Scheibes Kolumne Ich brauch' Blu-ray!


stern.de-Kolumnist Carsten Scheibe stapelt die ersten Blu-ray-DVDs auf seinem Schreibtisch. Nur das entsprechende Laufwerk hat er nicht. Das muss natürlich sofort geändert werden. Bis Blu-ray allerdings läuft, muss so manche Hürde genommen werden.

In den letzten Monaten trudelten bei uns in der Redaktion die ersten Blu-ray und HD-DVDs ein. Das war für mich noch lange kein Grund dafür, gleich einen Player oder ein Laufwerk anzuschaffen. Nicht, so lange der Formatkrieg nicht entschieden war. Nun, alle Zeichen sprechen dafür, dass die Blu-ray das Rennen für sich ausgefochten hat. Mein Kumpel Thomas hat sich deswegen gleich eine Blu-ray-kompatible Sony PlayStation 3 gekauft und spielt nun auf ihr Celine-Dion-Konzerte ab. Nun ja. Ich verbringe die meiste Zeit vor meinem PC. Hier habe ich ein 7.1.-Lautsprecher-System und einen 22-Zoll-16:9-Bildschirm: Wenn schon, dann müssen die blauen Filme hier geguckt werden - mit den Füßen entspannt auf dem Schreibtisch.

Ich habe mich jüngst bei Amazon schlau gemacht. Externe Blu-ray-Laufwerke gibt es kaum und die Brenner sind noch viel zu teuer. Am Ende fand ich ein reines Player-Laufwerk für hundert Euro und ein paar Zerquetschte, das ich dann genommen habe. Amazon hat es über Nacht geschickt, sodass ich es sehr schnell in Empfang nehmen konnte.

Im Büro steht ein neuer ONE-Rechner, der im blau leuchtenden Tower noch Platz für zwei Laufwerke hatte. Prima. Ich holte das Laufwerk aus der Kiste, nahm die durchsichtige Seitenplatte des Towergehäuses ab und staunte: Ah, ja! Ein erster Blick auf das Innenleben des Rechners zeigte, dass mein neues Blu-ray-Laufwerk VÖLLIG andere Kabelanschlüsse auf der Rückseite hatte als die beiden Laufwerke, die bereits in der PC-Kiste verbaut waren. Eigentlich wollte ich ein altes Laufwerk rausnehmen, um dafür an der gleichen Stelle das neue zu verbauen.

Ich staunte nicht schlecht. Wie sollte ich denn das neue Laufwerk an die Stromleitung anschließen und dann auch noch an das Datenkabel? Man darf es ja keinem sagen, aber ich suchte in meiner großen Kiste mit Computerkrams nach passenden Kabeln und fand tatsächlich welche. Die benutzte ich einfach und stellte so sicher, dass das Laufwerk Saft bekam und auch irgendwie mit der Platine verkabelt war. Probeweise schaltete ich den Strom ein: Perfekt: Eine blaue Diode fing am Laufwerk an zu blinken.

Schnell baute ich das dann wieder auseinander. Das Laufwerk musste ja noch in den dafür vorgesehenen Schacht versenkt werden. Die anderen Laufwerke hatten so schwarze Plastikschienen an der Seite, die fest im Metallgehäuse eingerastet waren. In meiner Kiste mit Rechnerzubehör fand ich entsprechende unbenutzte Schienen, die sich schnell an den beiden Seiten des neuen Laufwerks befestigen ließen. Okay. Neues Problem: Ein neues Laufwerk ließ sich nicht von hinten in das Metallgehäuse hineinschieben, sondern nur von vorne. Blöd: Die Frontabdeckung des Rechners ließ sich nicht abziehen. Ich suchte eine ganze Weile nach einem Mechanismus und fand dann ein winziges Schloss an der rechten Seite - nur leider keinen dazu passenden Schlüssel. Ich durchforstete alle Schubladen, aber ein Schlüssel? Fehlanzeige. Bei so viel Begleitkram passend zu jeder nur erdenklichen Hardware kann so etwas Kleines schon einmal verloren gehen.

