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Scheibes Kolumne: Manno, ich will ein iPhone

stern.de-Kolumnist Scheibe ist ein echter Handy-Muffel. Trotzdem möchte er jetzt gern ein iPhone haben. Allein schon wegen der Tools und Spiele, die aus dem iPhone das kleinste NetBook der Welt machen. Auf der Jagd nach dem besten Preis landet er bei Werner in England.

Ich bin ein echter Handy-Muffel. Ständig vergesse ich mein Handy Zuhause. Und wenn ich unterwegs bin, hasse ich es, wenn es dann auch noch klingelt. Das Telefon klingelt schon den ganzen Tag im Büro, da habe ich unterwegs gern meine Ruhe. Trotzdem: Der Hype ums iPhone lässt mich nicht kalt. Als süchtiger Gadget-Fan finde ich das Gerät sehr cool. Vor allem der Hype um die inzwischen 15.000+ gut aussehenden Applikationen macht mich total an. Bahnplan, Stadtplan, Fernsehprogramm und jede Menge Spielerchens - das will ich auch haben. Auch aus beruflichen Gründen: Um Testberichte über iPhone-Apps zu schreiben.

Das Problem: Beim Apple-Partner T-Mobile gibt es das iPhone 3G bereits ab einem Euro, wenn ich mich dafür mindestens 24 Monate binde und ein Tarifpaket zwischen 24,95 und 119,95 Euro im Monat buche. Hallo? Rechnen kann ich auch, das ist mir einfach zu teuer. Schließlich zahle ich momentan nur einen Bruchteil dieser Monatssumme an meinen aktuellen Provider - und mein Handy-Vertrag ist sowieso gerade erst frisch verlängert worden. Ich würde gern meine SIM-Karte aus dem aktuellen Handy herausnehmen und in ein neues iPhone stopfen. Geht das?

Klar. Freund Ingo hat sich sein iPhone billig aus den USA mitbringen lassen, da hat ihn der Spaß nicht mehr als - umgerechnet - 300 Euro gekostet. Ein Kumpel aus dubiosen Kreisen hat dann an der Hardware gefrickelt und den SIM-Lock entfernt. So kann er zwar seine eigene SIM-Karte im iPhone verwenden, hat dafür aber keine Garantieansprüche mehr. Auch die neue Firmware kann er sich wohl nicht mehr aufspielen. Ist ihm egal, sagt er. Im Web lese ich, dass man inzwischen nicht mehr zum Lötkolben greifen muss, um ein iPhone für jede SIM-Karte zu öffnen. Da gibt es anscheinend extra spezielle Software für. Trotzdem: Ich würde gern ein iPhone kaufen, das bereits legal entsperrt ist.

Preiswert und mit Rechnung, bitte!

Als Schnäppchenjäger und als Geschäftsführer einer Firma möchte ich beim Kauf vor allem zwei Dinge erreichen: Ich möchte ein besonders preiswertes iPhone haben. Und ich brauche eine ordentliche Rechnung für die Buchhaltung und kein Gemauschele mit Importen oder vom Laster gefallenen Geräten.

Natürlich schaue ich zuerst bei Amazon.de vorbei. Die liefern schnell, sind zuverlässig und legen stets eine ordentliche Rechnung bei. Da gibt es keinen Ärger mit dem Steuerberater oder dem Finanzamt. Ein entsperrtes iPhone 3G mit 16 GB Speicher soll hier aber gruselige 725 Euro kosten. Holla, die Waldfee. Vier Stück sind noch auf Lager, aber da können sie von mir aus auch gern bleiben. Das ist mir einfach zu teuer für ein bisschen Hightech in der Hosentasche. Immerhin weist Amazon 44 Angebote auf dem eigenen Marktplatz aus. Hier gibt es das iPhone bereits ab 440 Euro. Ich schaue in das Angebot hinein. Die wirklich günstigen Angebote ab 440 Euro sind allesamt gebrauchte iPhones. Entsperrt zwar, dafür aber mit oberflächlichen Kratzern oder leicht verzogener SIM-Slot-Öffnung. Das flößt mir aus der Entfernung nicht unbedingt Vertrauen ein. Teurer wird’s dann bei der Neuware. Ab 579 Euro kann ich ein iPhone 3G mit 16 GB bekommen. Die meisten Angebote sind bereits entsperrt für alle Netze, aber längst nicht alle, da heißt es aufpassen. Lieferzeiten bis 14 Tage? Das kommt mir alles noch nicht perfekt vor. Ich wäre bereit, maximal 350 Euro zu zahlen.

Also surfe ich weiter. Ich lande bei Techleasing, die sagen, dass ich lieber clever leasen anstatt teuer kaufen soll. 29,95 Euro kostet mich hier das iPhone 3G 16 GB im Monat, wenn ich es lease. Nach sechs Monaten könnte ich das Gerät auch tauschen - etwa gegen ein neues Modell. Das klingt nicht schlecht, weil ja das Gerücht die Runde macht, dass im Juni ein neues iPhone mit Tastatur kommt. Auf der anderen Seite: Wie lange dauert der Leasing-Vertrag? Ich kann nirgendwo etwas finden, die ersten Klicks gehen alle ins Leere. Erst beim konkreten Buchen erfahre ich, dass der Leasing-Vertrag mindestens 24 Monate dauert. 24 mal 37,92 Euro - das sind auch schon wieder 910,08 Euro. Irgendwie habe ich das Gefühl, das lohnt sich nicht. Da kann ich das Gerät ja gleich kaufen. Und: Würde ich das iPhone nach zwei Jahren zurückgeben, dann wäre es ja voll mit meinen persönlichen Daten. Die kriegt man doch nicht alle wieder sauber gelöscht, oder?

