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Scheibes Kolumne: Pure Abzocke

Während die interessanten Gerätschaften für den Computer immer preiswerter werden, lauert die Kostenfalle an ganz anderer Stelle. So manches überzeugende Schnäppchen verwandelt sich mit der Zeit in ein teures Eurograb.

Die wirklich interessanten Gerätschaften für den Computer werden immer preiswerter. Die Kostenfalle lauert aber an ganz anderer Stelle. So manches überzeugende Schnäppchen verwandelt sich leider mit der Zeit in ein teures Eurograb, das den Geldbeutel über Gebühr belastet.

So richtig bewusst ist mir die Abzockerei am modernen PC-Arbeitsplatz erst geworden, als wir im Büro vor einigen Wochen einen überraschenden Anruf bekamen. Ein überaus freundlicher Kundenberater war am Apparat. Er rief im Auftrag der Firma an, die unseren Bürokopierer hergestellt hat. Den hatten wir mal für ein paar hundert Euro bei einem ganz normalen Büroausstatter erworben. Keine Ahnung, wie unsere Adresse vom Büroausstatter zum Hersteller gewandert ist – wir lassen uns doch aus purer Absicht nie registrieren.

Wo sind die Hintergedanken?

Der Hersteller wollte uns ein echt superbes Angebot machen. Völlig kostenfrei würde man uns den alten Kopierer gegen das allerneueste Modell mit vielen neuen Funktionen austauschen. Wir wurden ein klein wenig misstrauisch und versprachen, uns die Sache gut zu überlegen und dann zurückzurufen. Gregor hob den Zeigefinger: "Niemand außer meiner Großmutter verschenkt etwas ohne Hintergedanken."

Erkenntnis aus dem Katalog

Auch Karsten warnte: "Da ist doch was faul." Einem Verdacht folgend zückte er schnell einen Bürokatalog und schaute sich die Preise für die Toner-Kassetten an. Die Toner-Kassette unseres alten Kopierers kostete um die 40 Euro, die des neuen Kopierers weit über 100. Da kriegt man also etwas geschenkt und soll dann über die Hintertür 60 Euro pro Toner-Füllung mehr bezahlen als vorher. Wir sagten die Geschenkaktion umgehend wieder ab.

Weinend vor dem Drucker knien

Die Abzockerei mit dem Zubehör ist aber kein Einzelfall. Die Tintenstrahldrucker werden immer preiswerter und besser, die Farbpatronen aber zunehmend teurer. Wir drucken im Büro ständig die PDF-Layouts in Farbe aus, die uns die Seitengestalter der PC-Magazine zur Kontrolle vor dem Druck noch einmal zusenden. Wenn da Seiten mit schwarzem oder farbigem Hintergrund mit dabei sind, fangen wir vor dem Drucker kniend das große Weinen an. Die schöne Tinte. Denn die flüssige Farbe scheint teurer als Gold – für beide Kartuschen lege ich locker einen 50-Euro-Schein hin, wenn das denn mal reicht. Und dann halten sie nur eine Woche.

Nachfüllen: billig - und Spaß macht es auch

Letztens reichte es uns dann. Wir hatten keine Lust mehr, Hunderte von Euros zum Fenster herauszuwerfen. Also besorgten wir uns ein professionelles Nachfüllpack. Das kostete nur einen Bruchteil, sollte aber für mehrere Füllungen ausreichen. Ich war erst sehr skeptisch, ließ mich aber schnell überzeugen. Dem Pack lagen drei proppenvolle Farbgläschen, drei Spritzen und drei Kanülen mit stumpfer Spitze bei. Außerdem gab es da noch eine Apparatur zur perfekten Platzierung der Farbpatrone sowie einen Minibehälter mit einer Reinigungsflüssigkeit. Sogar Plastikhandschuhe waren mit dabei. Als ausgebildeter Mikrobiologe mit Laborerfahrung fühlte ich mich mit all den schönen Dingen sichtlich wohl.

Problemlos ließen sich die Spritzen mit Farbe füllen. Die Farbe wurde dann in die Kammern der Patrone gespritzt. Eine Anleitung zeigte, welche Farbe in welche Kammer gehört. Nach fünf Minuten war die Aktion zu Ende. Die Spritzen wurden ausgewaschen, die Patronen eingesetzt. Der Ausdruck war nach der Aktion genauso gut wie vorher. In Sachen Tinte lassen wir uns jedenfalls nicht mehr veräppeln.

Digitalkamera: Speicher nicht vergessen!

Auch bei uns im Büro boomt die digitale Fotografie. Bis auf Gregor haben wir alle eine elektronische Knipse. Und Gregor liegt nur noch ein wenig auf der Lauer und möchte bald ebenfalls zuschlagen. Das Problem ist, dass die Kameras alle nur mit einem winzigen Speicherchip ausgestattet sind. Wer mehr als 30, 40 Bilder speichern möchte, muss also noch einmal in die Tasche greifen. Ein solider Chip mit 256 Megabyte Fassungsvermögen kostet aber noch einmal gut 50 Euro. Dieses Geld haben die wenigsten Fotografen mit in ihre Finanzplanung einkalkuliert. Leider lassen sich in diesem Bereich die Kosten auch nur wenig drücken. Wer klug ist, konsultiert einen Preisvergleich wie Evendi.de im Internet. Bei den hier gemeldeten Online-Shops kann der Preis für eine Speicherkarte leicht um hundert Prozent vom Mindestangebot abweichen. Kluge Sparer schauen sich auch gerne bei eBay um und versuchen, eine gebrauchte Speicherkarte zum Mindestpreis zu ersteigern. Die kann dann auch gleich im PDA mit eingesetzt werden.

Carsten Scheibe