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Scheibes Kolumne: PC-Steuern: Jetzt wird abgerechnet

Huch, was macht denn die Merkel da? stern.de-Mitarbeiter Scheibe hat Angst um seine Finanzen und äugt misstrauisch auf die anstehende Märchensteuererhöhung. Hoffentlich kommen die Politiker nicht auch noch auf die Idee, das Internet und den PC zu besteuern.

Deutschland braucht frisches Geld. Und das holen sich die Politiker am liebsten dort, wo es reichlich vorhanden ist - beim Bürger. Hier ein paar Prozent mehr bei der Mehrwertsteuer, dort ein paar Prozent weniger beim Ehegattensplitting. Und die Reichen können sowieso noch mehr bezahlen, wo kommen wir denn hin, wenn Leistung auch noch belohnt wird?

Während ich mich so ereifere - wenn schon nicht am Stammtisch, so doch wenigstens am Schreibtisch -, stelle ich fest, dass die Politiker einen Bereich noch gar nicht so richtig ins Fadenkreuz genommen haben: meinen Computer. Voller Angst stelle ich fest, dass es da sehr viele Möglichkeiten gibt, mir noch einmal an meinen Geldbeutel zu gehen.

Allgemeine E-Mail-Steuer

Ein Unding, dass hier Milliarden Mails am Tag verschickt werden, ohne dass der Staat mitkassiert. Aus diesem Grund ist die E-Mail-Maut für deutsche Datenautobahnen das neue Geldverdieninstrument der Zukunft. 0,1 Cent beträgt die Steuer pro versandter Mail, die vor allem die Spammer zum Weinen bringt. Das ist dann auch das Argument, mit dem die neue Maut durchgedrückt wird.

Online-Sexsteuer

Millionen muss der Staat aufwenden, um Jugendliche zu therapieren, die sich auf extremen Online-Sexseiten selbst aufgeklärt haben - und das Gesehene nicht verkraften können. Das ist jedenfalls der vorgeschobene Grund, der angeführt wird, um Portalbetreiber dazu zu bringen, für jedes abgerufene Gigabyte Sexdaten eine Sexsteuer von 10 Cent zu erheben. Der Aufruf nicht-deutscher Sexseiten wird zeitgleich unter Strafe gestellt.

Digitale-Foto-Steuer

Die ganze Nation fotografiert wie verrückt - und es fließt kein Cent mehr in den Staatssäckel. Früher konnte Deutschland wenigstens noch an der Mehrwertsteuer für frisch entwickelte Filme oder Papierabzüge mitverdienen. Neue Kameras werden mit einem Zählwerk ausgestattet. Einmal im Monat wird die Zahl der aufgenommenen Fotos über das Internet ans Finanzamt übermittelt. 1 Cent Steuern pro Bild fallen an. Das läppert sich.

Online-Banking-Steuer

Die Banken schließen ihre Filialen, alle Geschäfte werden online abgewickelt. Neue Jobs in der Finanzwelt müssen her. Wer soll die bezahlen? Der Bankkunde. Für jede online getätigte Transaktion fallen Gebühren an, die direkt dem Staatshaushalt zugute kommen. Die Rede ist von 10 Cent pro Überweisung.

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania

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