Schloss geknackt

Ich stellte aber bald fest, dass ich das Frontgehäuse mit den Daumen ein wenig abziehen konnte. Durch den Spalt passte gerade einmal ein Schraubenzieher. Und mit ihm konnte ich den Hebel des Schlosses verschieben und das Gehäuse auf diese Weise entriegeln. Wunderbar. Ich hatte mein eigenes Schloss geknackt: Der Anfang einer neuen Karriere? Anschließend lief alles ganz easy. Blende abziehen, Laufwerk einschieben, Laufwerk einrasten, Laufwerk verkabeln. Ich baute das Gehäuse wieder zusammen und setzte noch rasch ein paar Plüschkreise unter den PC, sodass man ihn auf dem Schreibtisch verschieben kann, ohne dabei etwas zu zerkratzen.

Weiter ging es im Text. Ich schmiss "Resident Evil 1" als Blu-ray ins Laufwerk, weil da der Sound schon auf dem normalen DVD-Laufwerk so genial kommt. Auf dem Blu-ray-Laufwerk erwartete ich mir ein besseres Bild und dank DTS-HD auch einen noch besseren Sound. Ich warf mein Abspiel-Programm Cyberlink PowerDVD an, das ja Blu-ray fähig ist. Aber anscheinend war das nur theoretisch so. Umgehend kam eine Dialog-Ansage, dass die Software angesichts der Blu-ray eine dringende und wichtige Aktualisierung über das Internet vornehmen müsste. 100 MB musste ich aus dem Internet herunterladen - das dauerte natürlich. Bei der anschließenden Installation ging leider irgendetwas schief. Mit der Folge, dass PowerDVD plötzlich wieder nach seiner Registrierungsnummer verlangte. Gab ich sie ein, maulte das Programm aber lautstark, dass es diese Nummer doch schon kennen würde. Na prima. Ich deinstallierte die Software und versuchte, PowerDVD danach noch einmal neu aufzuspielen. Ging aber nicht. Immer wieder brach die Installation mit der Meldung ab, ich solle erst die alte Version sauber löschen. Hatte ich doch aber schon. Ich ging noch mal manuell über das System und killte alle PowerDVD-Ordner und alle Registry-Einträge, die ich finden konnte. Nix half.

Zum Glück gibt es ja das Internet. Ich fütterte Google mit Suchstrings à la "PowerDVD sauber deinstallieren" und stieg auf eine Fülle Gleichgesinnter, die das gleiche Problem hatten wie ich. Einer schrieb zum Glück in einem Forum Schritt für Schritt, was ich tun müsse. Das befolgte ich und killte u.a. sechs weitere Registry-Einträge, die ich bislang ignoriert hatte, weil sie nicht den Programmnamen, sondern den Firmennamen enthielten. Danach funktionierte es dann plötzlich mit der Neuinstallation. Auch das Update aus dem Internet ließ sich auf einmal installieren.

Jetzt aber. Ich freute mich auf meinen Film, doch der Bildschirm blieb unverändert. Nichts passierte. Ich fand dann im Internet ein kleines Tool von Cyberlink, das kontrollieren kann, ob der eigene PC überhaupt HDTV-tauglich ist - oder eben nicht. Bei der Analyse kam heraus, dass es nicht am Rechner und der Hardware lag, sondern vielmehr am Treiber der Grafikkarte. Mir wurde auch gleich ein passender Treiber aus dem Internet ans Herz gelegt. Man wird ja misstrauisch. Der Treiber im Web war schon mehr als zwei Jahre alt. Ich wollte nun absolut nicht meinen frischen Treiber gegen einen Oldtimer aus dem Web eintauschen. So stöberte ich lieber in der Konfiguration meines bereits installierten Treibers und fand hier tatsächlich die Monitor-Option "Als HDTV" behandeln. Sobald ich diese Option eingeschaltet hatte, lief meine Blu-ray auf einmal problemlos.

Nach zwei Filmen das Fazit: Die Auflösung der Filme ist wirklich sehr fein und kommt sehr edel in HDTV. Besser noch ist der Sound, der mein Büro wirklich zum Wanken bringt und neue Risse ins Mauerwerk treibt. So gesehen hat sich der Aufwand wirklich gelohnt. Nun muss ich aber wieder einmal feststellen, dass der normalsterbliche Anwender angesichts der erlebten Schwierigkeiten schon längst aufgegeben hätte. Windows ist super. Es darf nur nichts schief gehen. Dann hilft nur noch der Experte weiter.

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania


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