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Scheibes Kolumne: Neil Young, Joints und Handys

stern.de-Kolumnist Scheibe hat sich übers Wochenende die Haare wachsen lassen und war bei einem Neil-Young-Konzert. Die Joint-Schwaden gibt es beim Godfather of Grunge noch immer gratis mit dazu. Aber inzwischen halten die Fans keine Feuerzeuge mehr in die Luft, sondern Fotohandys.

Ich bin überzeugter Neil Young Fan - und das schon länger als ein halbes Leben. Der Großteil meiner Plattensammlung ist schließlich mit seinem Namen versehen. Und so lasse ich natürlich keine Gelegenheit aus, um den gealterten Folk-Rocker einmal live zu sehen. Zwei Mal war ich in den letzten Jahren schon in der Berliner Waldbühne, um akustisch geprägten Konzerten mit Hammond-Orgel und Mundharmonika zu lauschen.

Mitte August war der geniale Komponist und Sänger ("Cinnamon Girl", "Heart of Gold", "Ohio", "The Needle And The Damage Done", "Like a Hurricane") wieder einmal in Berlin, dieses Mal in der Zitadelle in Spandau. Die geschichtsträchtige Stätte weist einen wunderschönen Innenhof auf, in dem den ganzen Sommer über tolle Konzerte im kleinen Besucherkreis stattfanden. Neil spielte dieses Mal endlich eine harte, elektrische Version seiner Songs, sodass die Besucher sich über minutenlange Gitarrensoli mit kreischenden Rückkopplungen freuen durften. Young ist ja bekannt dafür, dass er keine langweiligen Studioversionen seiner Songs spielt, sondern es live richtig krachen lässt (Konzertbericht hier: www.falkenseeaktuell.de).

Ich stand inmitten eines Publikums, das aus in Würde ergrauten und erglatzten Mittfünfzigern und jungen Twen-Mädchen bestand, die passend zu den Songs mit den Hüften wackelten, an Bierbechern süffelten oder die Lieder lauthals mitsangen. Eben, als ich mich fragte, ob die alten Folk-Freaks von früher denn das Kiffen verlernt hatten, leuchtete direkt vor mir eine Tüte von der Größe einer Zigarre auf, deren Rauch so intensiv nach Gras roch, dass man schon als Passivraucher seine Dosis THC abbekam. So gesehen ist alles beim Alten geblieben.

Displays statt Feuer

Nun, nicht ganz. Die vielen Lichter, die sich ab der Mitte des Konzerts in den Himmel streckten, als es langsam dunkler wurde, waren nämlich keine klassischen Feuerzeuge, ja nicht einmal moderne Knicklichter. Es waren kleine Digitalkameras. Dutzende Besucher standen vor der Bühne und knippsten, was das Zeug hielt. Nun war ich in diesem Jahr noch nicht wirklich oft in einem Konzert gewesen. Im letzten Jahr war mir dieser spezielle Trend aber noch nicht aufgefallen.

"Wird doch eh nix ohne richtigen Blitz auf diese Entfernung", murmelte ich zu meinen Nachbarn. Aber einer von ihnen hielt mir gleich das Display seiner Kamera unter die Nase. Ich staunte. Die Fotos waren durchaus okay. Brauchbar. Eine nette Erinnerung an einen tollen Live-Abend. Fast ärgerte ich mich schon darüber, dass ich meine Kamera nicht mitgenommen hatte.

Dann ging eine junge Frau neben mir ans Handy. "Rat mal, wo ich gerade bin", sagte sie. Und: "Hör doch mal!" Und schon reckte sie das Handy in die Luft, damit der Anrufer auch ja mithören konnte, was Neil da gerade auf der Bühne fabrizierte. Ah ja. Das wäre vor zehn Jahren auch noch undenkbar gewesen.

Als ich mich so umsah, entdeckte ich viele weitere Handys, die minutenlang in die Luft gehalten wurden. War das ein neuer Trend, um so die Daheimgebliebenen mithören zu lassen, ohne dass sie eine Karte bezahlen müssen? "Du Dummerchen", klärte mich Kumpel Thomas am nächsten Tag auf. "Die nehmen einzelne Songs mit dem Handy auf Video auf und stellen das dann am nächsten Tag bei You Tube und ähnlichen Portalen ein." Tatsächlich. Thomas gab mir einige Links und so kam ich in den Genuss, mir das halbe Genesis-Konzert vom letzten Jahr im Web-Browser ansehen zu können - in bester Klangqualität. Ja, ich fand sogar noch Videos vom Roger-Hodgson-Konzert in der Zitadelle, das ich am 22. Juli selbst besucht hatte. Unglaublich: Im Kino steht so etwas unter Strafe und beim Konzert wird man noch nicht einmal belehrt, dass diese Handlung verboten sein könnte.

Am Ende entdeckte ich dann noch einen Neil-Young-Fan, der weder fotografierte noch filmte. Er hatte sein Handy-Display auf weiß gestellt und schwenkte es nun passend zur ruhigen Musik von "Helpless" in der Luft - die moderne Entsprechung des klassischen Feuerzeugs. The Times, They Are A-Changin'.

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania

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Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.