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SCHEIBE: Alles Dreckspatzen!

Es ist an der Zeit, einmal ganz ehrlich zueinander zu sein: Der Arbeitsplatz PC ist ein riesiger Saustall. Sicherlich hilft es, die leeren Getränkebüchsen vom Schreibtisch zu räumen. Aber wann haben Sie eigentlich zuletzt Monitor oder Tastatur gesäubert?

Es ist an der Zeit, dass wir einmal ganz ehrlich zueinander sind: Der Arbeitsplatz PC ist nichts anderes als ein riesiger Saustall. Sicherlich hilft es bereits, die leeren Cola- und Red-Bull-Büchsen auf dem Schreibtisch beiseite zu räumen. Wann haben Sie aber eigentlich das letzte Mal Ihren Monitor oder die Tastatur gesäubert?

Wer nicht im Müll erstickt, arbeitet nicht

Wie erkennt man den Arbeitsplatz eines echten PC-Nerds? An den Fliegen, die über dem Monitor kreisen. Mein Freund Robert ist so einer. Ein Programmierer eben, der zur Not auch einmal 24 Stunden am Stück vor dem Rechner sitzt. Auf seinem Schreibtisch stapeln sich aufgeschlagene c't-Hefte, dazwischen die obligatorischen Pizzakartons, zerdrückte Colabüchsen und leere Bierflaschen. Alles, was Robert gerade nicht mehr braucht, schiebt er nach hinten, bis es irgendwann einmal vom Schreibtisch fällt. Ab und zu kann es seine Freundin nicht mehr ertragen und stopft alles in den Müll, was sie unter dem Schreibtisch findet. Das System funktioniert. Robert hat noch nie gemeckert, dass ihm etwas Wichtiges fehlt. Für die Yuppies mit ihren leeren Schreibtischen aus Mahagoni hat Robert nichts übrig: »Die arbeiten doch gar nicht richtig«.

In der Not hilft ein Redaktionsleguan

Zugegeben, auch mein Schreibtisch hat die Unart, langsam zuzumüllen. Dann packt mich aber alle paar Wochen wieder der Ehrgeiz und ich muss zwanghaft aufräumen. All die leeren Flaschen und Dosen kommen weg. Danach werden Dutzende von Notizzetteln gesichtet, die meistens nicht mehr eindeutig zu entziffern sind. Faxe, Briefe, Werbegeschenke und anderer Krimskrams: Durchsehen und weg damit. Irgendwann ist das Holz des Tisches wieder zu sehen, bedarf aber der dringenden Reinigung, um klebrige Cola-Flecke zu entfernen. Irgendwann ist der Tisch so leer, dass er richtig wichtig aussieht. »Wie beim Yuppie«, motzt Robert und fragt nach, ob ich denn keine Arbeit mehr haben würde. Leider hält der sehenswerte Zustand nie lange an. Robert sucht an der Decke nach Fliegen. Ich verweise aber nur auf den Fakt, dass ich a. keine Pizza bestelle, b. ständig neue Spinnen in meinem Keller auftauchen und c. vorhandene Fliegen gerne vom Redaktionsleguan gefressen werden.

Ich putze weiter. Hinter dem Bildschirm haben sich all die vielen Kabel zu einem solchen Spaghettiteller aufgetürmt, dass ich fast zur Schere greifen möchte. Dieses Chaos lässt sich nie wieder entheddern, da kommen die Kabelagen vom Monitor, der Maus, der Tastatur, den beiden PDA-Geräten, dem Drucker, den Boxen, dem MP3-Player und dem Fax zusammen. Unglaublich. Staub hat sich flockenweise in diesem Kabelsalat festgesetzt. Ich versuche, ihn mit dem Tuch wegzuwischen, ziehe dabei aber nur zwei USB-Kabel aus dem Rechner. Mist. Also bleibt es dabei: Rüberpusten und dabei ganz fest die Augen zumachen.

