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Technik-Aversion: Obama kritisiert iPad

Barack Obama hat es mit Republikanern, der Pharmalobby und der Wall Street aufgenommen. Jetzt wagt der Präsident den Schlag gegen Amerikas IT-Ikone Apple.

Von Andrea Rungg

Die Nachrichten von Barack Obama kommen mittlerweile in kleinen Dosen. Anders als während seines Wahlkampfs 2008 ist die Zahl der Twitter-Botschaften des US-Präsidenten heute überschaubar. Am Montag sendete Obama gerade mal ein Tweet, also eine Kurznachricht. "Ich habe eine Oberste Richterin ausgewählt, die Exzellenz, Unabhängigkeit, Integrität und Leidenschaft für das Recht verkörpert - Elena Kagan", teilte der Präsident mit. Eine Nachricht, die in der Politik sicher viel Aufmerksamkeit erhält, sich in der Technikwelt allerdings eher versendet.

Die Welt der Daddler und Nerds hat eine ganz andere Nachricht Obamas aufmerken lassen: "Mit iPods und iPads und Xboxen und Playstations - ich kann mit keinem davon umgehen - wird Information eine Ablenkung, eine Form von Unterhaltung, anstatt ein mächtiges Hilfsmittel zu sein, eine Möglichkeit zur Emanzipation", sagte Obama vor Studenten an der Hampton University in Virginia. Die Verwunderung unter Tech-Bloggern ist groß. Solche Töne aus dem Munde des Präsidenten, der auch als erster Twitter-Präsident in die Geschichte eingehen wird? Von Obama, der vor Amtsantritt noch erbittert um seinen Blackberry gekämpft hatte, weil der Secret Service des Weißen Hauses das Gerät für zu unsicher hielt? "Moment mal, hat Obama das iPad beleidigt?", fragen gar eifrige Twitterer.

Womöglich muss sich der Präsident bald noch dafür beim iPad-Hersteller Apple entschuldigen, unken manche. Denn als die amerikanische TV-Moderatorin Ellen DeGeneres vergangene Woche einen Scherz über das iPhone machte, sah sie sich genötigt, hochoffiziell via TV ihre Entschuldigung an "Apple, Steve Jobs und Mr Macintosh" zu übersenden. Ironie inklusive.

In Cupertino, dem Konzernsitz von Apple, liegen die Nerven gerade ein bisschen blank. Und nun kritisiert auch noch der US-Präsident das iPad. Obama hat eine ganz einfache Erklärung. "Sie alle werden erwachsen in einer Rund-um-die-Uhr-Medienumgebung, die uns mit allen Arten von Inhalten überflutet und uns allen möglichen Argumenten aussetzt, auf die Lügendetektoren nicht immer gleich stark anschlagen." Er fürchte daher um die Demokratie. Denn von all den Hightechgeräten würden Botschaften übertragen, "die neuen Druck auf unser Land und unsere Demokratie ausüben könnten".

Obama wird doch nicht den norwegischen Ministerpräsidenten im Visier haben? Der saß unlängst wegen der Aschewolke auf einem Flughafen fest - und erledigte die Regierungsgeschäfte via iPad.

FTD