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Scheibes Kolumne: Jahresabrechnung

Cookie, Jörgi, Robbe und ich saßen beim Thailänder und verbrannten uns nicht nur mit den scharfen Speisen den Mund. Es ging darum, bei einem leckeren Essen das alte Jahr noch einmal Revue passieren zu lassen. Die Stimmung war allerdings eher gedrückt.

Cookie, Jörgi, Robbe und ich saßen beim Thailänder und verbrannten uns nicht nur mit den scharfen Speisen den Mund. Es ging darum, bei einem leckeren Essen das alte Jahr noch einmal Revue passieren zu lassen. Die Stimmung war allerdings eher gedrückt.

Pixelpark beim Sterben zusehen

Cookie fasste sich erst ein Stück Hähnchenflügel und dann ein Herz: "Meine Firma sitzt im Haus genau gegenüber von Pixelpark. Von Woche zu Woche konnte ich zusehen, wie die in einer Etage nach der anderen das Licht abgedreht haben. Für mich ist 2002 das Jahr der Entlassungen und des Firmensterbens. Ich weiß gar nicht, wie viele befreundete Unternehmen in den letzten Monaten vor den Insolvenzrichter mussten. Wir mussten in unserer Firma ja selbst die ersten Entlassungen vornehmen. Das tat ganz schön weh."

Jeder kennt mindestens einen

Ich nickte: "Ich kenne einen, der hat in einer einzigen Woche seine drei Hauptauftraggeber verloren. Sind alle drei Pleite gegangen und haben ihn auf Außenständen von über 300.000 Euro sitzen lassen. Da konnte der auch gleich sein Telefon abbestellen und die Büromiete kündigen. Aber es trifft ja wirklich alle bei uns in der IT-Branche. Ich habe von einem Software-Verlag auf einmal eine horrende Rechnung erhalten. Da haben zwei große Distributoren Konkurs gemacht und dem Verlag Tausende Software-Pakete zurückgeschickt, die eigentlich schon abgerechnet waren. Da durften wir plötzlich all unsere Umsatzbeteiligungen zurückzahlen, die wir jemals erhalten haben."

Jörgi nippte an seinem Bier: "Was ist eigentlich aus all den Indern geworden, die extra wegen dem IT-Boom nach Deutschland gekommen sind?"

"Kein Herz für Inder"

Ich überlegte: "So viele waren das ja gar nicht. Ich kann mir vorstellen, dass das die ersten waren, die wieder entlassen wurden. Neulich kam ich in Berlin am Schaufenster einer IT-Firma vorbei, die hatten da den Aufkleber "Ein Herz für Kinder" auf der Frontscheibe kleben. Nur dass da jetzt jemand "Kein Herz für Inder" draus gemacht hat. Die haben einfach das K ausgeschnitten und umgeklebt."

"Fies". Jörgi schüttelte mit dem Kopf.

Nicht alles sieht düster aus

"Ihr seht das alles viel zu schwarz", meinte Robbe. "Für mich war 2002 das Jahr der technischen Innovationen. Auf einmal haben sich alle meine Bekannten einen DVD-Player und eine Digitalkamera gekauft. Die Geräte gibt es zwar schon seit Jahren, aber die Leute schlagen erst jetzt zu. Ich kann's mir nicht erklären, aber der Videorekorder und die analoge Kamera sind echt auf dem absteigenden Ast. In meinem Fotogeschäft jammern sie schon, dass keine Aufträge mehr hereinkommen. Dafür jubelt mein Multimedia-Händler, dass er mit den DVDs einen Umsatz wie ein Verrückter macht. Ich kann's ja auch echt in der Bekanntschaft feststellen: Anstatt sich eine DVD in der Videothek auszuborgen, kaufen sie sich alle die Filme, die sie haben möchten. Und das bei diesen horrenden Preisen. Bis zu 25 Euro für eine DVD sind doch echt der Wahnsinn."

Jörgi nickte: "Da hast du Recht. Ich habe mir auch gerade eine Digitalkamera und einen DVD-Player angeschafft. Ich sauge mir meine Filme aber lieber im Institut als MPEG-Dateien aus dem Eselsnetz und brenne sie mir dann auf eine Video-CD. Die kann mein DVD-Player auch abspielen."

Das Jahr der Raubkopie

Ich war dran: "Für mich war das Jahr 2002 das Jahr der Raubkopie. Alle PC-Zeitschriften berichteten auf einmal nur noch über Verbotenes. Anleitungen zum Kopierschutzknacken waren in jedem Magazin ebenso zu finden wie Exkurse darüber, wie man alle nur erdenklichen Raubkopien im Internet findet. All die ehrwürdigen Magazine machten auf einmal Quote mit zweifelhaften Workshops und Geheimanleitungen zum Ziehen einer Sicherheitskopie. Komisch, wie sicherheitsbewusst das ganze deutsche Volk auf einmal geworden ist."

Die Erwachsenen machen es vor

Cookie griff sich sein Bier, um den Thai-Brand in seinem Rachen zu löschen. Tränen glitzerten in seinen Augenwinkeln: "Die Raubkopie war in diesem Jahr echt allgegenwärtig. Freunde brachten in diesem Jahr als Mitbringsel auf einmal neu kopierte Musik-CDs mit, verschenkten Software-Raubkopien oder gaben den Kindern nagelneue Computerspiele, die sie frisch umkopiert hatten."

Dreihundert Fragezeichen

Robbe hatte auch etwas zu sagen: "Meine Kinder haben einhundert Hörspielfolgen der "Drei Fragezeichen" auf drei CD-ROMs bekommen. Die hören sie jetzt immer auf meinem MP3-Player an. Wenn man sich vorstellt, was ansonsten eine einzelne Tonbandkassette mit nur einem einzelnen Abenteuer kostet..."

Ich hob die Schultern: "Die neue Gesetzesvorlage, die 2003 zum Einsatz kommen soll, verbietet es ja, einen Kopierschutz zu knacken oder Programme beziehungsweise Anleitungen zum Kopierschutzknacken weiterzugeben."

Neue Themen für PC-Magazine?

Jörgi winkte ab: "Das zwingt vielleicht die PC-Magazine dazu, sich nach neuen Themen umzusehen. Solange es Tauschbörsen im Internet gibt, wird das Gros der Bevölkerung weiter zur Raubkopie greifen. Ist doch auch zu einfach."

Die Frage aller Fragen

Versonnen schauten wir in unser Bier und wagten nicht, die Frage aller Fragen zu stellen. Das traute sich nur der Kellner, der plötzlich am Tisch stehen blieb und fragte: "Na Jungs, wird 2003 besser werden?" Wir winkten alle vier ab. Da waren wir uns alle einmal einig: Auch das nächste Jahr wird die IT-Branche mit dem Daumen auf dem Boden festdrücken.

Carsten Scheibe
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Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.