Platinen unter Staubmatten

Ich öffne kurz noch die Abdeckung des Rechners und staune. Dicke Staubmatten liegen auf den Platinen. Ob das so gut ist? Nicht umsonst gab es in Berlin mal kurz eine Firma, die regelmäßige Rechnerreinigungen als Service-Leistungen angeboten hat. Herr Franz drückt mir eine Druckluftspritze in die Hand. Mit der kann ich den Staub aus dem Rechner herauspusten. Dabei erinnere ich mich plötzlich wieder an meine Hausstaub-Allergie.

Nie gegen den Bildschirm niesen

»Hast du zuletzt mal wieder Schnupfen gehabt?«, fragt Robert dann auch gleich angesichts eines kräftigen Niesers und beugt sich neugierig über meinen Monitor. Und tatsächlich, von der Seite her betrachtet ist der Bildschirm fast schon stumpf. Überall sind kleine eingetrocknete Flüssigkeitstropfen zu sehen. Ob es wohl eine ungelesene Stelle im Handbuch gibt, die den alten Spruch von Muttern zum Besten gibt? »Beim Niesen immer die Hand vor den Mund halten«. Robert weiß das nicht: »Nur Loser lesen Handbücher.«

Ich erzähle Robert etwas von einer Cola-Büchse, die ich vor dem Bildschirm aufgemacht habe und die alles vollgespritzt hat. Wie ich die Flecken wohl bei einem Flachbildschirm wieder wegbekomme? Darf man da mit Fensterreiniger rangehen, obwohl es keine Glasscheibe gibt? Ich frage Robert, der sich als Experte outet: »Einfach Spucke auf den Finger und dann damit die schlimmsten Verkrustungen lösen. Danach mit einem Brillenputztuch hinterher.« Ich traue ihm dann doch nicht über den Weg und versuche es vorsichtig mit Glasreiniger. Funktioniert, auch am Metallrahmen. Sieht wieder aus wie neu.

Nur für harte Mägen: Tastatur umdrehen

Jetzt schauen wir uns Roberts Rechner einmal an. »Alles pikobello«, prahlt er. Und tatsächlich hat er extra aufgeräumt, um beim gegenseitigen Sauberkeitscheck nicht wie der letzte Depp dazustehen. Ich streiche mit dem Finger über das Tower-Gehäuse: Nichts ist auf der Fingerkuppe zu sehen. Robert grinst siegestrunken, da kommt mir die Idee. Ich schnappe mir seine Tastatur, drehe sie um und klopfe ein paar Mal auf die Rückseite. Es regnet. »Uärg«, macht Robert, und »Iiihhhhh«, entfährt es mir. Auf Roberts schwarzer Schreibtischunterlage sehe ich Staub, Pizzakrümel, Hautschuppen, Fettbröckchen, abgeschnittene Fingernägel, Haare und sogar etwas, das wie ein vertrockneter Mehlwurm aussieht. Ich schaue mir die Tastatur noch etwas genauer an. Es ist wie bei nicht geputzten Zähnen. Die Tasten sind oben, wo die Fingerkuppen aufschlagen, ganz sauber. Unten an den Seiten aber, wo die Tasten in der Tastatur verschwinden, hat sich ein dünner Beleg aus Schmiere und Fusseln angesammelt. Da es eine Zahnbürste für die Tastatur noch nicht gibt, versuche ich mit der Nagelschere, Roberts Tastatur zu säubern. »Alles vergebene Liebesmühe«, meint der, »ich hab noch ne neue Tastatur im Schrank, die alte kommt in den Müll.«

Maus mit Fettbelag

Misstrauisch beäugt Robert auch noch seine Maus. Auch hier lassen sich an der Unterseite zusammengedrückte Staub-Schmier-Fett-Matten abziehen: Robert bittet um ein Skalpell, um die letzten Krusten abzukratzen. Ich zeige ekelerfüllt auf die rechte und linke Seite der Maus, da, wo immer die Finger ruhen. Grüne Fettbeläge haben sich hier ins rauchgraue Plastik gefressen. »Da schau ich sonst nie drauf«, entschuldigt sich Robert für die Bakterienkolonie und lässt sich das Brillenputztuch reichen. Fertig: Alles nicht nur sauber, sondern rein. Und bei Ihnen?

Carsten Scheibe

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