Scheibes Kolumne Jetzt wird abgewrackt!


stern.de-Kolumnist Scheibe macht bald einen eigenen Schrottplatz auf. Das Abwracken lohnt sich in diesen Tagen. So gibt es Extrakohle inzwischen nicht nur beim Verschrotten des eigenen Autos, sondern auch beim Abgeben alter Software, Sim-Karten, Handys oder TK-Anlagen. Sogar Liebesspielzeug lässt sich geldwert entsorgen.

Wenn ich bereits im Februar eine Prognose abgeben darf: "Abwrackprämie" wird das Wort des Jahres 2009. Die so titulierte Umweltprämie, die in Deutschland zur Ankurbelung des Autohandels ausbezahlt wird, wenn jemand einen Altwagen verschrottet und sich zugleich ein neues Auto kauft, wird von den Autofahrern so intensiv genutzt, dass viele Autohäuser trotz Krise Rekordumsätze feiern. Tatsächlich war es schon lange nicht mehr so günstig, sich ein neues Auto zu kaufen.

Der immense Erfolg der Abwrackprämie sorgt dafür, dass inzwischen fast alles gegen Prämie abgewrackt, verschrottet oder aus dem Rennen genommen wird, was zu Hause noch in der Abstellkammer herumliegt. Ich könnte mich glatt in den Hintern beißen dafür, dass ich zwischen den Jahren das ganze Büro aufgeräumt habe. Für den Kabel- und Hightech-Kram, der von mir als überaltert abgetan in die Tonne gekickt wurde, hätte ich mir jetzt ganz locker den Geldbeutel füllen können.

So nimmt blau.de alte, abgewrackte Sim-Karten entgegen und spendiert 5 Euro für die Vernichtung jeder Uralt-Karte. Klar, dass dabei gleich ein neuer Mobilfunkvertrag herausspringen soll: Ein blau.de Startpaket muss bestellt werden, um sich die Prämie zu sichern. Diese Aktion ist befristet () und läuft am 31. März aus.

Ich bin der Meinung: Wenn schon, denn schon. Dann können wir uns doch auch von den alten Handys trennen, die in einer Schublade Staub ansetzen. Premingo nimmt die alten Mobiltelefone gern entgegen, bietet das Unternehmen doch eine

Abwrackprämie für Handys

an. Das Verbraucherportal gibt die Prämie ebenfalls nur dann frei, wenn zugleich ein neuer Mobilfunkvertrag abgeschlossen wird. Immerhin gibt's dann schon einen DVD-Player, einen Drucker oder eine Digitalkamera - ohne Zuzahlung.

Wer in seiner Firma eine Telefonanlage besitzt, die mindestens fünf Jahre alt ist, kann auch hier Extrakohle einsacken - eine Abwrackprämie für TK-Anlagen, wer hätte das gedacht? Beim Kauf einer neuen Anlage von Unified Communications gibt es bei 3imedia 100 Euro Prämie für jeden lizenzierten Anwender. Das kann sich ganz schön summieren. Auch diese Prämie läuft Ende März aus. Wenn ich mein Wlan mit einem Netz einfangen könnte, ließe es sich auch gleich in den Mixer packen und verschrotten. Denn - na klar, das darf ja nicht fehlen - natürlich gibt es auch eine Abwrackprämie für W-LANs. Wirelessmaxx greift in die Tasche und zahlt Prämie für alte Wlan-Accesspoints und Clients, wenn dabei eine neue Anlage angeschafft wird. Für jeden vergammelten Access-Point gibt es einen blanken Hunnie. Für die Wlan-Clients kann auch noch mal ein Zehner abgeräumt werden. Wir haben es schon geahnt: Ende März ist es auch mit dieser Aktion vorbei.

Um neue Software macht sich Ashampoo verdient - mit der Abwrackprämie für alte Tuning- und Brenner-Software. Wer seine alte Seriennummer an die E-Mail-Adresse sales@ashampoo.com mailt, kriegt 30 Euro auf den Kauf einer topaktuellen Software gutgeschrieben. Das entsprechende Kaufangebot wird dann per Mail zugestellt. Hier läuft die Aktion nicht zu einem bestimmten Datum aus, sondern erst dann, wenn 582.472 Abwrackeinträge eingegangen sind. Eine alte Lizenz findet sich immer: So lassen sich Burning Studio 8 und WinOptimizer 6 zum Schnäppchenpreis einsacken.

Firmen können auch gleich noch ihr

Intranet plattmachen

. United Planet weiß, dass viele Unternehmen schon ewig nicht mehr in ihr Intranet investiert haben und eine völlig antiquierte Lösung verwenden. Wer dieses Intranet in die digitale Schrottpresse gibt, erhält bis zu 2.500 Euro Abwrackprämie, wenn ein modernes Enterprise-Portal bei United Planet bestellt wird. Wer sich nicht sofort entscheiden kann, hat Glück: Intranets können bis zum 30. Juni verschrottet werden.

Nur die wenigsten Anwender kommen sicherlich in den Genuss der Abwrackprämie, die Epson auslobt. Zwar kann man hier satte 2.500 Euro Prämie einsacken. Die Abwrackprämie auf Drucker kommt aber nur dann zum Einsatz, wenn der Anwender bei einem Epson-Händler einen Großdrucker der Reihe Epson Stylus Pro 11880 kauft und zugleich ein altes A3-System ausmustert. Und wer hat schon einen A3-Drucker zu Hause herumstehen? Allerdings reicht es Epson aus, dass sich der Anwender selbst um die fachgerechte Entsorgung des Altgeräts kümmert - na klar. Bis zum 10. April muss diese Prämie beantragt sein. Aus Österreich kommt ein Angebot, das ein wenig mehr am wahren Leben orientiert ist. Wer hier einen alten Jelly-Vibrator aus der Goodies-Schublade des Schlafzimmers abgibt, erhält beim Kauf eines neuen hochwertigen Geräts eine Verschrottungsprämie für Vibratoren im Wert von 40 Euro angerechnet. Das sagt Lustundliebe.at und bietet auch gleich ein entsprechendes Abwrack-Formular an. Ein Verfallsdatum der Aktion wird nicht genannt. Vielleicht eine Aktion für den Valentinstag?

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania


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