Ein weiterer Link führt mich zum B2B-Zentrum. Das ist eine Seite, in der Firmen ihre Restposten inserieren und andere Firmen können das dann günstig kaufen. Hier gibt es die tollsten Angebote. Das iPhone 3G 16 GB gibt es hier schon für 290 Euro - plus Märchensteuer. 40 Stück hat der Anbieter noch auf Lager. Na, das klingt doch mal lecker. Ich melde mich rasch beim B2B-Zentrum an, weil das nötig ist, um einen Kauf abzuwickeln. In den nun freigegebenen Daten zum Angebot sehe ich, dass die Firma ihren Sitz in Oranienburg hat. Mensch, das ist ja gleich um die Ecke, da kann ich ja mal eben hinfahren und das iPhone abholen.

Just, als ich hier so klicke, kriege ich über einen RSS-Feed eine Warnung von einem PC-Magazin rein. Bei einem anderen B2B-Portal wurde festgestellt, dass nur 10 Prozent der Käufer ihre bestellten und per Vorauskasse bezahlten Waren zum Superpreis überhaupt erhalten. 90 Prozent werden also gezielt betrogen. Da in meinem Portal über meinen Händler auch steht, dass der Händler noch gar nicht geprüft ist, bin ich sehr, sehr vorsichtig und löse vorerst keinen bindenden Schnäppchenkauf per Mausklick aus. Stattdessen rufe ich die angegebene Telefonnummer des Händlers in Oranienburg an. Da geht aber nur das Fax ran. Komisch. Ich will das Billig-iPhone aber haben und schreibe deswegen eine Mail an den Anbieter. Ob der Preis denn wirklich stimmt. Schnell kommt eine Antwort:

"Apple iPhone 3G 16GB entsperrt 290 Euro. Unsere gesamte Produkt kam mit 2 Jahren internationale Garantie für jedes Objekt verkauft, um unsere Kunden. Wir liefern per FedEx Express Lieferung Haustür. Unsere Sendung dauert nur 2 Tage bis vor die Haustüre. Wir akzeptieren Bank t / t für große Um-und Western Union, um für die kleinen. Wir werden gerne wissen, wie viele Einheiten Sie wollen. Ich bin sehr gespannt auf Ihre E-Mail. Danke. Werner"

Werner aus Oranienburg schreibt aber ein schlechtes Deutsch. Das macht mich misstrauisch. Das - und der Fakt, dass es sich bei der Firma nur um eine Limited handelt und nicht um eine GmbH. Und Western Union, das ist doch genau die Zahlungsart, die weltweit am liebsten von Betrügern eingesetzt wird, weil es so einfach ist, das Geld überall auf der Welt abzuheben und damit zu verschwinden. Ich hake nach und Werner besteht auf Western Union, weil ich ja nur ein einziges Handy haben möchte - und nicht alle 40 auf einmal. Ich kontere und maile, dass ich auf Lieferung mit beiliegender Rechnung und einer sich erst danach anschließenden Zahlung auf ein normales Bankkonto bestehe. Werner antwortet:

"Hallo, Vielen Dank für die E-Mail. Bitte tut mir leid wir nur Bank t / t für große, um 3000 EUR und über Western Union und für die kleinen, um unter 3000 GBP. Bitte wir sind angemeldet und berechtigten Unternehmen hier in Großbritannien. Wenn Sie nicht sicher genug, sich mit uns, können Sie versuchen, anderen Anbietern. Danke. Werner."

Keine Homepage, keine Chance

Schau einer an, Werner sitzt auf einmal in England und gar nicht mehr in Oranienburg. Langsam muss ich grinsen. Wenn es eine Checkliste für einen offensichtlichen Web-Betrug geben würde, dann würde Werner sie alle erfüllen. Ein unschlagbar günstiges Angebot. Vorauskasse. Bezahlen per Western Union. Nebulöser Standort. Tatsächlich gibt es in Werners Mail keine Kontaktdaten. Er hat eine Hotmail-Adresse. Also frage ich - inzwischen auf Englisch - nach einer Homepage, um mir hier die Firmendaten anzusehen:

"Hello, Thanks for the mail. Please I am so sorry our website is currently under maintenance. Like I told you before, our shipment takes just 2 days to your doorstep. We will confirm your payment via western union before we ship out and send you your shipping address and phone number. Please if you are still interested in dealing with us, kindly send us your shipping address and phone number so we can proceed. I await your mail. Thanks. Werner."

Also eine Homepage gibt es auch nicht. Also breche ich den Kontakt zu Werner umgehend ab und erinnere mich an den alten Spruch: Wenn etwas zu gut aussieht, um wahr zu sein, dann ist es das meist auch nicht. Schade. Dann muss ich mit meinem iPhone-Kauf wohl noch etwas warten. Bis ich aus Zufall das ultimative Schnäppchen finde.

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania

Themen in diesem Artikel
Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.