.

Standardisierung in Überlegung

Microsoft hat für die Umsetzung der P2P-Technik ein eigenes Software-Protokoll entwickelt, das "Peer Name Resolution Protocol" (PNRP). Zurzeit werde noch überlegt, ob dieses Protokoll standardisiert werden solle, erklärte Microsoft-Entwickler Sandeep Singhal auf der Fachkonferenz PDC in Los Angeles. Erst dann könnten auch Computer mit Linux oder MacOS als Betriebssystem in das Windows-P2P einsteigen. Ein Teil der P2P-Funktionen von Microsoft kann auch schon mit Windows XP eingesetzt werden.

Die P2P-Kommunikation zwischen zwei Personen sei ganz einfach, erklärte Singhal: "Wenn ich mit Karl sprechen will, muss ich ihn zuerst finden, dann schicke ich ihm eine Einladung und eröffne eine Sitzung." Etwas schwieriger ist die gleichzeitige Kommunikation mit vielen anderen. Hierfür hat Microsoft das Konzept eines "Mesh" (Netz) entwickelt, in dem sich mehrere Teilnehmer mit bestimmten Interessen zusammenschließen. "Getestet haben wir das bereits mit mehreren zehntausend Teilnehmern", sagte der Entwickler. Die P2P-Namen werden zusammen mit der jeweiligen IP-Adresse des Computers in eine Liste aufgenommen, deren Daten auf die Computer der Netzteilnehmer verteilt und dort bereit gehalten werden. Die Namen werden also nicht etwa auf einem Microsoft-Rechner gespeichert. Auch beim Datenaustausch werden die Hardware-Ressourcen der angeschlossenen Teilnehmer genutzt. "Das ist eine ausbalancierte und besonders leistungsstarke Art für den Transport von Daten", erklärte Singhal.

Internet-Telefonie ist theoretisch möglich

Theoretisch kann die Technik auch für die Internet-Telefonie genutzt werden - dies ist allerdings bislang noch nicht umgesetzt. Der Microsoft-Entwickler Ravi Rao demonstrierte auf der Konferenz, wie man die eigene P2P-Identität mit Informationen über verfügbare Programme verknüpfen kann. Dadurch ist es möglich, in einem kleinen Umkreis von "Leuten in meiner Nähe" (People Near Me, PNM) gemeinsame Anwendungen zu nutzen.

Dazu müssen die Schnittstellen (APIs) des PNRP-Protokolls in die jeweilige Anwendung integriert werden. Neben einer weiteren Möglichkeit für den privaten Austausch denkt Microsoft bei der Nutzung der P2P-Technik auch an einen Einsatz in Unternehmen. Mit diesem Ziel hat der Software-Marktführer bereits im März die Firma Groove gekauft, deren Gründer Ray Ozzie, ehemals Erfinder der Software Lotus Notes, die P2P-Technik für eine neue Form der Zusammenarbeit nutzen will. Möglicherweise könne die P2P-Technik in Windows Vista mit Groove zu einem Strang zusammengeführt werden, erklärte Rao.

Lieber auf der sicheren Seite bleiben

Wenn nach dem Vorbild von Napster oder Kazaa Musikstücke über die Vista-Variante von P2P ausgetauscht werden, setzt Microsoft auf seine eigene Technik für das "Digitale Rechtemanagement" (DRM). Die DRM-Informationen blieben ja in der Datei enthalten, sagte Rao. Allerdings kann man im P2P-Netz auch eine Datei zugeschickt bekommen, die einen Virus enthält oder anderen Schaden anrichtet. Wie für die E-Mail-Kommunikation gilt also auch bei P2P, dass man genau wissen sollte, mit wem man digitale Daten austauscht und mit wem besser nicht. Auf der sicheren Seite bleibt man, wenn man die P2P-Technik erst gar nicht aktiviert.

Peter Zschunke/AP AP

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